Geschmackloses Motiv

Nach Mord an Tramperin Sophia: „Pietätlos und ekelhaft“ - Wirbel um Werbekampagne

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Sophia L. wurde 2018 ermordet. Ein Jahr nach ihrem Tod sorgen geschmacklose Werbeplakate für Empörung.

Vor etwas mehr als einem Jahr wurde die Tramperin Sophia L. von einem Lkw-Fahrer ermordet. In ihrem Studienort Leipzig wirbt eine Firma nun mit skandalösen Plakaten.

  • Die Studentin Sophia L. wurde im Juni 2018 von einem Lkw-Fahrer ermordet.
  • Sie wollte von Leipzig in ihre Heimat Amberg trampen.
  • Der Täter wurde zu lebenslanger Haft verurteilt.
  • Gut ein Jahr nach ihrem Tod sorgen „pietätlose und ekelhafte“ Werbeplakate für Empörung. 

Leipzig - Sophia L. wollte vor gut einem Jahr von ihrem Studienort Leipzig in ihre Heimat Amberg trampen, um Freunde zu besuchen - doch dort kam die damals 28-Jährige nie an. Ein Fernfahrer aus Marokko hatte sie im Juni 2018 in seine Gewalt genommen, mit einem Eisen erschlagen und nach Spanien gebracht. Dort setzte er sein Fahrzeug in Brand, um Spuren zu beseitigen. Im Norden des Landes wurde Sophias Leiche dann sechs Tage nach ihrem Verschwinden gefunden. 

Das Landgericht Bayreuth verurteilte den 42-jährigen Mann wegen Mordes und gefährlicher Körperverletzung vor sieben Wochen zu lebenslanger Haft. Der Fall schlug damals hohe Wellen und kocht auch jetzt noch einmal hoch - und zwar durch einen geschmacklosen Werbeslogan.

Fall Sophia: Clevershuttle wegen „unfassbar geschmacklosen“ Plakaten in der Kritik

Der Fahrdienst-Anbieter Clevershuttle sorgt derzeit mit Plakaten für Diskussionen. Das Berliner Unternehmen wirbt in Leipzig mit dem Slogan „Wie Trampen. Nur ohne Axtmörder.“ und erntet dafür wütende Proteste. In den sozialen Netzwerken mehren sich kritische Stimmen, eine Nutzerin schreibt: „Das ist ja unfassbar geschmacklos .... Es werden junge Frauen aus Leipzig ermordet und verschwinden, doch hier wird ein Witz gemacht, um daraus Kapital zu schlagen. Das ist ja nicht euer Ernst.“ Ein anderer User findet die Kampagne „einfach nur pietätlos und ekelhaft“.

Video: Urteil nach Mord an Tramperin Sophia (28)

Sophia L. ermordet: Bruder empört über „pietätlose“ Werbekampagne

Über die Werbeplakate zeigte sich auch die Familie der Toten empört. Sophias Bruder Andreas sagte der Deutschen Presse-Agentur, er finde die Plakate „pietätlos“ und „unmöglich.“ Er habe vor rund zwei Wochen davon erfahren, mehrere Menschen hätten ihm Bilder der Kampagne geschickt. „Die Leute bringen die Plakate offenbar mit dem Fall meiner Schwester in Verbindung.“ 

Andreas, der bei Beginn des Prozesses eine emotionale Rede hielt, hatte nach dem Verschwinden seiner Schwester persönlich Suchtrupps geleitet, um Sophia zu finden. Der entscheidende Hinweis kam allerdings durch eine von Sophia versendete SMS. Ihr Bruder fordert das Unternehmen nun dazu auf, zu handeln. Seiner Meinung nach müssen die Plakate zügig verschwinden: „Die Dinger gehören abgehängt.“

Clevershuttle gibt zu: Mit Werbekampagne „ganz klar“ gescheitert

Nach Angaben der Firma Clevershuttle werden die umstrittenen Plakate zeitnah entfernt. „Innerhalb der nächsten Tage sollte das Motiv nicht mehr im Stadtbild zu sehen sein“, sagte ein Sprecher auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Der Spruch „Wie Trampen. Nur ohne Axtmörder“ sei eine von 45 Schlagzeilen im Rahmen einer bundesweiten Kampagne gewesen. Neben Leipzig hingen die Plakate auch in Berlin sowie in München. 

Ziel sei es gewesen, sich „Horrorfilm-Klischees“ zu bedienen und diese stark auf die Spitze zu treiben. Daran sei man „ganz klar“ gescheitert, räumte Clevershuttle selbstkritisch ein. Die Firma bedaure, dass ein Motiv der aktuellen Werbekampagne Schmerz bei der Familie von Sophia ausgelöst habe.

Das Unternehmen machte auch mit Sprüchen wie „Wie Lieferdienst. Nur, dass du ausgeliefert wirst.“ oder „Wie Koks-Taxi. Nur ohne Koks.“ auf sich aufmerksam.

Eine 22 Jahre alte Backpackerin soll bei einem Tinder-Date in einem Hotelzimmer in der neuseeländischen Auckland getötet worden sein. Ihre Leiche wurde eine Woche später in einem Koffer gefunden.

as/dpa

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