Hunderttausende betroffen

Starker Regen bringt Überschwemmungen und Tod nach Japan

Wegen massiver Überflutungen müssen sich Hunderttausende in Sicherheit bringen. Foto: Uncredited/Kyodo News/AP/dpa
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Wegen massiver Überflutungen müssen sich Hunderttausende in Sicherheit bringen. Foto: Uncredited/Kyodo News/AP/dpa

Wieder schlagen Naturgewalten in Japan zu. Sintflutartige Regenfälle sorgen im Südwesten des Inselreiches für gewaltige Überflutungen und Erdrutsche, ganze Wohnhäuser werden fortgerissen. Hunderttausende müssen sich in Sicherheit bringen.

Tokio (dpa) - Sintflutartige Regenfälle haben im Südwesten Japans schwere Überflutungen und Erdrutsche verursacht und vermutlich mehr als ein Dutzend Menschen in den Tod gerissen.

Japanische Medien meldeten aus den schwer betroffenen Provinzen Kumamoto und Kagoshima zunächst einen Toten sowie 18 weitere Opfer mit "Herz- und Atemstillstand" - eine in Japan oft benutzte Formulierung, bevor der Tod von Menschen amtlich bestätigt wird. Sieben Menschen wurden am späten Abend noch vermisst, hieß es.

Die örtlichen Behörden auf Japans südwestlicher Hauptinsel Kyushu forderten mehr als 200.000 Menschen auf, ihre Häuser zu verlassen und Schutzräume aufzusuchen. In den mehr als 100 in Kumamoto eingerichteten Notlagern mussten zugleich Vorkehrungen gegen die Gefahr einer Ansteckung durch das Coronavirus getroffen werden.

"In der Luft hängt der Geruch von leckenden Gasleitungen und Abwässern", erzählte eine 32-jährige Bewohnerin der schwer betroffenen Stadt Ashikita in Kumamoto Reportern. Als sie gegen 4.00 Uhr morgens aufwachte, hätten einige Nachbarhäuser bereits unter Wasser gestanden. Große Bäume und Teile von Häusern seien von den Wassermassen fortgerissen worden.

Auf Luftaufnahmen des staatlichen Fernsehens waren ganze Wohngebiete metertief versunken in schlammigen Wassermassen zu sehen. Aus oberen Stockwerken winkten Menschen mit weißen Tüchern, um die Besatzung von Rettungshubschraubern auf sich aufmerksam zu machen. An Rettungsseilen wurden mehrere Bewohner, die sich aufs Dach gerettet hatten, von den Hubschraubern in Sicherheit gebracht. Auch mit Schlauchbooten kämpften sich die Einsatzkräfte zu den Opfern vor. Es gab jedoch Probleme, einige der bergigen Regionen zu erreichen.

In sozialen Medien wurden derweil unzählige Fotos und Videos aus den Katastrophengebieten hochgeladen. Im August will Japans Polizei eine Webseite starten, auf der solche Aufnahmen zum Beispiel von beschädigten Straßen und Gebäuden sowie Erdrutschen hochgeladen werden können. Dies soll den Einsatzkräften bei Katastrophen künftig dabei helfen, Rettungsarbeiten zügig einzuleiten. Manche Menschen nutzten am Samstag die sozialen Medien auch dafür, um Hilfe zu rufen.

In einem Altenpflegeheim in dem von den Überflutungen ebenfalls stark betroffenen Dorf Kuma in der Provinz Kumamoto wurde bei 14 Menschen Herz- und Atemstillstand diagnostiziert, meldete der Fernsehsender NHK. "Es war unheimlich", schilderte eine alte Frau in Kumamoto, die von Helfern auf dem Rücken aus ihrem überschwemmten Wohnviertel getragen wurde. Ganze Häuser wurden von den schlammigen Wassermassen fortgerissen, andere standen bis unter das Dach unter Wasser.

Als der Wasserspiegel stellenweise langsam sank, wurde das Ausmaß der Schäden immer deutlicher: verwüstete Häuser, in denen dicke Schlammschichten liegen, beschädigte Straßen und Autos, eine große Brücke überflutet. Zu mehreren Bewohnern überschwemmter Städte gebe es keinen Kontakt, hieß es. Die Mobiltelefonverbindungen waren zeitweise unterbrochen, Tausende von Haushalten waren von der Stromversorgung abgeschnitten. Stellenweise gingen Erdrutsche nieder.

Das Militär wurde zur Hilfe gerufen, um die Einsatzkräfte zu unterstützen. Der japanische Regierungschef Shinzo Abe kündigte bei einer Notfallsitzung die Entsendung von rund 10.000 Soldaten in die Katastrophenregion an. Zudem sollen die betroffenen Menschen mit Notfallgütern versorgt werden. Die Meteorologische Behörde gab für viele Regionen die höchste Warnstufe aus und warnte für das restliche Wochenende vor weiterem heftigen Regen auch in Teilen des Westens.

© dpa-infocom, dpa:200704-99-668944/6

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