Zwei Teams erbringen Nachweis

Außerirdisches Leben auf der Venus? Forscher entdecken Hinweise - „Es war ein Schock für uns“

Zwei Forscherteams haben unabhängig voneinander Anzeichen von Leben auf der Venus entdeckt. Außerirdische Mikroben könnten in den Wolken des Planeten wohnen.

  • Wissenschaftler haben Anzeichen für Leben auf der Venus gefunden.
  • In der Atmosphäre wurde das Gas Phosphin nachgewiesen.
  • Außerirdische Mikroben könnten das seltene Gas erzeugt haben.

Cardiff - Wer sich ein wenig mit unseren Nachbarplaneten beschäftigt hat, der weiß, auf fast allen herrschen Verhältnisse, die Leben dort so gut wie unmöglich machen. So dachte man auch lange über unseren direkten Nachbarn Venus. 400 Grad Oberflächentemperatur und ein Druck von 90 bar laden nicht gerade zum Verweilen ein. Außerdem besteht die Atmosphäre des zweiten Planeten im Sonnensystem aus 95 Prozent Kohlendioxid und die Wolken sind getränkt mit ätzender Schwefelsäure. Doch genau unter diesen höllischen Bedingungen haben Forscher das Gas Phosphin entdeckt - ein Hinweis auf außerirdisches Leben.

Leben auf der Venus: Seltenes Gas existiert auch auf der Erde

„Als wir in den Messergebnissen die ersten Anzeichen für Phosphin in der Venus-Atmosphäre sahen, war das für uns ein Schock“ - so erzählt es Jane Greaves, Astrobiologin an der Universität Cardiff und Leiterin des internationalen Forschungsteams auf Tagesschau.de. Bereits 2017 wurde das Gas durch das James-Clerk-Maxwell-Teleskop auf Hawaii nachgewiesen. Es befindet sich in der oberen Atmosphäre des Planeten, wo es angenehme 30 Grad hat und der Druck wie auf der Erde nur ein bar beträgt. Die Wissenschaftler waren aber skeptisch. Man wollte überprüfen, ob Phosphin nicht durch andere Ereignisse erzeugt hätte werden können wie Vulkanausbrüche oder Blitze in der Atmosphäre. Doch sie fanden so viel davon dort, dass andere Ursachen ausgeschlossen werden konnten. 2019 gab es dann die zweite Bestätigung der Gas-Entdeckung durch Messungen des ALMA-Teleskopverbunds der Europäischen Südsternwarte in Chile.

Phosphin ist ein seltenes Gas. Es entsteht nur wenn sich ein Phosphor-Atom mit drei Wasserstoff-Atomen verbindet. Doch gibt es, wie auf der Erde auch, ungebundenen Sauerstoff in der Atmosphäre, dann verbindet sich dieser scheller mit dem Phosphor. Das Gas kann also nur künstlich erzeugt werden. Auf der Erde wurde es beispielsweise im Untergrund von Mooren, im Darm von Fischen oder im Kot von Pinguinen nachgewiesen. Unter Wissenschaftlern wird Phosphin als wichtiger Teil des Stoffwechsels von Lebenwesen angesehen, die keinen Sauerstoff benötigen und daher gilt es als Biomarker für Leben auf anderen Planeten.

Leben auf der Venus: Mikroben in der Atmosphäre könnten Phosphin absondern

Schon vor einigen Jahrzehnten entdeckten Astronomen im ultraviolettem Lichtspektrum der Wolken auf der Venus dunkle Flecken. Jetzt spekulieren die Wissenschaftler, dass es große Ansammlungen von schwebenden Mikroben sein könnten. Die kleinen Lebewesen müssten aber sehr taff sein. Der Schwefelsäuregehalt dort beträgt 90 Prozent. Auf der Erde sterben Mikroben schon bei fünf Prozent. Um endgültig feststellen zu können, ob es Leben auf der Venus gibt, muss eine Sonde den Planeten besuchen. Russland plant solch eine Mission für das Jahr 2026 oder 2031. An Bord der Sonde Venera-D könnte dann auch ein Ballon verstaut werden, der Proben in der oberen Atmosphäre sammeln kann. Es gibt auch schon Pläne bei diesem Projekt mit der NASA zusammenzuarbeiten. (tel)

Vor kurzem wunderte sich die NASA nicht schlecht, als ein Asteroid haarscharf an der Erde vorbei flog. Eine Sonde der ESA schoss vor nicht allzu langer Zeit atemberaubende Bilder von der Oberfläche der Sonne.

Rubriklistenbild: © DB ESA/picture alliance

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