Ärger um unfertigen Flutschutz

Geld aus Rom: Notstand für Venedig beschlossen

Touristen gehen über Stege, die über das Hochwasser führen. Foto: Claudio Furlan/LaPresse via ZUMA Press/dpa
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Touristen gehen über Stege, die über das Hochwasser führen. Foto: Claudio Furlan/LaPresse via ZUMA Press/dpa
Der Dogenpalast spiegelt sich im Hochwasser auf dem Markusplatz. Foto: Claudio Furlan/LaPresse via ZUMA Press/dpa
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Der Dogenpalast spiegelt sich im Hochwasser auf dem Markusplatz. Foto: Claudio Furlan/LaPresse via ZUMA Press/dpa
Touristen laufen auf dem überfluteten Markusplatz durch das Wasser. Foto: Andrea Gilardi/LaPresse via ZUMA Press/dpa
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Touristen laufen auf dem überfluteten Markusplatz durch das Wasser. Foto: Andrea Gilardi/LaPresse via ZUMA Press/dpa
Arbeiter räumen im Inneren des Markusdoms auf, nachdem die Kirche von dem Hochwasser überflutet wurde. Foto: Luca Bruno/AP/dpa
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Arbeiter räumen im Inneren des Markusdoms auf, nachdem die Kirche von dem Hochwasser überflutet wurde. Foto: Luca Bruno/AP/dpa
Der Eingangsbereich zum Markusdom ist überflutet, das Hochwasser hat Schäden am Mauerwerk angerichtet. Foto: Luca Bruno/AP/dpa
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Der Eingangsbereich zum Markusdom ist überflutet, das Hochwasser hat Schäden am Mauerwerk angerichtet. Foto: Luca Bruno/AP/dpa
Kunden stehen an einem Tresen in einem Café. Geschäftsleute sollen nun Soforthilfen von 20.000 Euro erhalten. Foto: Claudio Furlan/LaPresse via ZUMA Press/dpa
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Kunden stehen an einem Tresen in einem Café. Geschäftsleute sollen nun Soforthilfen von 20.000 Euro erhalten. Foto: Claudio Furlan/LaPresse via ZUMA Press/dpa
Touristen gehen über Stege vor dem Markusdom. Wegen des verheerenden Hochwassers haben viele Touristen ihre Reisen in die Lagunenstadt storniert. Foto: Claudio Furlan/LaPresse via ZUMA Press/dpa
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Touristen gehen über Stege vor dem Markusdom. Wegen des verheerenden Hochwassers haben viele Touristen ihre Reisen in die Lagunenstadt storniert. Foto: Claudio Furlan/LaPresse via ZUMA Press/dpa

Rom macht jetzt Geld locker, doch viele Menschen in Venedig sind wütend über das Versagen der Politik. Schließlich wird seit Jahren über den Flutschutz diskutiert. Touristen sagen Reisen ab, Bewohner sind entsetzt über das Ausmaß der Hochwasserschäden.

Venedig (dpa) - Nach den verheerenden Überschwemmungen in Venedig hat die italienische Regierung am Donnerstag den Notstand für die Lagunenstadt beschlossen. Dies teilte der Ministerrat nach einer Sitzung am Donnerstag mit.

Damit werden 20 Millionen Euro an Soforthilfen freigegeben. Ministerpräsident Giuseppe Conte sagte, dass Privatleute mit Soforthilfen von 5000 und Geschäftsleute von 20.000 Euro rechnen könnten. Conte hatte am Donnerstag Venedig besucht.

Venedig ist in dieser Woche vom schwersten Hochwasser seit Jahrzehnten heimgesucht worden. Getrieben durch heftigen Wind war der Wasserstand in der Nacht zu Mittwoch auf 187 Zentimeter über dem normalen Meeresspiegel gestiegen. Das war der höchste Wert seit 1966. Mehr als 80 Prozent der historischen Stadt stehen unter Wasser. Am Donnerstag sank der Pegel vormittags auf 113 Zentimeter. Für Freitagvormittag wurden aber 145 Zentimeter vorhergesagt. Die Schulen sollen geschlossen bleiben, der Dogenpalast schließt am Freitag ebenfalls. Es habe schon viele Absagen von Urlaubern gegeben, sagte Laura Ferretto vom Hotelverband Federalberghi Veneto.

Im ganzen Norden Italiens, aber auch in anderen Landesteilen werden für die nächsten Tage weiter heftige Niederschläge erwartet. In Venedig ist das Ausmaß der Schäden noch nicht abzusehen. In der Unesco-Welterbestadt entbrannte ein Streit über den mangelnden Flutschutz.

Ein Milliarden-Projekt mit dem Namen "Mose" - kurz für "Modulo Sperimentale Elettromeccanico" - sollte eigentlich schon 2014 in Betrieb gehen. Dabei sollen riesige Barrieren an drei Eingängen zur Lagune hochgefahren werden und die Stadt schützen, sobald der Meeresspiegel eine kritische Marke überschreitet. Vor mehr als 15 Jahren begannen die Arbeiten, die schon knapp sechs Milliarden Euro kosten. Ein Korruptionsskandal verzögerte das umstrittene Mammutwerk. Auch gibt es seit jeher Kritik, dass ein Eingriff in das sensible Ökosystem der Lagune mehr schade als nutze.

Nach den Bildern der Zerstörung beeilten sich Politiker zu versichern, dass das Projekt nächstes Jahr fertig werde. "In den letzten Jahren gab es viele Skandale. Es gab schwere Verzögerungen", gestand Infrastrukturministerin Paola De Micheli in einem Radiointerview ein. Jetzt seien aber bereits 93 Prozent fertiggestellt.

Wissenschaftler führen die zunehmenden Fluten in Venedig auf den Klimawandel zurück, der den Meeresspiegel steigen lässt. "Das Hochwasser in Venedig bringt das Problem der absoluten Trägheit an die Oberfläche, mit der man in Italien das Phänomen des Meeresspiegelanstiegs angeht", erklärte Luigi Merlo vom Handelsverband Confcommercio. Viele Kritiker halten auch die großen Kreuzfahrtschiffe für eine Gefahr. Weil für sie immer tiefere Fahrrinnen ausgehoben würden, entwickelten sich Teile der Lagune zu einem offenen Meeresarm.

Und so müssen erst Bilder wie von einem überschwemmten Markusdom um die Welt gehen, dass sich Italien wieder des Problems bewusst wird. Kulturdenkmäler seien durch salziges und schmutziges Wasser in Mitleidenschaft gezogen worden, sagte Kulturminister Dario Franceschini und sprach von einem "Notfall". Kunstwerke in Sammlungen oder Material in Archiven und Bibliotheken seien aber nach ersten Erkenntnissen nicht beschädigt worden.

Während Touristen Selfies mit den Wassermassen machten, waren die Bewohner schockiert. "So was habe ich noch nicht gesehen. Es ist eine Katastrophe. Es ist wie ein Krieg. Wir haben es gewusst", sagte der Venezianer Ezio Toffolutti der Deutschen Presse-Agentur. Läden und Supermärkte seien alle im Erdgeschoss, die habe es deshalb schlimm erwischt. "Eine schreckliche Zeit", sagte der viel in Deutschland tätige Bühnenbildner.

Ministerpräsident Conte traf am Donnerstag in Venedig auch Kioskbesitzer Walter Mutti, der bei der Flut alles verloren hatte. Bilder hatten gezeigt, wie sein Kiosk in den braunen Wassermassen davon trieb. "Ich habe nicht die geringste Ahnung, wo er sein könnte", sagte Mutti in einem Interview der Zeitung "La Repubblica" (Donnerstag) auf die Frage nach dessen Verbleib.

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