Weltraum

„Die Wahrscheinlichkeit, dass irgendwann ein Asteroid auf die Erde zurast, liegt bei 100 Prozent“

Ein Asteroid rast auf die Erde zu. (Visualisierung)
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Ein Asteroid rast auf die Erde zu. (Visualisierung)

Immer wieder kommen Himmelskörper der Erde nahe. Meistens besteht kein Einschlagsrisiko, aber das gilt nicht immer.

Frankfurt - Himmelskörper wie Asteroiden rasen immer wieder an der Erde vorbei. Meistens ist die Entfernung aber groß genug, dass wir nicht durch einen potenziellen Einschlag gefährdet sind. Und selbst wenn uns ein Asteroid einmal ungewöhnlich nah kommt, gilt es als höchst unwahrscheinlich, dass ein Himmelskörper die Erde trifft, der so groß ist, dass er unser Leben auslöschen könnte - wie vor 66 Millionen Jahren die Dinosaurier.

Denn die richtig großen Asteroiden - ab mehr als einem Kilometer Durchmesser - sind zu 95 Prozent entdeckt und erfasst, sagte Asteroidenforscher Alan Harris vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt im März 2021 im Ntv-Podcast „Wieder was gelernt“. Bei den Dinosauriern habe es sich um einen Brocken mit zehn bis zwölf Kilometern Durchmesser gehandelt. Allerdings fliege kein Asteroid in dieser Größenordnung auf die Erde zu.

Asteroiden können auf Erde zurasen

Was die Weltraumforscher allerdings beobachten, sind kleinere Himmelskörper, die als „potenziell gefährlich“ eingestuft werden. Asteroiden mit einem Durchmesser von 100 Metern verglühten beim Eintritt in die Erdatmosphäre nicht mehr, sondern würden auf der Erdoberfläche einschlagen. Allerdings seien auch dies eine Seltenheit, denn sie kämen nur etwa alle 10.000 Jahre auf die Erde zu.

Doch nicht alle Himmelskörper können mit einer solchen Gelassenheit betrachtet werden. „Die Wahrscheinlichkeit, dass irgendwann ein Asteroid auf die Erde zurast, liegt bei 100 Prozent“, sagt Asteroidenforscher Alan Harris. „Es wird auf jeden Fall passieren. Wir wissen aber natürlich nicht, wann und wie groß er sein wird.“ Kleinere Asteroiden, etwa mit 30, 40 oder 50 Metern Durchmesser seien leichter zu übersehen, könnten aber Schaden anrichten. Wie etwa 2013, als ein etwa 20 Meter großer Himmelskörper über der russischen Stadt Tscheljabinsk explodiert ist.

Tscheljabinsk-Meteorit richtete in Russland Schaden an

Forscher bergen ein Bruchstück des Tscheljabinsk-Meteoriten aus einem See bei Tscheljabinsk, Russland.

Damals wurden nach einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ allein in Tscheljabinsk mehr als 3.600 Gebäude beschädigt. Mehr als 1.200 Verletzte ließen sich in Krankenhäusern behandeln. Die Explosion des Meteoriten habe der Zündung von 500 bis 600 Kilotonnen TNT-Sprengstoff in der Atmosphäre entsprochen. Himmelskörper in der Größe des Tscheljabinsk-Meteoriten kommen laut Ntv viel häufiger vor als die wesentlich größeren, die ein globales Ökosystem auslöschen können.

Raumsonden sollen im Ernstfall auf Asteroiden einschlagen

„Astronomen entdecken jedes Jahr Hunderte neue kleine Asteroiden“, erzählt Alan Harris. Je besser und raffinierter die Technik werde, desto mehr werden es. Mithilfe einer Software können Astronomen die Position der Himmelskörper in den kommenden Nächten berechnen und basierend darauf die ungefähre Umlaufbahn erkennen - und einschätzen, ob er den Weg der Erde kreuzen kann. Dann muss laut Ntv erwogen werden, wie man einen potenziellen Einschlag verhindern kann.

Eine Methode sei der „kinetische Impaktor“, erklärt Harris in dem Podcast: „Man startet eine relativ schwere oder massive Raumsonde und lässt die in den Asteroiden einschlagen. Durch diesen Impuls kann man die Umlaufbahn ändern.“ Untersuchungen dazu, wie sich Asteroiden verhalten, wenn eine Raumsonde auf sie einschlagen, hat es bereits gegeben. Der Praxistest soll im Sommer folgen, dann will die Nasa die kühlschrankgroße Raumsonde „Dart“ ins All schicken, damit sie in den Minimond eines Asteroiden einschlägt. (ial)

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