Wie viel verdient man beim Disounter?

Aldi-Mitarbeiterin verrät: Das sind die Tempo-Vorgaben an der Kasse

Jeder Discounter-Einkauf endet an der Kasse. Aber wie gut werden die Kassierer behandelt und gibt es Tempo-Vorgaben? Eine Aldi-Süd-Mitarbeiterin packt aus.

München - Teils verachtet, teils geliebt - beim Thema Aldi sind Emotionen im Spiel. Das liegt nicht nur an Preisen, Sonderangeboten und eher puristischem Look der Läden: Teil des Kults rund um den Discounter sind auch die Mitarbeiter an der Kasse. Einst tippten sie die Preise der Produkte aus dem Kopf in die Registrierkasse. Und faszinierten viele Kunden.

Diese Zeiten sind vorbei. Trotzdem spielen die Kassiererinnen und Kassierer eine Hauptrolle beim Aldi-Einkauf. Eine Frage ist für viele Einkaufende dabei offen: Müssen sie wegen Bezahlung und Zeitdruck Mitleid mit den Angestellten an der Kasse haben - oder ist das nur ein falsches Klischee? Zumindest für Aldi Süd hat eine langjährige Mitarbeiterin jetzt Antworten geliefert. Sie gewährte Focus Online Einblick in ihren Arbeitsalltag.

Kassen-Stress bei Aldi Süd: 3400 bis 3500 Artikel pro Stunde - fast jede Sekunde einer

Kritik an ihrem Arbeitgeber inbegriffen: Die Arbeit sei insgesamt „einfach sehr anstrengend“, sagt die nicht namentlich genannte Kassiererin dem Portal. Gerüchte, dass es eine Geschwindigkeitsvorgabe an der Kasse gebe entsprechen der Wahrheit, bestätigt die 28-Jährige, die nach eigenen Angaben seit 13 Jahren für den Discounter arbeitet - zwischenzeitlich auch als Filialleiterin an verschiedenen Münchner Standorten.

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„Etwa 3400 bis 3500 Artikel pro Stunde sollen wir scannen. Ich scanne also gut 55 Artikel in der Minute, das ist fast jede Sekunde einer“, sagt die junge Frau. Dabei helfen übrigens auch technische Tricks, wie Aldi Süd selbst vor einiger Zeit bestätigte. So oder so: Am Ende des Tages könne per Computer nachvollzogen werden, wie viele Artikel gescannt wurden - und wie viele storniert.

Harte Zeitvorgaben bei Aldi Süd - „für einige Neulinge eigentlich nicht zu schaffen“

Auch abseits der Kassen gebe es einigen Druck, berichtet die Aldi-Mitarbeiterin. Beim Warenauspacken habe man etwa 15 Minuten Zeit für eine Palette - „das ist gerade für einige Neulinge eigentlich nicht zu schaffen“. Trotzdem sei üblich, dass Filialleiter immer wieder auf die Vorgaben hinweisen. 

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„Das ist schon ein enormer Druck, der da auf meinen Kollegen und mir lastet“, sagt die anonyme Informantin. Wenngleich sie einräumt: Wie strikt die Linie ist, das hänge auch vom jeweils zuständigen Filialleiter ab. Manch einer lasse bei großem Andrang schnell eine weitere Kasse öffnen, andere hielten die Kassierer an, schneller zu arbeiten. „Dann denke ich mir, ‚Hallo, ich kassiere schon so schnell ich kann, noch schneller geht nicht!‘“

Aldi Süd: So viel verdienen die Kassierer und Kassiererinnen

Allerdings erzählt die langjährige Aldi-Mitarbeiterin nicht nur Schlechtes über ihren Arbeitgeber. Die Arbeitszeit von 40 auf 25 Stunden zu reduzieren sei „kein Problem“ gewesen - Aldi versuche „flexibel zu sein und auch auf die Wünsche der Mitarbeiter einzugehen“. Zudem bezahle der Discounter im Vergleich zur Konkurrenz „sehr gut“. Auf 2.400 Euro brutto plus 13. Monatsgehalt und Urlaubsgeld sowie bezahlte Überstunden beziffert die Aldi-Angestellte ihr Kassiererinnen-Gehalt.

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Und trotz Druck und strikter Leistungskontrolle: Sie habe noch nie „Ärger bekommen“, wenn sie ein Leistungsziel an der Kasse verfehlt habe, gibt die Mitarbeiterin zu Protokoll. Auch wenn die Kasse am Ende des Tages mal nicht stimme, gebe es keine Konsequenzen. Und die Kassierer und Kassiererinnen seien sogar konkret angehalten, auf Kunden Rücksicht zu nehmen, die nicht schnell genug die gescannten Artikel einpacken können.

Kassiererin von Aldi Süd packt aus: Das sind die schlimmsten Kunden

Auch mit den Kunden hat die Informantin von Focus Online in ihren 13 Arbeitsjahren bei Aldi natürlich einiges erlebt. Ihre zwei großen Erkenntnisse: Im Großen und Ganzen seien die Aldi-Kunden „sehr nett“. Wenn aber jemand meckere, dann seien meist „die Deutschen“. 

Ausländer seien oft freundlicher, erklärt die erfahrene Mitarbeiterin. Womöglich auch, weil die deutschen Kunden wegen ihres türkischen Migrationshintergrunds ein bisschen „auf mich herabschauen“, mutmaßt sie.

Die schlimmsten Erfahrungen mit den Menschen auf der anderen Seite der Kasse habe sie jedenfalls in der Filiale im reichen München-Bogenhausen gemacht, sagt die 28-Jährige. Und zwar mit „Bio-Vollzeit-Muttis, die mit einem riesigen Geländewagen auf den Parkplatz rollen, nur von unseren Premium-Produkten kaufen und sauer werden, wenn sie die nicht direkt an der Kasse ordentlich in ihre Einkaufstaschen räumen dürfen“.

Mit ihren negativen Erlebnissen mit Kunden ist die junge Frau nicht alleine: Vor kurzem berichtete eine andere Discounter-Angestellte Spiegel Online sogar von noch frappierenderen Fällen. Ein Beispiel dafür, dass die Kunden sich manchmal selbst die Probleme machen, ist der Kauf einer Aldi-Taucherbrille, der zu Betrugs-Vorwürfen durch eine Kundin führte. Eine Kassiererin des Supermarktes Edeka erklärte hingegen, warum sie nicht zu Aldi wechseln würde.

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Neuer Aldi eröffnet: Darum soll es die modernste Filiale Deutschlands sein

Aldi plant zudem, im bayerischen Alling den „modernsten Aldi-Markt Deutschlands“ zu eröffnen. Bereits kommende Woche soll es soweit sein und die neue Filliale eingeweiht werden. Das soll alles anders werden.*

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In Deutschland ist es noch nicht erhältlich, doch im Ausland bietet Aldi bereits ein umstrittenes Produkt an. Es darf nur nach Alterskontrolle verkauft werden.

fn

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