Schwierige Entscheidungen

Allianz bleiben nur noch Tage für Milliardenentscheidung

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In wenigen Tagen wird Allianz-Vorstandschef Oliver Bäte die neuen Geschäftszahlen vorlegen. Foto: Sven Hoppe/Archiv

Am kommenden Freitag präsentiert Europas größter Versicherungskonzern seine Jahresbilanz. Bis dahin müssen Vorstandschef Oliver Bäte und Kollegen eine schwierige Entscheidung treffen: Wollen sie zwischen 2,5 und 3 Milliarden Euro für eine Übernahme ausgeben oder nicht?

München (dpa) - In wenigen Tagen wird Allianz-Vorstandschef Oliver Bäte die neuen Geschäftszahlen von Europas größtem Versicherer vorlegen. Doch bis es an diesem Freitag soweit ist, interessieren sich Börse und Finanzbranche für ein ganz anderes Thema.

Wird der Konzern auf den letzten Metern vor der Veröffentlichung der Jahresbilanz einen großen Milliardendeal bekannt geben? Bäte würde gerne Geld ausgeben: "Wir müssen auch in Wachstum investieren", sagte er kürzlich der "Wirtschaftswoche". "Wer nicht wächst, stirbt." Zwischen 2,5 und 3 Milliarden Euro hat die Allianz für Zukäufe reserviert - wenn sich bis Freitag nichts tut, müssten Bäte und Kollegen das Geld den Aktionären zurückgeben. So hatte es der Vorstand 2014 beschlossen.

Eine Sonderdividende ist ausgeschlossen, stattdessen würde die Allianz dann eigene Aktien zurückkaufen. Das würde den Gewinn pro Aktie der verbleibenden Anteile erhöhen und käme somit ebenfalls den Eigentümern zugute.

Kürzlich dementierte der größte australische Versicherer QBE Berichte über Gespräche mit der Allianz. In Italien tobt derzeit eine Schlacht um Generali, in die damit verbundenen Spekulationen ist auch die Allianz involviert.

Die Bank Intesa Sanpaolo würde Generali gern übernehmen, der größte italienische Versicherer aber wehrt sich nach Kräften. Generali ist ebenfalls ein großes Weltunternehmen - nach Allianz-Zahlen rangieren die Italiener in Deutschland in der Schaden- und Unfallversicherung auf dem zweiten Platz hinter dem Münchner Branchenprimus. Bei einer inneritalienischen Großfusion müsste die Generali mutmaßlich wegen Kartellauflagen Teile ihres Geschäfts verkaufen - und dabei könnte dann nach Spekulationen in mehreren Medien die Allianz zum Zuge kommen. 

Doch die Nachrichtenlage südlich der Alpen ist verworren, nichts deutet auf eine Entscheidung in den kommenden Tagen hin. Der französische Konkurrent Axa hat bereits abgewunken. Analysten erwarten deshalb einen Aktienrückkauf, keinen Milliardendeal. Analyst Philipp Häßler von der Investmentbank Equinet rechnet damit, dass die Allianz mindestens zwei Milliarden Euro in den Rückkauf eigener Aktien steckt. Analyst Daniel Bischof von Baader Helvea geht sogar von drei Milliarden Euro aus.

Abgesehen von Investitionsentscheidungen hat Allianz-Chef Bäte an mehreren anderen Fronten zu kämpfen: Die niedrigen Zinsen sind eine schwere Belastung für alle Versicherer, das Internet setzt den traditionellen Vertriebsweg über Makler unter Druck. Bäte betreibt eine ehrgeizige Digitalisierungsstrategie und will die Zügel straffer in die Hand nehmen.

In den vergangenen Monaten landete zudem interne Kritik an Bäte sowohl beim "Versicherungsmonitor" - dem in der Branche viel beachteten Fachorgan - und anderen Medien. Der mutmaßliche Anlass sind Reibereien zwischen der Zentrale und den bisher sehr eigenständigen Landesgesellschaften. "Ich werde mich künftig mehr um die Betreuung des mittleren Managements kümmern", sagte Bäte kürzlich der "Wirtschaftswoche".

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