Gefahrenbewusstsein im Wandel

Allianz-Risikobarometer: Pandemien verdrängen Klimawandel

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Aufgrund der Corona-Pandemie steht de Einzelhandel vielerorts vor einer wirtschaftlichen Krise. Foto: Marijan Murat/dpa

Dass der Welt Pandemien drohen, war Medizinern vor Corona ebenso bekannt wie Versicherern. Doch bisher war das ein eher abstraktes Risiko. Wenig überraschend hat Covid-19 das Risikobewusstsein der Unternehmen geschärft.

Unterföhring (dpa) - Die Corona-Krise hat das Gefahrenbewusstsein vieler Manager rund um den Globus offensichtlich grundlegend verändert: Im neuen Risikobarometer der Allianz sind Pandemien im Vergleich zum Vorjahr vom 17. auf den 2. Platz empor geschossen.

Das haben die Fachleute des zu dem Münchner Konzern gehörenden Industrieversicherers AGCS in ihrer alljährlichen Umfrage unter 2769 Experten für Unternehmensgefahren aller Art aus 92 Ländern ermittelt.

Auf Platz eins liegen demnach Betriebsunterbrechungen, auf Rang drei Hackerangriffe, die im Vorjahr noch als größtes Risiko für Unternehmen galten. Befragt wurden Geschäftsführer und Vorstände, Risikomanager, Makler und Versicherungsexperten.

«Betriebsunterbrechung, Pandemie und Cyber sind stark miteinander verknüpft und zeigen die wachsende Verwundbarkeit unserer hochgradig globalisierten und vernetzten Welt auf», sagte AGCS-Chef Joachim Müller. Die Corona-Krise hatte im Frühjahr dazu geführt, dass in vielen Ländern die Fabriken stillstanden und die weltweit verästelten Lieferketten unterbrochen waren. Außerdem nutzten Cyberkriminelle die Krise, um ihre Angriffe zu verstärken. Die AGCS-Fachleute sprechen deshalb vom «Covid-19-Trio» an der Spitze der Unternehmensrisiken.

Ansonsten spiegelt sich auch die allgemein als unsicher empfundene Weltlage in der Umfrage: Nach oben kletterten unter anderem «Marktveränderungen» (Platz 4), dahinter verbirgt sich unter anderem die Sorge vor einer Insolvenzwelle. Ebenfalls aufgerückt sind makroökonomische Entwicklungen (8) und politische Gewalt (10).

Etwas nach unten von Platz sieben auf Platz neun rutschte dafür die Sorge um die Folgen des Klimawandels für Unternehmen. AGCS-Chef Müller geht nicht davon aus, dass die Weltlage in Zukunft wieder sehr viel erfreulicher wird: «Während die Pandemie viele Länder auf der ganzen Welt weiterhin fest im Griff hat, müssen wir uns auf häufigere Extremszenarien einstellen.» Als Beispiele nannte Müller «einen globalen Cloud-Ausfall oder Cyberangriff, Naturkatastrophen aufgrund des Klimawandels oder sogar einen weiteren Seuchenausbruch».

Die AGCS fragt sowohl international als auch in Deutschland. Das inländische Risikoranking unterscheidet sich dabei leicht vom internationalen Bild: In Deutschland hielten die befragten Sicherheitsfachleute die Risiken von Cyber-Angriffen für größer als die Pandemiegefahr.

Dass der Klimawandel im Sicherheitsbewusstsein der Unternehmen dauerhaft an Bedeutung verliert, glauben die Münchner Industrieversicherer nicht: «Mit der Umsetzung der Impfprogramme wird die Pandemie beherrschbarer werden, und der Klimawandel wird im Jahr 2021 wieder als Priorität auf der Agenda des Managements stehen», sagte Michael Bruch, globaler Leiter für Nachhaltigkeitsthemen bei AGCS.

© dpa-infocom, dpa:210119-99-78118/2

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