Vier Tage Ausnahmezustand

Bahn-Streik: Ein Drittel der Züge soll fahren

Frankfurt/Berlin - Über vier Tage lang Ausstand: Die Deutsche Bahn steht vor dem längsten Streik ihrer 20-jährigen Geschichte. Sie versucht die Wirkung mit Notfahrplänen zu mildern.

Update: Für den kommenden viertägigen Bahnstreik fehlt vielen Bahnkunden das Verständnis. Unter dem Hashtag #GDL machen Pendler auf Twitter ihrem Ärger Luft.

Vier Tage Ausnahmezustand für die Bahnkunden: Am Mittwoch beginnt ein langer Lokführerstreik, zunächst im Güterverkehr. Von Donnerstag an trifft es auch die Reisenden.

Der Streik soll am Mittwochnachmittag, 15 Uhr, im Güterverkehr beginnen. Ab Donnerstag bis Sonntag sind dann bundesweit alle Fahrgäste des Nah- und Fernverkehrs und der S-Bahnen betroffen. Der Ausstand im Personenverkehr fängt am Donnerstag um 2.00 Uhr an und endet am folgenden Montag um 4 Uhr, wie die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) am Dienstag ankündigte.

Wenigstens ein Drittel der Züge soll fahren

Die Bahn will wie bei den vorherigen Streiks für die vier Tage Ersatzfahrpläne aufstellen. Sie strebt an, auf diese Weise wenigstens ein Drittel des normalen Zugangebots auf die Schiene zu bekommen. Der viertägige Ausstand ist der sechste Streik im laufenden Tarifkonflikt.

Aus der großen Koalition kam scharfe Kritik am Vorgehen der GDL und ihres Vorsitzenden. „Claus Weselsky verliert gerade jedes Maß“, sagte SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi zu „Spiegel Online“. Die Politikerin forderte Weselsky auf, seine Streikpläne zurückzuziehen. „Mit diesem abermaligen Ausstand schadet die GDL allen Gewerkschaften, sie beschädigt die Solidarität innerhalb der Bahn-Belegschaft, und sie verärgert Hunderttausende von Bahnkunden, denen jetzt Chaostage bevorstehen.“

Fahrgastverband bedauert den Streik

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) warnte davor, die öffentliche Akzeptanz für den neuen Bahnstreik über Gebühr zu strapazieren. Der „Bild“-Zeitung (Mittwoch) sagte Dobrindt, Streik sei zwar ein elementarer Bestandteil der Tarifautonomie. Doch sollten die Tarifparteien „mit diesem hohen Gut sehr verantwortungsvoll umgehen“. CDU-Generalsekretär Peter Tauber betonte: „Die Dauer des Streiks allein lässt jedes Maß vermissen.“

Der Fahrgastverband Pro Bahn bedauerte den Streik. Die GDL und ihr Vorsitzender dürften nicht länger alles auf eine Karte setzen und kompromisslos alle Einigungsvorschläge vom Tisch wischen. Sie müssten bereit sein, zusammen mit der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) zu verhandeln.

Bahn-Vorstand: Streik ist reine Schikane

Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber zeigte sich empört: „Dieser Streikaufruf macht nur noch sprachlos und ist reine Schikane.“ Das Unternehmen will nun den Rekordstreik der Lokführer juristisch prüfen - schätzt die Erfolgsaussichten aber als gering ein. Man schaue sich „das natürlich auch von der juristischen Seite erneut an“, sagte der Personalvorstand der Deutschen Bahn, Ulrich Weber, im Interview beim Deutschlandfunk am Mittwochmorgen. „Unsere Erfahrung ist mit den Arbeitsgerichten, dass sie sich sehr schwer tun in solchen Fragen der Beurteilung der Verhältnismäßigkeit, solchen Ersuchen nachzukommen.“ In der Vergangenheit hätten die Gerichte in aller Regel gegen den Arbeitgeber entschieden.

Mauerfall-Feiern sind auch vom Bahnstreik betroffen

Betroffen vom Bahnstreik sind auch die Feiern zum 25. Jahrestag des Mauerfalls am Wochenende in Berlin, wo bislang Hunderttausende Gäste erwartet wurden. Die Tourismusbranche in der Hauptstadt sprach von einer „egoistischen Entscheidung von einigen Wenigen auf Kosten sehr Vieler“.

Die GDL begründete die Aktion mit der Weigerung der Bahn, über einen eigenständigen Tarifvertrag auch für Berufsgruppen zu verhandeln, die nicht Lokführer sind. Ein Einigungsversuch beider Seiten war am Sonntag gescheitert. Dabei ging es um Spielregeln für die künftige Zusammenarbeit zwischen der Bahn, der GDL sowie der EVG.

GDL-Chef Claus Weselsky sagte, man wolle und müsse für alle Mitglieder Tarifverträge aushandeln: „Dieses Grundrecht ist in Gefahr und damit die Funktion von Gewerkschaften an sich.“

dpa

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