Keine Zinswende in Sicht

Bankhaus Metzler: Müssen noch lange mit Minizinsen leben

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Emmerich Müller, Frankfurter Privatbankier vom Bankhaus Metzler. Foto: B. Metzler seel. Sohn & Co.

Die EZB hat das Zinstief in Europa zementiert. Das dürfte sich so rasch nicht ändern. Schwere Zeiten für Sparer - aber es gibt noch Auswege, meint das Bankhaus Metzler.

Frankfurt/Main (dpa) - Der Frankfurter Bankier Emmerich Müller rechnet absehbar nicht mit einer Zinswende in Europa. "Wir müssen uns darauf einstellen, dass die Realzinsen noch lange negativ sein werden".

"Wir haben es mit einer und Investoren zu tun", sagte der für das operative Geschäft zuständige Partner des 1674 gegründeten Bankhauses Metzler der Deutschen Presse-Agentur.

Die Europäische Zentralbank (EZB) ist seit der jüngsten Finanzkrise 2007/2008 im Krisenmodus - und legt sich bisher nicht darauf fest, ab wann sie ihre extrem weit geöffneten Geldschleusen wieder schließen wird. Viele Volkswirte interpretierten die jüngste Entscheidung der Notenbank, ab April nur noch 60 Milliarden statt 80 Milliarden Euro in Staatsanleihen und andere Wertpapiere zu stecken, aber zumindest als erstes Signal für eine langsame Rückkehr zur Normalität.

Müller meint jedoch: "Es ist verfrüht, auf einen Ausstieg der EZB aus ihrer ultralockeren Geldpolitik zu setzen. Dafür liegen noch zu viele politische Unsicherheiten vor uns." Der neue US-Präsident Donald Trump lässt noch viele Fragen offen, der Zeitplan für den britischen EU-Austritt (Brexit) könnte ins Wanken geraten, nachdem die Regierung in London nun vorab die Zustimmung des Parlamentes einholen muss.

Bei den Wahlen in den Niederlanden, Frankreich und Deutschland ist die Sorge vor aufstrebenden Populisten groß. "Wir haben es mit einer Situation hoher politischer Unsicherheit zu tun - erstmals seit langer Zeit", bilanzierte Müller.

"Es könnte sein, dass wir am längeren Ende - bei zehnjährigen Anleihen - in Europa leicht steigende Nominalzinsen sehen werden. Das ändert aber nichts daran, dass der Zins, den bonitätsstarke Schuldner da zahlen, niedriger ist als die Inflation", erklärte der Bankier.

Für Sparer gelte: "Eine höhere Aktienquote ist langfristig empfehlenswert, um der schleichenden Entwertung des Nominalvermögens entgegenzuwirken - auch wenn man natürlich damit rechnen muss, dass die politische Unsicherheit kurzfristig für erhöhte Schwankungen sorgen kann."

Der steigende Bedarf nach Beratung bei der Altersvorsorge in Zeiten des Zinstiefs kommt der Branche zugute. "Das Pensionsmanagement entwickelt sich weiterhin sehr gut, da sehen wir noch starkes Wachstumspotenzial", sagte Müller. Insgesamt sei das Bankhaus Metzler mit dem abgelaufenen Geschäftsjahr zufrieden: "Wir wachsen weiterhin organisch."

Müller ergänzte: "Wir haben in den vergangenen beiden Jahren etwa 100 Leute über alle Bereiche hinweg aufgebaut und sind nun bei einer Personalstärke von über 800. Das ist auch Ausdruck unseres Optimismus in einem schwierigen Umfeld." Für 2015 hatte das Institut trotz eines leichten Gewinnrückgangs auf 2,43 (Vorjahr: 2,53) Millionen Euro die üblichen 2,3 Millionen Euro Dividende an die Eigentümer ausgeschüttet. Die Bilanzvorlage für 2016 ist für Mai geplant.

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