Fehlverhalten eingeräumt

Barclays-Chef kommen Schnüffeleien teuer zu stehen

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Dem Barclays-Chef drohen auch Sanktionen der britischen Finanzaufsicht, die sich ebenfalls eingeschaltet hat. Foto: Andy Rain

Mit großem Nachdruck wollte Jes Staley den Verfasser anonymer Beschwerdebriefe enttarnen. Der Verwaltungsrat der Bank missbilligt nun sein Handeln. Seinen Job darf Staley behalten, er bekommt sein Vorgehen aber im Geldbeutel zu spüren.

London (dpa) - Weil er den Verfasser eines anonymen Beschwerdebriefs mit großer Akribie aufspüren wollte, wird dem Chef der britischen Großbank Barclays die Vergütung gekürzt.

"Der Verwaltungsrat ist der Auffassung, dass die Reaktion im Verhältnis zur Ernsthaftigkeit des Themas stehen muss", teilte das Institut in einer Stellungnahme mit. Bankchef Jes Staley werde eine formale Rüge erhalten und müsse mit einer "sehr deutlichen Gehaltskorrektur" bei seinem Bonus rechnen. Über die genaue Höhe werde der Verwaltungsrat entscheiden, wenn die Untersuchung abgeschlossen sei. Staley räumte ein Fehlverhalten ein. Ihm drohen zudem Sanktionen der britischen Finanzaufsicht, die sich ebenfalls eingeschaltet hat.

Ausgangspunkt des Falls waren zwei anonyme Briefe, die Mitglieder des Verwaltungsrats sowie ein Manager im Juni 2016 erhalten hatten. Nach Angaben der Bank brachte der Verfasser seine Besorgnis über das Verhalten einer frisch eingestellten Führungskraft bei einem früheren Arbeitgeber zum Ausdruck. Der Verfasser stellte demnach überdies die Rolle Staleys beim Umgang mit der damaligen Begebenheit infrage. Staley hatte vor seiner Berufung zum Barclays-Chef Ende 2015 beim Hedgefonds BlueMountain Capital Management gearbeitet; davor war er mehr als 30 Jahre lang bei der US-Großbank JPMorgan Chase tätig.

Nach Barclays-Angaben erfuhr Staley von den Beschwerdebriefen und wollte mit Hilfe der Konzernsicherheit den Verfasser ausfindig machen. Dies gelang letztlich nicht, obwohl sogar die US-Strafverfolgungsbehörden eingeschaltet wurden. Staley habe die Briefe als "unfaire persönliche Attacke" auf den Mitarbeiter empfunden, hieß es. Die Suche nach dem Verfasser habe Staley zwar nach bestem Wissen und Gewissen vorangetrieben, erklärte der Verwaltungsrat. Das Unterfangen sei aber dennoch falsch gewesen. Tippgeber, sogenannte Whistleblower, genießen einen besonderen Schutz.

Staley selbst räumte in der Mitteilung ein, sein persönliches Eingreifen sei ein Fehler gewesen. "Ich werde jedwede Konsequenzen tragen, die angemessen erscheinen." Die Untersuchungen der britischen Finanzaufsichtsbehörden FCA und PRA können Monate dauern. Der Verwaltungsrat stellte sich geschlossen hinter den Bankchef. Staley hatte Barclays nach Verlusten in den Vorjahren wieder profitabel gemacht.

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