Pharma-Konzern bestätigt Gespräche

Bayer will US-Saatgutriese Monsanto übernehmen

+
Der Chemieriese Bayer lotet eine Übernahme des Saatgut-Spezialisten Monsanto aus. 

Leverkusen - Erst kursierten Gerüchte, jetzt wurden sie bestätigt: Bayer lotet eine Übernahme des Saatgut-Spezialisten Monsanto aus. Ein solcher Deal hätte massive Auswirkungen auf den globalen Markt.

Der deutsche Chemieriese Bayer will sein Agrargeschäft mit dem Kauf des US-Saatgutkonzerns Monsanto stärken. Vertreter von Bayer hätten sich kürzlich mit Mitgliedern der Monsanto-Geschäftsführung getroffen, um vertraulich über eine einvernehmliche Übernahme zu sprechen. Das teilte Bayer am Donnerstagmorgen mit. Monsanto in St. Louis erklärte, Bayer habe ein "unaufgefordertes und unverbindliches Angebot" unterbreitet, das die Geschäftsführung prüfen werde. Es gebe "keinerlei Gewissheit", dass überhaupt eine Übernahme begonnen oder gar vollendet werde.

Die Nachrichtenagentur Bloomberg hatte kürzlich unter Berufung auf Insiderkreise berichtet, Bayer wolle mehr als 40 Milliarden Dollar für den US-Konzern bieten. Bayer erklärte am Donnerstag, die Übernahme würde den Konzern als "globales, innovationsgetriebenes Life-Science-Unternehmen mit Spitzenpositionen in seinen Kerngeschäften stärken".

Monsanto war an der Börse zuletzt rund 42 Milliarden Dollar (gut 37 Mrd Euro) wert. Der Kurs schwankte in den vergangenen Tagen, nachdem es bereits vor einer Woche erste Berichte über ein Interesse von Bayer gegeben hatte.

Mit Monsanto würde das Agrargeschäft eine viel größere Rolle spielen. Der US-Konzern erlöst im Jahr rund 15 Milliarden Dollar (gut 13 Mrd Euro) mit Saatgut und Pflanzenschutzmitteln. Bayer kam im vergangenen Jahr insgesamt auf einen Umsatz von 46,3 Milliarden Euro.

Monsanto geht gerade durch einige Turbulenzen. Der Konzern kappte jüngst die Gewinnprognose für dieses Jahr und befindet sich in einem Stellenabbau.

Das "Wall Street Journal", das in der Nacht zunächst über die Gespräche berichtet hatte, schrieb unter Berufung auf Zahlen der Bank Morgan Stanley, gemeinsam würden die Unternehmen gut ein Viertel (28 Prozent) der weltweit verkauften Pflanzenschutzmittel absetzen. Sehr stark wären sie auch im US-Geschäft mit Getreide- und Soja-Samen. Für ein Zusammengehen spricht, dass Monsanto in den USA stärker aufgestellt ist, Bayer in Europa und Asien. Das könnte den Unternehmen auch bessere Karten bei den Wettbewerbshütern bescheren.

Monsanto hatte im vergangenen Jahr versucht, den Schweizer Konkurrenten Syngenta zu übernehmen, der schließlich an Chinesen ging.

dpa/afp

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Immer mehr Firmen verlegen ihren Sitz aus Katalonien

Madrid (dpa) - Seit der Zuspitzung der Katalonien-Krise Anfang Oktober haben 1185 Unternehmen ihren rechtlichen Sitz in andere spanische Regionen verlegt. Diese Zahl …
Immer mehr Firmen verlegen ihren Sitz aus Katalonien

Verkauf von Teilen Air Berlins an Easyjet noch offen

Nach der Vereinbarung mit Lufthansa wird die Zeit für den Verkauf der übrigen Air-Berlin-Teile knapp. Mit Easyjet wurde die insolvente Fluggesellschaft bislang nicht …
Verkauf von Teilen Air Berlins an Easyjet noch offen

Fraport testet Roboter-Shuttles am Frankfurter Flughafen

Frankfurt/Main (dpa) - Der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport und die Wiesbadener Versicherung R+V testen den Einsatz selbstfahrender Fahrzeuge unter realen …
Fraport testet Roboter-Shuttles am Frankfurter Flughafen

Kartellverdacht: Daimler hat Kronzeugenantrag gestellt

Die Aufregung um die Kartellvorwürfe gegen deutsche Autobauer hat sich weitgehend gelegt, da wagt sich plötzlich Daimler aus der Deckung - ein bisschen jedenfalls. Und …
Kartellverdacht: Daimler hat Kronzeugenantrag gestellt

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.