Fachkräftemangel verringern

BDA-Vize: Integration von Flüchtlingen in Jobs wird lang dauern

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Berlin/Mainz - Die Wirtschaft hofft, dass Flüchtlinge den Unternehmen Nachwuchs bringen und den Fachkräftemangel verkleinern. Der Vizechef des Arbeitgeberverbands BDA, Braun, zieht eine Zwischenbilanz.

Die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt läuft nach Einschätzung des Arbeitgeberverbands BDA schwieriger als erwartet. „Die Vorbildung der Flüchtlinge ist vielfach deutlich schlechter, als wir gehofft hatten“, sagte BDA-Vizepräsident Gerhard Braun der Deutschen Presse-Agentur.

„Dies ist ein langwieriger Prozess. Wer davon träumt, dass nach einem Jahr Hunderttausende schon in Beschäftigung sind, kennt die Zusammenhänge nicht.“ Die Flüchtlinge kämen leichter in Berufen unter, in denen Sprachkenntnisse und berufliche Vorbildung weniger wichtig seien. „Als Dachdecker und Maurer braucht man nicht so perfekt Deutsch sprechen zu können wie beispielsweise in der Chemieindustrie.“

Im November waren rund 120.000 Menschen aus außereuropäischen Asyl-Herkunftsländern in Beschäftigung, 34.000 mehr als ein Jahr vorher, berichtet der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK). Mehrere Wirtschaftsverbände haben Aktionsprogramme gestartet, um Flüchtlinge als Azubis und Arbeitskräfte zu gewinnen.

Der BDA-Vizechef forderte flexible Regelungen, damit Flüchtlinge schneller in Jobs kommen. „Ein großes Problem ist, junge Männer davon zu überzeugen, eine dreijährige Ausbildung zu machen. Um das Problem zu lösen, müssen wir darüber nachdenken, Teilqualifikation anzubieten - immer noch besser als gar keine Qualifikation“, sagte Braun, der den rheinland-pfälzischen Unternehmerverband LVU leitet. „Da sind wir gerade in intensiven Diskussionen unter anderem mit den Gewerkschaften.“ Er verlangte auch, das Beschäftigungsverbot in der Zeitarbeit komplett aufzuheben. „Es ist das beste Instrument, um Gruppen mit geringer Qualifikation in Arbeit zu bringen.“

Braun leitet im Wirtschaftsdialog B20 - parallel zu G20 - die Arbeitsgruppe Bildung. Deutschland hat 2017 den Vorsitz der Gruppe der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer. Die B20-Gruppe strebt nach Brauns Angaben an, die duale Ausbildung aus Deutschland auf andere Länder zu übertragen. „Gerade in den südeuropäischen Ländern ist die Jugendarbeitslosigkeit enorm hoch“, sagte der BDA-Vizepräsident. „Es ist aber unheimlich schwer, das deutsche Ausbildungssystem eins zu eins ins Ausland zu übertragen. Man darf nicht davon träumen, dass mit Einführung der dualen Ausbildung morgen schon die Jugendarbeitslosigkeit signifikant reduziert werden kann.“

BDI, BDA und DIHK wollen für B20 bis zu einer Konferenz am 21. März in Paris Empfehlungen für die Bundesregierung erarbeiten. Ein Arbeitspapier nennt als Ziele offene Arbeitsmärkte schaffen, mit Bildung Technologiewandel fördern und für fairen Wettbewerb sorgen.

dpa

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