Zur Finanzierung

BER-Betreiber wollen mehr Steuergeld

+
Ab 2020 soll hier endlich geflogen werden: Der Hauptstadtflughafen BER.

Der Pannenflughafen BER kommt nicht aus den Negativ-Schlagzeilen. Nun fordern die Betreiber eine weitere Finanzspritze durch den Bundeshaushalt, einen dreistelligen Millionenbetrag.

Berlin - Nach der jüngsten Terminverschiebung am neuen Hauptstadtflughafen könnte das Projekt für die Steuerzahler noch einmal teurer werden. Die Betreiber hatten den Start des BER im Dezember von 2018 auf 2020 verschoben und müssen deshalb eine Finanzlücke stopfen. Der Aufsichtsrat gab Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup am Freitag grünes Licht für Verhandlungen über zusätzliche 100 bis 370 Millionen Euro mit den Airport-Eigentümern. Das sind die Länder Berlin und Brandenburg sowie der Bund.

„Es gibt - jedenfalls theoretisch - ein schlüssiges Finanzkonzept“, sagte der Vorsitzende Rainer Bretschneider nach der Sitzung des Kontrollgremiums. Das Konzept soll im Mai beschlossen werden. In den Regierungen von Bund und Ländern gingen die Meinungen zu weiteren Finanzspritzen zuletzt jedoch auseinander.

Es fehlt ein dreistelliger Millionenbetrag

Insgesamt fehlen im Businessplan bis 2025 bis zu 770 Millionen Euro. Lütke Daldrup erwartet, dass er etwa 400 Millionen Euro von Banken bekommt. Der Restbetrag liege entweder bei etwa 370 Millionen Euro, wenn die Flughafengesellschaft ein geplantes weiteres Terminal in Eigenregie baue. Oder er sinke vorerst auf 100 Millionen, wenn ein Investor es baut. Erwogen wird ein Mietkauf, bei dem das Terminal zunächst vom Investor gemietet würde und dann später zu einem vorher vereinbarten Preis gekauft werden könnte.

Hintergrund ist, dass die Verantwortlichen die Eröffnung des Flughafens Ende 2017 zum sechsten Mal seit dem Baubeginn verschoben hatten. Dadurch verdient das Unternehmen erst zwei Jahre später Geld mit dem Flughafen und muss trotzdem das nicht eröffnete Terminal unterhalten. Zudem fließt in die Fertigstellung nun auch Geld, das eigentlich schon für den Ausbau des Flughafens bereit lag.

Beim ersten Spatenstich 2006 war noch von zwei Milliarden Euro für den drittgrößten deutschen Flughafen die Rede gewesen. Planungsfehler, Baumängel und geplatzte Eröffnungstermine, aber auch Erweiterungen des Projekts sowie der Schallschutz trieben die Kosten aber in die Höhe. Bund und Länder haben bislang rund 2,7 Milliarden Euro zugeschossen.

Private Investoren sollen angeblich Aushelfen

Nach Lütke Daldrups Worten sieht der Businessplan auch Einsparungen vor. So dürfe die Flughafengesellschaft die Summe von 1950 Vollzeitstellen nicht übertreffen, was 22 Millionen Euro bis 2025 einspare. Zudem wurde 2017 festgelegt, dass für ein Ergänzungsterminal am BER, das T1-E, ein Industriebaustandard reicht, was die Kosten von 200 Millionen Euro auf 100 Millionen Euro senke. Dass ein privater Investor Anteile am Flughafen übernehmen könnte, sei in der Sitzung kein Thema gewesen, sagte Bretschneider.

Kontrovers ging es beim Thema Schallschutz zu, wie Bretschneider sagte. Anlass ist die Praxis, dass Anwohner für Räume unter einer bestimmten Deckenhöhe keine Schallschutzfenster bekommen. Das ist seit einer Änderung der Brandenburger Bauordnung umstritten.

„Der eine oder andere Aufsichtsrat wollte mehr Großzügigkeit“, sagte Bretschneider. Damit würde das Unternehmen aber gegen geltende Haushaltsgrundsätze verstoßen. Lütke Daldrup sagte, es gehe um einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag. Wenn Gesellschafter die Praxis ändern wollten, müssten sie dies auch finanzieren.

Wie viel Zeit Aufsichtsräte für ihre Aufgabe haben und wie effizient sie arbeiten, das sollen in diesem Jahr externe Sachverständige analysieren, wie Bretschneider ankündigte. In den Brandenburger Grundsätzen für Unternehmensführung (Corporate Governance Kodex) ist das so vorgesehen. Bretschneider meint: „Was die einzelnen Mitglieder im Moment bringen, ist überdurchschnittlich.“

dpa

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Dax erholt sich etwas von jüngstem Kursrutsch

Frankfurt/Main (dpa) - Der deutsche Aktienmarkt hat sich nach zwei Verlusttagen wieder etwas gefangen. Die besonnene Reaktion Nordkoreas auf die Absage des Atomgipfels …
Dax erholt sich etwas von jüngstem Kursrutsch

EU-Länder kürzen Liste der Steueroasen

Bankenreformen, Steueroasen, Mehrwertsteuern für Online-Medien: Die EU-Finanzminister haben bei ihrem Treffen in Brüssel eine ganze Reihe an Themen in den Blick …
EU-Länder kürzen Liste der Steueroasen

Neue Vorwürfe gegen Daimler im Diesel-Skandal

Der Druck auf den Autobauer Daimler nimmt zu. Ihm droht ein Massenrückruf von Dieselfahrzeugen. Vorstandschef Zetsche muss nun zum Rapport ins Bundesverkehrsministerium.
Neue Vorwürfe gegen Daimler im Diesel-Skandal

Tempomat-Problem: Fiat Chrysler ruft Millionen Autos zurück

Auburn Hills (dpa) - Der italienisch-amerikanische Autobauer Fiat Chrysler ruft in den USA 4,8 Millionen Fahrzeuge zurück. Grund sind mögliche Probleme mit dem Tempomat, …
Tempomat-Problem: Fiat Chrysler ruft Millionen Autos zurück

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.