"In einer anderen Liga"

Berlin bleibt bei Finanz-Start-ups ganz vorne

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Die Studie zu "Fintechs" wurde von der Bank Comdirect veröffentlicht. Foto: Bodo Marks

Berlin bleibt bei jungen Finanzfirmen Deutschlands Gründerzentrum - obwohl Banken und Versicherungen vor allem in anderen Städten sitzen. Doch manche Standorte holen etwas auf.

Frankfurt/Berlin (dpa) - Im wachsenden Markt für junge Finanzfirmen hängt Berlin alle anderen Großstädte in Deutschland ab.

Von bundesweit 544 erfassten "Fintechs" saßen per Ende September alleine 179 in Berlin, wie es in einer am Mittwoch veröffentlichten Studie der Bank Comdirect heißt. Berlin zählt demnach mehr Finanz-Start-ups als die nächsten drei Konkurrenten zusammen: München (62), Frankfurt (58), Hamburg (53) folgen erst mit Abstand. "Berlin ist in einer anderen Liga", sagte Comdirect-Chef Arno Walter.

Obwohl etablierte Partnerunternehmen eher an anderen Standorten säßen, ziehe Berlin mit seinem Gründergeist weiter Start-ups an. Zudem fließe das meiste Wagniskapital nach Berlin. Seit 2012 hätten Investoren 734 Millionen Euro in junge Finanzfirmen dort gesteckt - viel mehr als in Hamburg (212) oder München (155).

Junge Finanzfirmen machen etablierten Unternehmen Konkurrenz, indem sie etwa digitale Anwendungen für Zahlungen und Kredite, den Vertrieb von Versicherungen oder die Bewertung von Immobilien anbieten. Das Bundesfinanzministerium erwartet für die Branche ein rasantes Wachstum. Das Marktvolumen von Finanz-Start-ups dürfte von zuletzt 2,2 Milliarden auf 58 Milliarden Euro bis zum Jahr 2020 steigen, heißt es in einer am Dienstag vorgelegten Untersuchung. Bis 2035 könnten es bis zu 148 Milliarden Euro sein.

2015 hat Comdirect zufolge die Zahl der Finanz-Start-ups mit über 150 Gründungen rasant zugenommen. Im laufenden Jahr habe sich der Boom aber deutlich abgeschwächt. "Viele Ideen haben inzwischen einfach eine gewisse Marktreife erreicht", sagte Walter. Zudem seien große Banken und Technologiekonzerne in den Markt eingestiegen. Das sorge für Zurückhaltung bei Gründern.

Trotz des Abstands zu Berlin herrsche auch andernorts viel Bewegung, heißt es in der Studie. So ziehe München viele Gründer für Immobilien-Services an und in Hamburg und Frankfurt dominierten Start-ups für Finanzierungen. In der hessischen Bankenmetropole habe sich seit 2014 die Zahl der Fintechs mehr als verdoppelt.

Die Stadt könne davon profitieren, dass sich immer mehr Finanzfirmen an Geschäftskunden statt an Endverbraucher richteten, meint Comdirect-Chef Walter. "Die Idee von Gründern, viele private Kunden zu erreichen, hat sich oftmals als eher schwierig und teuer erwiesen". Für Start-ups mit Fokus auf Unternehmen sei Frankfurt als Sitz vieler Finanzdienstleister attraktiv.

Studie Bundesfinanzministerium

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