Führungskrise ungelöst

Rauswurf des BER-Chefs vertagt

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Karsten Mühlenfeld hatte Personalentscheidungen gegen den Willen des Aufsichtsrats getroffen. Foto: Gregor Fischer

BER-Chef Mühlenfeld soll wegen umstrittener Personalentscheidungen gehen. Doch noch hat er Unterstützer. Beobachter fürchten, dass die Querelen den Flughafenbau nicht gerade beschleunigen.

Berlin (dpa) - Die Berlin-Brandenburger Flughafengesellschaft steckt abermals in einer tiefen Führungskrise. Berlin und Brandenburg scheiterten in der Nacht zu Donnerstag im Aufsichtsrat damit, Geschäftsführer Karsten Mühlenfeld zu entlassen.

Vorangegangen waren umstrittene Personalentscheidungen auf der Baustelle des neuen Hauptstadtflughafens (BER). Einen zweiten Versuch, Mühlenfeld abzulösen, soll es am Montag in einer weiteren Sondersitzung des Gremiums geben. Inzwischen steht auch der Aufsichtsrat wieder in der Kritik.

Der Vorsitzende des Bundestags-Verkehrsausschusses, Martin Burkert, fürchtet, dass der drittgrößte deutsche Flughafen wegen der Personal-Querelen erst 2019 in Betrieb gehen kann. Mühlenfeld habe dem Ausschuss noch einen Start im Herbst 2018 in Aussicht gestellt, sagte der SPD-Politiker im RBB-Inforadio. "Durch die Veränderungen und personellen Diskussionen stelle ich aber auch das in Frage."

Die Eröffnung des Flughafens BER ist seit Baubeginn 2006 schon fünf Mal verschoben werden. Inzwischen ist das Projekt gut fünf Jahre in Verzug. Grund sind Technikprobleme, Fehlplanungen und Baumängel. Aber auch Personalwechsel führten wiederholt zu Verzögerungen.

Der Verkehrspolitiker der Linken im Bundestag, Herbert Behrens, sagte: "Den Geschäftsführer zu feuern, nur damit am BER endlich mal was fliegt, wäre völlig absurd." Die strukturellen Probleme des Pannenprojekts löse man nicht mit dem Austausch einzelner Köpfe.

Für den Generalsekretär der Berliner CDU, Stefan Evers, ist "vor allem die fatale, immer wiederkehrende Einmischung der Politik das Gift in den Adern der Flughafengesellschaft", wie er dem Sender 105'5 Spreeradio sagte. FDP-Fraktionschef Sebastian Czaja nannte die fehlende Einigkeit im Aufsichtsrat bedauerlich. Ähnlich äußerte sich die AfD.

Die Länder Berlin und Brandenburg sowie der Bund sind gemeinsam Eigentümer des Unternehmens, das den krisenbehafteten Berliner Großflughafen baut. Nach neuen Verzögerungen auf der Baustelle hatte Mühlenfeld in der vergangenen Woche den Bauleiter ausgewechselt. Auf Technikchef Jörg Marks folgte der Ex-Bahn-Manager Christoph Bretschneider - obwohl die Flughafen-Eigner dagegen waren.

Es ist unklar, ob Mühlenfeld bei der Personalie gegen Regeln verstoßen hat. Der Bund und Berlin sehen aber das Vertrauensverhältnis erschüttert. Mühlenfelds Ablösung scheiterte nach dpa-Informationen am Widerstand Brandenburgs.

Nach Angaben der Landesregierung in Potsdam wollen die Beteiligten bis am Montag öffentlich zu dem Thema schweigen. "Die Situation darf durch öffentliche Äußerungen, egal welcher Art, nicht belastet werden", warnte Regierungssprecher Florian Engels. "Wir brauchen eine Lösung, die weitere Verzögerungen vermeidet."

Wie Aufsichtsratskreisen verlautete, waren am Donnerstag auch die zehn Arbeitnehmervertreter im dem zwanzigköpfigen Gremium zu einem Rauswurf Mühlenfelds bereit. Berlin schlug vor, dass der Flughafenkoordinator der Senatskanzlei, Engelbert Lütke Daldrup, vorübergehend die Geschäfte führt, bis ein geeigneter Nachfolger gefunden ist. Dies hätten die Vertreter Brandenburgs aber abgelehnt.

Nach dpa-Informationen gab es im Aufsichtsrat auch Stimmen für eine Rückkehr von Marks. Er ist formell noch nicht entlassen, sondern nur freigestellt. Zudem soll auch über eine Ablösung von Finanzchefin Heike Fölster diskutiert worden sein. Zwischenzeitlich war eine Gesellschafterversammlung erwogen worden, was auf einen weitergehenden Umbau der Unternehmensführung hindeuten könnte.

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