Urteil gefällt

BGH: Bausparkassen dürfen Altverträge kündigen

Karlsruhe - Zur umstrittenen Kündigung gut verzinster älterer Bausparverträge durch die Bausparkassen hat der Bundesgerichtshof (BGH) am Dienstag sein Urteil gesprochen.

Bausparer haben keine Chance, sich gegen die Kündigung eines alten Bausparvertrags mit hohen Zinsen zu wehren. Einen solchen Vertrag über mehr als zehn Jahre als reine Sparanlage laufen zu lassen, widerspreche dem Sinn und Zweck des Bausparens, entschied der Bundesgerichtshof (BGH) am Dienstag in Karlsruhe. Das Ansparen sei dazu gedacht, Anspruch auf ein Darlehen zu erlangen. Dieser Zweck sei mit Erlangen der Zuteilungsreife erreicht. (Az. XI ZR 185/16 u.a.)

In der anhaltenden Niedrigzinsphase haben die Bausparkassen ihren Kunden seit 2015 schätzungsweise 250.000 Verträge gekündigt, die noch nicht vollständig bespart waren. Der einst festgeschriebene Zinssatz ist für sie inzwischen eine wirtschaftliche Belastung. Denn viele Bausparer verzichten darauf, ihr Darlehen in Anspruch zu nehmen. Stattdessen nutzen sie den Vertrag lieber als lukrative Sparanlage.

Kündigungsrecht nach zehn Jahren

Ist der Vertrag seit zehn Jahren zuteilungsreif, haben die Institute laut BGH-Urteil aber ein Kündigungsrecht. Die bereits ausgesprochenen Kündigungen waren also rechtens. Außerdem ist für die Kassen der Weg frei, um weitere Verträge kündigen zu können.

Der Richterspruch entschied zwei Prozesse, die die Bausparkasse Wüstenrot mit gekündigten Kundinnen führte. Weil die obersten Zivilrichter die Linie für die gesamte deutsche Rechtsprechung vorgeben, ist das Urteil aber von größerer Bedeutung. Beim BGH sind nach Angaben des Vorsitzenden Richters Jürgen Ellenberger derzeit mehr als 100 Bauspar-Verfahren anhängig.

Extrem niedrige Zinsen stellen Sparer vor Probleme

Wegen der seit Jahren extrem niedrigen Zinsen finden Sparer kaum mehr rentable Anlageformen. Gleichzeitig sind Baukredite zu günstigen Konditionen leicht zu bekommen. Das höhlt das klassische Bauspar-Modell aus. Denn auf dessen Hauptvorteil, ein sicheres Darlehen zu verlässlichen Konditionen, ist kaum jemand angewiesen. Den Bausparkassen fällt außerdem auf die Füße, dass sie die Zinsen in der Sparphase vor Jahren auf nahezu unbegrenzte Zeit festgeschrieben haben. Heute gibt es solche Zinssätze so gut wie nirgendwo mehr.

Aus Sicht der Institute geht es vorrangig darum, durch regelmäßige Einzahlungen den Anspruch auf ein günstiges Darlehen zu erwerben. „Ein Bausparvertrag ist kein normaler Sparvertrag“, hatte für Wüstenrot BGH-Anwalt Reiner Hall argumentiert.

Für die unterlegenen Bausparer hatte BGH-Anwalt Peter Wassermann darauf verwiesen, dass es hier um langjährige Verträge gehe. Beim Abschluss wisse niemand, ob er das Darlehen in der Zukunft tatsächlich gebrauchen könne. Den Kassen hätte klar sein müssen, dass sich die Verhältnisse ändern können. „Dass jetzt eine Niedrigzinsphase eingetreten ist, darf nicht zulasten der Kunden gehen“, sagte er.

Die Inflation könnte für Kleinsparer in diesem Jahr zum großen Verhängnis werden. Die tz erklärt, was momentan passiert.

dpa/AFP

Rubriklistenbild: © dpa

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Supermärkte erhöhen Eier-Preise ab Januar

Der Skandal um mit dem Insektenschutzmittel Fipronil belastete Eier hat die Branche im Sommer stark getroffen. Im Januar werden die Preise in den Supermärkten nun …
Supermärkte erhöhen Eier-Preise ab Januar

Porsche: BR-Chef will Firmen-E-Mails abends löschen lassen

Nach Feierabend geht für viele Beschäftigten die Arbeit irgendwie weiter - dienstliche Mails werden auch spät am Abend noch beantwortet. Schluss damit, fordert ein …
Porsche: BR-Chef will Firmen-E-Mails abends löschen lassen

Vonovia will Immobilienfirma Buwog aus Österreich schlucken

Erneut schlägt Vonovia in Österreich zu. Der Wohnungsbestand der Bochumer steigt damit weiter. Aus der gemeinsamen Bewirtschaftung sollen sich millionenschwere …
Vonovia will Immobilienfirma Buwog aus Österreich schlucken

Ikea im Visier: Geht es dem Möbelriesen jetzt an den Kragen?

Die EU-Kommission geht seit geraumer Zeit mit Nachdruck gegen mögliche Steuervorteile großer Konzerne in der EU vor. Diesmal erwischt es einen europäischen Konzern.
Ikea im Visier: Geht es dem Möbelriesen jetzt an den Kragen?

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.