Studie prangert Supermarktriesen an

Schlimmer Vorwurf gegen Edeka: Dunkler Verdacht bei Chicken Nuggets

Chicken Nuggets sind sehr beliebt. Auch Edeka verkauft das Nahrungsmittel. Eine Studie erhebt eine heftige Anschuldigung gegen die Lebensmittelkette.

München/Hamburg - Ob bei der Fast-Food-Kette oder tiefgekühlt und aufgebacken: Chicken Nuggets sind sehr beliebt. Interviews mit Beschäftigten in brasilianischen Schlachtfabriken zeichnen nun aber ein düsteres Bild von der Herstellung des Snacks. Betroffen sind angeblich unter anderem Produkte, die bei Edeka verkauft werden.

Einer Studie der „Christlichen Initiative Romero“ (CIR) zufolge werden die Arbeiter bei der Herstellung der Nahrung ausgebeutet. CIR bezeichnet sich selbst als eine „Stimme der Gerechtigkeit“ und setzt sich seit 1981 für Arbeits- und Menschenrechte in Ländern Mittelamerikas ein.

Die Initiative spricht dabei unter anderem von „Schnittwunden, Arbeitsunfällen, chronischen Gelenkschmerzen bis hin zur Berufsunfähigkeit“ der Arbeiter und Arbeiterinnen in Brasiliens Schlachtfabriken, „die auch für den deutschen Einzelhandel Hühnerformfleisch fertigen“.

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„Ein System aus Abhängigkeiten und Schuldknechtschaft“, sagt die Studie

Nicht viel anders ergehe es demnach Geflügelfängern, die die Tiere ausstallen und zum Schlachthaus transportieren. „Für sie sind zwölf Arbeitsstunden die Regel, unbezahlte Überstunden nicht selten. Die Entlohnung ist intransparent und zu gering zum Leben, eine gewerkschaftliche Interessenvertretung fehlt“, schreibt die Initiative.

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Von „einem System von Abhängigkeiten und Schuldknechtschaft“ ist in der Studie die Rede. „Ich habe ein Stück von meinem Finger verloren“, wird ein Arbeiter zitiert. Der Betriebsarzt habe ihm jedoch "nur Paracetamol gegen die Schmerzen“ gegeben. Es sei die einzige Behandlung, die er anbiete. Ein anderer klagte demnach, er verdiene 330 Euro netto im Monat, seine Fixkosten würden aber bei 507 Euro liegen.

CIR: Edeka ist „Schlusslicht im deutschen Lebensmitteleinzelhandel“

Laut CIR wird das Import-Hühnchen in Deutschland Produkten wie Chicken Nuggets beigemischt, da es billiger ist als Fleisch aus Deutschland. So lande es zwar in Regalen verschiedener Lebensmittelmärkte, unter anderem in denen von Edeka.

Die Autoren der Studie klagen an: "Obwohl bei Edeka die Umsätze stetig steigen und das Unternehmen seine Marktdominanz durch die Kaiser-Tengelmann-Übernahme weiter ausbauen konnte, gehört es in puncto soziale Unternehmensverantwortung zum Schlusslicht im deutschen Lebensmitteleinzelhandel.“ 

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Und noch ein weiterer Punkt der CIR-Studie klingt alarmierend. „Falls überhaupt Kontrollen in den Fabriken stattfinden, dann wird die Geschwindigkeit der Fließbänder gedrosselt“, heißt es: Die Arbeiter müssten an solchen Tagen dadurch bis zu drei oder vier Stunden länger arbeiten, um das Tagessoll zu erfüllen, sagt ein Arbeiter dem CIR.

So reagiert Edeka

Edeka selbst relativierte auf Anfrage unserer Redaktion die Vorwürfe. „Das Herkunftsland Brasilien hat aktuell nur einen sehr geringen Anteil an der Rohware, die für dieses Produkt verarbeitet wird. Deshalb ist es für uns nicht nachvollziehbar, warum unser Unternehmen hier als Beispiel gewählt wurde“, erklärte ein Sprecher. Das Geflügelfleisch werde in Deutschland zum Hähnchen-Nugget verarbeitet.

„Aufgrund der pauschalen Darstellung können wir zu den Ergebnissen der Studie nicht konkret Stellung nehmen. Generell fordern wir die Einhaltung sozialer Mindeststandards von allen Lieferanten verbindlich ein“, betonte er weiter.

Video: Glomex

Rubriklistenbild: © dpa

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