Bitkom: Mittelstand ist Treiber beim Cloud Computing

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Ein Messebesucher geht an einem Cloud-Symbol vorbei. Foto: Peter Steffen/Illustration

Cloud-Dienste sind der Schmierstoff für die Digitalisierung von Geschäftsprozessen. In Deutschland herrschten aber vielfach Sicherheitsbedenken vor. Nun setzen kleine und mittlere Unternehmen verstärkt zum Sprung in die Wolke an, wie der Bitkom ermittelte.

Berlin (dpa) - Die Zeit der Zurückhaltung scheint vorbei: Kleine und mittlere Unternehmen setzen im Zuge der Digitalisierung verstärkt auf Anwendungen aus der Cloud.

Laut einer Studie des Digitalverbands Bitkom nutzte 2015 erstmals eine Mehrheit der Unternehmen (54 Prozent) in Deutschland Cloud-Angebote. Ein Jahr zuvor waren es noch 44 Prozent. Dabei hätten den Trend maßgeblich Firmen mit 20 bis 99 Mitarbeitern befeuert. "Der Mittelstand hat seine Zurückhaltung beim Cloud Computing endgültig abgelegt", sagte Axel Pols von Bitkom Research. "Die Cloud ist im Mittelstand angekommen."

Die Technologie schaffe große Effizienz-Gewinne und sei in der digitalen Wirtschaft häufig die Basis neuer Geschäftsmodelle, sagte Pols. "Cloud Computing ist eine Killer-Applikation der Digitalisierung." Dennoch gab es vielfach Vorbehalte gegen die Auslagerung von Daten und Anwendungen in die Daten-Wolke. Geschürt wurden entsprechende Befürchtungen vor allem durch die NSA-Enthüllungen.

Sicherheitsbedenken sind der Studie zufolge noch immer das größte Hemmnis. So befürchten 58 Prozent der Befragten einen unberechtigten Zugriff auf sensible Daten, 45 Prozent gar den Verlust von Daten. Vielfach orientierten sich die Bedenken jedoch nicht an der realen Faktenlage, betonte Pols. 15 Prozent der Befragten hätten angegeben, dass bei ihnen in den vergangen 12 Monaten ein Sicherheitsvorfall stattfand, 20 Prozent sagen, dass es einen entsprechenden Verdacht gegeben habe. Diese Angaben müssten aber in Verhältnis gesetzt werden mit dem, was passiert wäre, wenn die Daten außerhalb der Cloud genutzt worden wären, sagte Pos. "Hier brauchen wir noch mehr Transparenz."

Die großen US-Anbieter hätten unterdessen auf die Wünsche der Kunden reagiert, sagte Pols. "Viele Cloud-Provider haben massiv in die Sicherheit investiert und Rechenzentren in Europa und speziell in Deutschland aufgebaut, sagte Peter Heidkamp von der Beratungsgesellschaft KPMG. Damit gewährleisteten sie, dass Daten im Rechtsgebiet der Europäischen Union verblieben. 

Die Deutsche Telekom sieht sich von den Ergebnissen des "Cloud-Monitors" in ihrer Strategie bestätigt. "Unser Public Cloud-Angebot unter der Maßgabe des strengen deutschen Datenschutzes ist besonders bei kleinen und mittleren Unternehmen gefragt", sagte Frank Strecker, Cloud-Stratege bei der Telekom. Eine besonders hohe Nachfrage von Firmen mit 1 bis 50 Mitarbeitern verzeichnet derzeit auch das Unternehmen Exact, das sich speziell auf Cloud-Lösungen für den Mittelstand spezialisiert hat. Wöchentlich kämen weltweit rund 1000 Kunden hinzu. Besonders großes Wachstum verzeichne man derzeit in Deutschland.

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