Abgastest WLTP

BMW-Gewinn bricht um ein Viertel ein

+
Im Gegensatz zu Mercedes-Benz und Audi konnte BMW im dritten Quartal mehr Autos verkaufen und sogar den Umsatz steigern. Foto: Lino Mirgeler

Steigende Zölle, teure Rückrufe, Rabattschlachten - BMW muss plötzlich mit einem ganzen Bündel zusätzlicher Probleme fertig werden. Im dritten Quartal ist der Gewinn eingebrochen. Und der Ausblick ist sehr durchwachsen.

München (dpa) - Nach jahrelangem Wachstum ist der Gewinn von BMW plötzlich auf Talfahrt. Neue Abgasvorschriften und Zölle, Rückrufe und Preiskämpfe - viele Probleme hätten sich in den vergangenen Monaten deutlich verschärft, sagte Vorstandschef Harald Krüger. Ein Ende sei nicht abzusehen.

Im Gegensatz zu Mercedes-Benz und Audi konnte BMW zwar im dritten Quartal mehr Autos verkaufen und sogar den Umsatz steigern - er kletterte um 4,7 Prozent auf 24,7 Milliarden Euro. Aber das Ergebnis vor Steuern brach um 26 Prozent auf 1,85 Milliarden Euro ein, der Gewinn nach Steuern fiel um 24 Prozent auf 1,41 Milliarden Euro. Aktionäre hatten mehr erwartet, an der Frankfurter Börse zählte BMW zu den größten Verlierern.

Die Einführung der neuen WLTP-Abgastests im September "hat den europäischen Markt vollkommen aus dem Gleichgewicht gebracht", sagte Finanzvorstand Nicolas Peter. BMW hatte frühzeitig umgestellt, die Kunden aber kauften bei der Konkurrenz viele Autos mit altem Prüfstandard mit Rabatt. Die Verwerfungen dürften sich im ersten Halbjahr 2019 weiter auswirken, sagte Peter. Teurere Rohstoffe und Wechselkurseffekte kosteten BMW bis zum Jahresende mehr als eine halbe Milliarde. In Elektroautos und autonomes Fahren investiere der Konzern heuer eine Milliarde Euro zusätzlich.

Die chinesischen Zölle auf Autos aus den USA kosten BMW jährlich 600 Millionen Euro, da BMW die meisten SUV-Autos im US-Werk Spartanburg baut. Eine neue Hürde erwartet BMW in Kürze auch in Europa: "Wir bereiten uns auf einen harten Brexit vor", sagte Krüger. Hausgemacht sind dagegen Probleme mit der Kühlflüssigkeit von 1,6 Millionen Autos, die der Konzern gerade zurückruft - 679 Millionen Euro stellt BMW für diese und ähnliche Aktionen jetzt zurück.

Forderungen der Bundesregierung, alte Dieselautos durch technische Umbauten etwas sauberer zu machen, lehnte Krüger ab. Wie andere Länder sollte auch Deutschland die alten Autos austauschen und Elektroautos fördern, das wirke schneller und bringe mehr. Die von BMW angebotene Umtauschprämie komme bei den Kunden sehr gut an.

Es gebe einen Berg an Herausforderungen, aber neue Modelle sollten BMW wieder Rückenwind verschaffen, sagte Krüger. Der neue 3er läuft ab jetzt in München, ab nächstem Jahr auch in China und im neuen Werk in Mexiko vom Band. Und mit dem X5 und dem X7 stünden für BMW profitable Autos in den Startlöchern.

Die im September gesenkte Jahresprognose bekräftigte der Vorstandschef: BMW will mehr Autos verkaufen als im Vorjahr und damit etwas zum Spitzenreiter Mercedes-Benz aufholen. Der Umsatz und der Gewinn vor Steuern dürften allerdings leicht unter Vorjahr sinken, weil sich die Belastungen auch im vierten Quartal "deutlich" auswirkten.

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Harley-Davidson-Chef tritt ab - Zeitz übernimmt vorerst

Die über 116 Jahre alte Kult-Motorradschmiede Harley-Davidson hat sich vom US-Vorzeigekonzern zum Problemfall entwickelt. Nun wirft Chef Levatich das Handtuch. Seine …
Harley-Davidson-Chef tritt ab - Zeitz übernimmt vorerst

Coronavirus und die Wirtschaft: Berliner Reisemesse abgesagt - Lufthansa mit drastischem Schritt 

Das Coronavirus belastet die Wirtschaft. Aldi und Lidl berichten von Hamsterkäufen. Die Frankfurter Börse befindet sich im Tiefflug. Und Lufthansa dämmt sein Flugangebot …
Coronavirus und die Wirtschaft: Berliner Reisemesse abgesagt - Lufthansa mit drastischem Schritt 

9.500 Stellen werden abgebaut: Audi stellt neues Mitarbeiter-Programm vor

Audi will bis zum Jahr 2025 etwa 9.500 Arbeitsplätze sozialverträglich abbauen. Betroffen sind die deutschen Standorte Neckarsulm und Ingolstadt.
9.500 Stellen werden abgebaut: Audi stellt neues Mitarbeiter-Programm vor

Virus-Folgen für die Wirtschaft werden deutlicher

Wer Atemschutzmasken, Desinfektionsmittel und haltbare Lebensmittel anbietet, hat Konjunktur. Viele andere Firmen trifft die Krankheit ausgerechnet in der Flaute.
Virus-Folgen für die Wirtschaft werden deutlicher

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.