Nach Produktionsausfällen

BMW und Bosch sprechen über Schadenersatz

+
Die Produktion eines BMWs im Werk in Leipzig. Foto: BMW

Die Abhängigkeit von einzelnen großen Zulieferern ist nicht nur für Autobauer ein Risiko. Gerade in dieser Branche kam es zuletzt jedoch häufiger zu Problemen. Im Fall Bosch/BMW geht es um viel Geld.

München (dpa) - Bosch muss seinen Großkunden BMW nach den Produktionsausfällen wegen fehlender Lenkgetriebe voraussichtlich mit einer mittleren zweistelligen Millionensumme entschädigen.

Diese Größenordnung nannte BMW - nähere Angaben seien aufgrund der derzeit laufenden Verhandlungen aber noch nicht möglich. Zuvor hatte das "Handelsblatt" darüber berichtet.

"Der im Raum stehende Betrag ist direktes Ergebnis unserer Schadensanalyse", hieß es bei dem Münchner Autobauer. Die Gespräche über den genauen Umfang einer finanziellen Erstattung dauerten an. Bosch erklärte, beide Seiten seien "in einer langfristigen Beziehung". Man werde sich auch deswegen bemühen, eine konstruktive Lösung für den geforderten Schadenersatz zu finden.

Ende Mai hatten Lieferschwierigkeiten von Bosch, die ihrerseits auf Probleme bei der italienischen Firma Albertini Cesare zurückgingen, empfindliche Produktionseinbußen bei BMW hervorgerufen. Bänder standen still, viele Wagen der kleineren Baureihen konnten nicht pünktlich fertiggestellt und ausgeliefert werden. Bosch bezog von Albertini Cesare Aluminium-Gussteile und übernahm das Unternehmen mit 400 Mitarbeitern aus dem norditalienischen Villasanta anschließend.

BMW-Einkaufsvorstand Markus Duesmann sagte der Zeitung, er hoffe, dass die Engpässe vom Mai "ein einmaliger Ausreißer" bleiben. Die eigenen Lieferketten würden detailliert überprüft. Ein Sprecher des Konzerns stellte klar, dass man aber weiter Vertrauen zu Bosch habe. Der Technologiekonzern gehöre "zu unseren Top-3-Zulieferern". Bosch erklärte, der Kauf der italienischen Firma sei beschlossen worden, weil "diese Maßnahme tragfähig ist und am schnellsten greift".

Die Autoindustrie ist angesichts eng getakteter Produktionspläne ("just-in-time") auf reibungslose Zulieferungen angewiesen. Zuletzt kam es auch in anderen Unternehmen zu Engpässen. Bei Volkswagen etwa hatte die ausbleibende Versorgung des Lieferanten Prevent im vergangenen Jahr ebenfalls die Bänder angehalten und einen erheblichen Schaden unter anderem in der Golf-Fertigung verursacht.

Das Risiko von Abhängigkeiten werde laufend bewertet, hieß es bei BMW. Man gehe davon aus, dass nun auch Bosch ein ausgeklügelteres Risikomanagement- und Alarmsystem bei stockenden Prozessen betreibe.

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Neuerung an der Kasse: Das wird viele Lidl-Kunden freuen

Beim Discounter Lidl gibt es eine Neuerung an der Kasse. Was sich für Kunden jetzt ändert.
Neuerung an der Kasse: Das wird viele Lidl-Kunden freuen

Audi-Chef Stadler legt Haftbeschwerde ein

München (dpa) - Audi-Chef Rupert Stadler hat Beschwerde gegen die Untersuchungshaft eingelegt. Das sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft München II. Die …
Audi-Chef Stadler legt Haftbeschwerde ein

Audi-Chef Stadler legt Haftbeschwerde ein

Rupert Stadler setzt sich gegen seine Untersuchungshaft zur Wehr. Der Audi-Chef legt Beschwerde gegen seine Inhaftierung ein.
Audi-Chef Stadler legt Haftbeschwerde ein

Dax leicht im Minus nach fünftägiger Gewinnserie

Frankfurt/Main (dpa) - Dem Dax ist nach fünf Gewinntagen in Folge erst einmal der Schwung ausgegangen. Der Deutsche Leitindex fiel um 0,30 Prozent auf 12.727,35 Punkte.
Dax leicht im Minus nach fünftägiger Gewinnserie

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.