Flugzeugbau

Boeing gelingt erster Quartalsgewinn seit 2019

Boeing
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Boeing-Werk in Everett im US-Bundesstaat Washington. Der Konzern profitierte zuletzt stark von der Rückkehr der wichtigsten Baureihe 737 Max, die nach zwei Abstürzen mehr als anderthalb Jahre lang weltweit mit Startverboten belegt war.

Der Airbus-Rivale Boeing berappelt sich nach dem Debakel um den Absturzflieger 737 Max und heftigen Geschäftseinbrüchen in der Corona-Krise wieder. Doch die Lage bleibt schwierig.

Chicago - Der US-Luftfahrtriese Boeing ist nach sechs Verlustquartalen in Folge überraschend in die schwarzen Zahlen zurückgekehrt.

Für die Monate April bis Juni stand unter dem Strich ein Gewinn von 567 Millionen Dollar (480 Mio Euro), wie der US-Rivale des europäischen Airbus-Konzerns am Mittwoch in Chicago mitteilte. Ein Jahr zuvor hatte Boeing wegen der Corona-Krise und der damals noch weltweit geltenden Flugverbote für den Mittelstreckenjet 737 Max 2,4 Milliarden Dollar Verlust gemacht. Analysten hatten auch diesmal mit einem Minus gerechnet. Die Aktie legte vorbörslich kräftig zu.

Auch der Umsatz des Konzerns stieg deutlich. Mit knapp 17 Milliarden Dollar lag er 44 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Im Geschäft mit Verkehrsflugzeugen schrieb Boeing weiterhin rote Zahlen, wenngleich sich der Betriebsverlust der Sparte deutlich verringerte. Die Rüstungs- und Raumfahrtsparte konnte ihr Ergebnis kräftig steigern. „Wir haben im zweiten Quartal weiter wichtige Fortschritte gemacht“, erklärte Boeing-Chef Dave Calhoun. Der Konzern behalte die Corona-Entwicklung zwar weiterhin genau im Blick, positioniere sich jedoch für eine „robuste Erholung“ des Luftverkehrs.

So will Boeing die Produktion seines Bestsellers 737 Max angesichts der gestiegenen Nachfrage kräftig erhöhen. Die monatliche Fertigungsrate soll bis Anfang 2022 von derzeit lediglich 16 auf 31 Stück ansteigen, wie das Unternehmen nun ankündigte. Allerdings hat Boeing auch jede Menge Auf- und Nachholbedarf. Der Erzrivale Airbus ist in den vergangenen Jahren immer weiter enteilt - zum Vergleich: Die Europäer bauen derzeit etwa 40 Jets ihrer Konkurrenzmodelle der A320-Familie pro Monat. Airbus will die Stückzahl bis Ende 2021 auf 45 und danach weiter erhöhen.

In einem Rundschreiben an die Belegschaft kündigte Calhoun an, dass Boeing die Mitarbeiterzahl stabil bei rund 140.000 Beschäftigten halten wolle. Eigentlich hatte Boeing geplant, sie bis Ende 2021 auf etwa 130.000 zu reduzieren. Allerdings hatte der Konzern im Zuge der Corona-Krise auch schon zahlreiche Jobs gestrichen - so beschäftigt Boeing aktuell 13 Prozent weniger Mitarbeiter als vor der Pandemie. Ohnehin hat der Airbus-Rivale weiterhin diverse Probleme. So bremsen Produktionsmängel die Auslieferungen des Langstreckenjets 787 „Dreamliner“, weshalb auch die Produktion gedrosselt werden musste.

Boeing profitierte zuletzt aber stark von der Rückkehr der wichtigsten Baureihe 737 Max, die nach zwei Abstürzen mit 346 Toten mehr als anderthalb Jahre lang weltweit mit Startverboten belegt war. Seitdem US-Aufseher die Maschinen im November 2020 wieder zuließen, nehmen die Geschäfte wieder Fahrt auf - Aufträge und Auslieferungen legten deutlich zu. Allerdings steht Boeing auch hier weiter vor großen Aufgaben. In China, einem der wichtigsten Auslandsmärkte, darf das Modell immer noch nicht wieder abheben. Zudem wurden auch an der Max wiederholt neue Mängel festgestellt. dpa

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