Verkehrsflugzeuge gefragt

Großaufträge für Boeing und Airbus - niemand will Riesenjets

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Fast alle Bestellungen entfielen dabei auf die Mittelstreckenjets Boeing 737-MAX und Airbus' A320neo-Modelle. Foto: Michel Euler

Die Messe in Le Bourget ist ein Schaulaufen der großen Flugzeugbauer. Vor allem der US-Branchenriese Boeing und sein europäischer Erzrivale Airbus liefern sich einen Wettstreit. Aber diesmal zieht auch ein Newcomer mit Modellen eines Überschall-Fliegers die Blicke auf sich.

Le Bourget (dpa) - Die Flugzeugbauer Boeing und Airbus haben am zweiten Tag der Pariser Luftfahrtmesse einige Großaufträge eingesammelt.

Fast alle Bestellungen entfielen dabei auf die Mittelstreckenjets Boeing 737-MAX und Airbus' A320neo-Modelle. Aber auch für die Langstreckenflieger Boeing 787 und 777 sowie den Airbus A350 gingen am Dienstag Aufträge ein.

Dem Airbus A380 und anderen Riesenmaschinen sagten die Amerikaner von Boeing derweil eine traurige Zukunft voraus. Dafür rechnet sich das amerikanische Start-up Boom große Chancen für seinen geplanten Überschalljet aus.

Wie Airbus erwartet Boeing in den nächsten 20 Jahren einen weiter wachsenden Bedarf an Verkehrsflugzeugen. Bis 2036 würden weltweit gut 41 000 Passagier- und Frachtjets benötigt, sagte Boeing-Manager Randy Tinseth auf der weltgrößten Luftfahrtschau in Le Bourget bei Paris. Das sind 3,6 Prozent mehr, als Boeing 2016 für die Zeit bis 2035 vorhergesagt hatte. Im Gegensatz zu Airbus berücksichtigen die Amerikaner bei ihren Schätzungen auch Regionaljets mit weniger als 100 Sitzen, etwa von Bombardier und Embraer.

Eine düstere Zukunft zeichnet Boeing für ganz große Flugzeuge wie den weltgrößten Passagierjet Airbus A380. Vor 20 Jahren habe auch Boeing gedacht, dass mehr große Jets gebraucht würden, räumte Tinseth ein. Doch das größte Modell der Amerikaner, der Jumbo-Jet 747-8, sei nur noch als Frachter gefragt. Der größte Bedarf entfalle bis 2036 mit voraussichtlich 72 Prozent auf Mittelstreckenjets mit einem Gang zwischen den Sitzen. Da unterscheiden sich Boeings Prognosen kaum von denen des europäischen Rivalen.

Dass Airbus sein Flaggschiff A380 jetzt mit riesigen abgeknickten Flügelenden ("Winglets") und 80 zusätzlichen Sitzplätzen für die Airlines wirtschaftlicher machen will, hält Tinseth für Augenwischerei. "Neue Winglets an ein Flugzeug zu montieren, das einfach zu groß ist, macht dieses Flugzeug kein bisschen kleiner", meinte er. Airbus ringt seit Jahren um neue Bestellungen für sein größtes Modell und fährt die Produktion bereits kräftig zurück.

Bei Neubestellungen und Vorverträgen punktete am Dienstag vor allem Boeing. Oft ging es allerdings darum, dass Airlines bestehende Bestellungen von Boeing-Mittelstreckenjets auf die längste Version 737-MAX-10 umschrieben, die der Hersteller am Montag vorgestellt hatte. Insgesamt hoben Fluggesellschaften für über 260 Maschinen die Hand. Airbus sammelte hingegen nur Bestellungen über 115 Stück ein.

Über 13 Jahre nach dem Aus für die Concorde rückt derweil eine mögliche Rückkehr des Überschallflugs im Passagierverkehr näher. Das junge US-Unternehmen Boom hat für seinen bis zu 55-sitzigen Überschalljet inzwischen 76 Bestellungen von fünf Fluggesellschaften eingesammelt, wie Gründer und Vorstandschef Blake Scholl sagte. Mit "Mach 2,2" - also mehr als doppelter Schallgeschwindigkeit - soll der Flieger noch schneller unterwegs sein als die legendäre Concorde.

Erstkundin ist die britische Fluglinie Virgin Atlantic des Milliardärs Richard Branson. Weitere Auftraggeber will Scholl nach und nach vorstellen. Das erste Exemplar soll 2023 in den Linienverkehr starten. Der Erstflug der kleineren Testversion XB-1, genannt "Baby-Boom", soll 2018 stattfinden. Der Listenpreis liegt bei 200 Millionen US-Dollar (179 Mio Euro) und damit etwas niedriger als bei den kleinsten Großraumjets von Airbus und Boeing.

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