Düstere Aussichten

Brexit versetzt britische Autobauer in «Alarmstufe Rot»

Produktion von Mini-Fahrzeugen im Werk Oxford in Großbritannien. Foto: BMW AG dpa
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Produktion von Mini-Fahrzeugen im Werk Oxford in Großbritannien. Foto: BMW AG dpa

Der Großteil der in Großbritannien produzierten Autos ist für den Export bestimmt. Ein Brexit ohne Handelsabkommen wäre daher für die Branche besonders fatal. Neue Zahlen belegen das.

London (dpa) - In Großbritannien ist die Produktion von Autos bereits vor dem von der Branche gefürchteten Brexit deutlich eingebrochen - und die Aussichten sind düster.

Die Zahl der produzierten Fahrzeuge sei im vergangenen Jahr um 9,1 Prozent auf 1,52 Millionen Stück gefallen, teilte der Branchenverband SMMT (Society of Motor Manufacturers and Traders) in London mit. Es ist der zweite Produktionsrückgang in Folge.

Von einstigen Glanzzeiten mit einer Produktion von fast zwei Millionen Autos pro Jahr Anfang der 1970er Jahre, als zudem Hersteller wie Bentley, Jaguar, Mini oder Rolls-Royce noch nicht in Hand ausländischer Konzerne wie BMW, Tata Motors oder Volkswagen waren, ist die Branche ohnehin weit entfernt.

SMMT-Chef Mike Hawes befürchtet zudem, dass die kommenden Monate und Jahre noch um einiges härter werden. So bereitet ihm der Einbruch der Investitionen um fast die Hälfte enorme Sorgen. «Für die Branche gilt Alarmstufe Rot», sagte er. «Die Unsicherheit rund um den Brexit hat bereits enormen Schaden bei der Produktion, den Investitionen und den Arbeitsplätzen angerichtet.»

Dies sei aber nichts im Vergleich zu dem, was bei einem ungeordneten Brexit auf die Branche zukomme. Sollte es zu einem Austritt Großbritanniens ohne neue Handelsverträge kommen, werde dies die Autohersteller weiter stark belasten. Hawes appellierte daher einmal mehr an alle Parteien, einen ungeordneten Brexit zu vermeiden.

Tausende von Arbeitsplätzen seien gefährdet. Ende 2017 zählte die britische Autoproduktion den SMMT-Daten zufolge noch 186.000 Mitarbeiter. Inklusive der von den Autoproduzenten abhängigen Unternehmen summierte sich die Mitarbeiterzahl nach Angaben des Verbands auf etwas mehr als 850.000. Einige Hersteller oder Zulieferer wie der deutsche Konzern Schaeffler haben indes bereits angekündigt, Werke schließen zu wollen.

Da der Großteil der in Großbritannien produzierten Autos in den Export geht, wäre ein Brexit ohne Handelsabkommen besonders fatal. Im vergangenen Jahr ging die Produktion der fürs Ausland bestimmten Fahrzeuge mit 7,3 Prozent etwas weniger stark als die Gesamtproduktion zurück - die Exportquote stieg dementsprechend auf 81,5 Prozent.

Größter Autohersteller Großbritanniens ist die inzwischen zum indischen Tata-Konzern gehörende Gruppe Jaguar Land Rover mit zuletzt noch rund 449.000 Autos, gefolgt von Nissan (442.254), der BMW-Tochter Mini (234.183), Honda (160.676) und Toyota (129.070).

SMMT-Mitteilung

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