Doppelter Druck

Brexit bremst britische Wirtschaft

+
Die britische Premierministerin Theresa May beim EU-Gipfel in Brüssel. Foto: Geert Vanden Wijngaert

Der Brexit verdirbt vielen Verbrauchern in Großbritannien die Stimmung. Die Löhne sinken, es wird so wenig gespart wie seit Jahrzehnten nicht und das Wirtschaftswachstum verlangsamt sich.

London (dpa) - Ein Jahr nach dem Brexit-Votum verdüstern sich die Aussichten für die britische Wirtschaft zunehmend.

Am Freitag veröffentlichten Daten zufolge ist die Stimmung der britischen Verbraucher so schlecht wie seit einem vorübergehenden Schock nach dem "Ja" zu einem Austritt aus der Europäischen Union (EU) nicht mehr. Das Wachstum schwächt sich ab, die Exportindustrie gerät ins Stottern, die Reallöhne sinken und die Briten sparen so wenig wie nie seit Beginn der Aufzeichnungen vor über 50 Jahren.

Die Wirtschaft Großbritanniens hat zu Beginn des Jahres an Schwung verloren. Im ersten Quartal sei das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Vergleich zum Vorquartal nur noch um 0,2 Prozent gewachsen, teilte das nationale Statistikamt ONS am Freitag nach endgültigen Daten mit. Ende 2016 war das Wachstum mit 0,7 Prozent noch deutlich höher ausgefallen.

"Der doppelte Druck durch steigende Preise und träges Lohnwachstum belastet die finanzielle Situation der Haushalte und verstärkt die weit verbreitete Furcht vor einer wirtschaftlichen Schwäche infolge des Brexit", sagte GfK-Experte Joe Staton mit Blick auf die Stimmung der britischen Verbraucher.

Die aktuelle Erhebung hat sowohl vor als auch nach der britischen Parlamentswahl am 8. Juni stattgefunden. Bei der Wahl hatte Premierministerin Theresa May mit ihrer konservativen Partei die Regierungsmehrheit verloren. Die Brexit-Verhandlungen dürften Experten zufolge damit noch schwieriger und unberechenbarer werden.

Auch dies könnte einer der Gründe dafür sein, dass die Stimmung jetzt so schlecht ist wie seit einem kurzzeitigen Einbruch im Juli 2016 nicht mehr, also in dem Monat nach dem Brexit-Votum. Seither hatte die Zuversicht zunächst wieder zugenommen.

Die britische Wirtschaft schien das Votum entgegen den Prophezeiungen vieler Ökonomen vorerst gut zu verkraften. Inzwischen hinkt aber die Lohnentwicklung deutlich der Inflation hinterher. Ein wesentlicher Grund dafür ist der Kursverfall des britischen Pfunds infolge des Brexit-Votums, der importierte Güter in Großbritannien verteuert.

Die britischen Reallöhne sind denn auch im ersten Quartal zum dritten Mal in Folge gesunken, was es den Statistikern zufolge seit 40 Jahren nicht mehr gegeben hat. Die Löhne legten also weniger zu als die Preise. Das führt inzwischen dazu, dass die Briten immer weniger sparen. Sie haben im ersten Quartal mit nur 1,7 Prozent den niedrigsten Anteil ihres Einkommens zurückgelegt, der seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1963 gemessen wurde, wie die Statistiker mitteilten. Dabei hätten allerdings auch Steuererhöhungen eine Rolle gespielt.

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Über 200.000 Autokäufer nutzen Umweltprämie

Die sogenannte Umweltprämie - ein Zuschuss für Kunden beim Kauf eines sauberen Autos - sollte ein Mittel sein, um den Anteil älterer und schmutziger Dieselwagen auf den …
Über 200.000 Autokäufer nutzen Umweltprämie

Minister will Bahn bei Verkehrssteigerung unterstützen

Es gebe keinen Zweifel, "dass mir sehr viel an der Bahn liegt", sagt Verkehrsminister Scheuer. Er wolle mithelfen, dass mehr Menschen und Güter auf der Schiene befördert …
Minister will Bahn bei Verkehrssteigerung unterstützen

G20-Finanzminister beraten über Arbeit und Handel

Wegen des Zollstreits dürfte die Zukunft des globalen Handels im Mittelpunkt der G20-Konferenz stehen. Der Gastgeber steckt gerade selbst in der Klemme und muss um …
G20-Finanzminister beraten über Arbeit und Handel

G20-Finanzminister beraten in Buenos Aires über Handel

Buenos Aires (dpa) - Inmitten des weiter schwelenden Handelsstreits zwischen den USA, China und der EU treffen sich die Finanzminister und Notenbankchefs der wichtigsten …
G20-Finanzminister beraten in Buenos Aires über Handel

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.