Höhere Risikovorsorge

Bundesbank-Gewinn 2016 drastisch gesunken

+
Bundesbank-Gold in Frankfurt am Main: 2015 hatte die Notenbank rund 3,2 Milliarden Euro Überschuss erzielt.

Frankfurt/Main - Die Bundesbank sieht den Kauf von Staatsanleihen durch die EZB kritisch. Das schlägt sich nun auch in der Bilanz der Notenbank nieder. Der Bund bekommt deutlich weniger Geld als erwartet.

Der Scheck der Deutschen Bundesbank für Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) fällt deutlich kleiner aus als erwartet.

Der Gewinn der Notenbank sank im vergangenen Jahr um zwei Drittel von 3,2 Milliarden Euro auf rund 1,0 Milliarden Euro. Weil die Bundesbank den größten Teil davon auch noch in Pensionsrückstellungen steckt, gehen nur diesmal knapp 400 Millionen Euro an den Bund. Geplant hatte Schäuble im Haushalt für 2017 wie in den Vorjahren eigentlich mit 2,5 Milliarden Euro aus Frankfurt.

"Vor allem die Entscheidungen, in großem Stil Anleihen zu kaufen und die Einlagen der Banken beim Eurosystem mit einem negativen Zinssatz zu belegen, spiegeln sich in diesem Jahr in unserer Bilanz", erklärte Bundesbank-Präsident Jens Weidmann am Donnerstag in Frankfurt.

Stärkere Vorsorge für Risiken aus gemeinsamer Geldpolitik für Euroraum

Die Bundesbank erhöhte ihre Vorsorge für Risiken aus der gemeinsamen Geldpolitik für den Euroraum deutlich. Die sogenannten Wagnisrückstellungen wurden um 1,8 Milliarden Euro auf 15,4 Milliarden Euro aufgestockt. Weidmann begründete dies vor allem mit Zinsänderungsrisiken, die sich aus den wachsenden Wertpapierbeständen aus den Ankaufprogrammen im Rahmen der EZB-Politik ergäben.

Die Europäische Zentralbank (EZB) steckt - vor allem über die nationalen Notenbanken - seit März 2015 gewaltige Summen in den Kauf von Staats- und inzwischen auch Unternehmensanleihen. Von diesem April an soll das monatliche Volumen von 80 Milliarden Euro auf 60 Milliarden Euro verringert werden. Ob die Geldflut wie angestrebt die Konjunktur anheizt und die zeitweise bedenklich niedrige Inflation dauerhaft aus dem Keller holt, ist umstritten. Die Bundesbank sieht die Käufe - zumal der Anleihen von Krisenstaaten - kritisch.

Bislang verdient die EZB allerdings gut an den Wertpapieren: Auch dank steigender Zinseinnahmen kletterte ihr Jahresüberschuss im vergangenen Jahr um 111 Millionen Euro auf 1,19 Milliarden Euro. Dieser Gewinn wird auf die nationalen Zentralbanken der 19 Euroländer verteilt, gut ein Viertel (26 Prozent) und damit den größten Teil bekommt gemäß ihres Kapitalanteils an der EZB die Bundesbank.

Zinserträge sind traditionell die wichtigste Quelle des Bundesbank-Gewinns. Binnen Jahresfrist stieg der Nettozinsertrag von rund 2,3 Milliarden auf 3,3 Milliarden Euro.

Bundesbank zu Jahresabschluss 2015

Bundesbank-Geschäftsbericht 2015

EZB zu Jahresabschluss 2016

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Kinder der 90er, dieser Drogeriemarkt verkauft bald Tamagotchis

Das Tamagotchi wird 20 Jahre alt und feiert sich mit einem Comeback: eine neue, kleinere Version ist ab Montag erhältlich. In einem bestimmten Drogeriemarkt gibt es eine …
Kinder der 90er, dieser Drogeriemarkt verkauft bald Tamagotchis

Supermarktkette Real bleibt Metro-Sorgenkind

Düsseldorf (dpa) - Die Supermarktkette Real bleibt das Sorgenkind des Metro-Konzerns. Im Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr 2016/17 sank der Umsatz der Kette mit …
Supermarktkette Real bleibt Metro-Sorgenkind

Dax steigt wieder über 13000 Punkte

Frankfurt/Main (dpa) - Der Dax hat zum Wochenschluss wieder den Sprung über die Marke von 13 000 Punkten geschafft. Mit Rückenwind von der Wall Street stieg der deutsche …
Dax steigt wieder über 13000 Punkte

Kartellvorwürfe: Daimler hat Kronzeugenregelung beantragt

Still war es geworden um die Kartellvorwürfe gegen deutsche Autobauer. Nun legt Daimler Zahlen vor und facht die Debatte ganz nebenbei wieder neu an.
Kartellvorwürfe: Daimler hat Kronzeugenregelung beantragt

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.