Finanzpolitik

Bundesbank: Ausstieg aus ultralockerer Geldpolitik angehen

+
Jens Weidmann, Präsident der Deutschen Bundesbank, vor der Zentrale des Finanzinstituts in Frankfurt. Foto: Arne Dedert

Frankfurt/Wien (dpa) - Ein Ende der Politik des billigen Geldes ist nach Ansicht von Bundesbank-Präsident Jens Weidmann greifbar. "Die andauernde Wirtschaftserholung öffnet nun die Perspektive für eine geldpolitische Normalisierung", sagte Weidmann laut Redetext am Donnerstagabend in Wien.

"Dabei geht es nicht um eine Vollbremsung (...), sondern darum, den Fuß etwas vom Gas zu nehmen", sagte Weidmann. "Zeitpunkt und Tempo der geldpolitischen Normalisierung hängen davon ab, inwieweit der Preisanstieg nachhaltig und selbsttragend ist."

Mit viel billigem Geld versucht die Europäische Zentralbank (EZB) seit Jahren, der Konjunktur auf die Sprünge zu helfen und zugleich die Teuerung anzuheizen. Angestrebt wird Preisstabilität bei einer Teuerungsrate von knapp unter 2,0 Prozent - weit genug entfernt von der Nullmarke. Denn dauerhaft niedrige oder gar sinkende Preise könnten Unternehmen und Verbraucher dazu bringen, Investitionen aufzuschieben - das würde die Konjunktur abwürgen.

Nach bisherigen Plänen will die EZB bis mindestens Ende 2017 an ihrem milliardenschweren Kaufprogramm für Staats- und Unternehmensanleihen festhalten. Erst danach ist mit steigenden Zinsen zu rechnen. Derzeit liegt der Leitzins im Euroraum bei null Prozent.

Noch sei "eine expansive Geldpolitik gerechtfertigt, um die wirtschaftliche Erholung und damit den Preisauftrieb im Euroraum zu stützen", sagte Weidmann. Es gebe im EZB-Rat jedoch "unterschiedliche Sichtweisen darüber, wie stark wir geldpolitisch Gas geben müssen und welche Instrumente wir einsetzen sollen".

Der Bundesbank-Präsident bekräftigte: "Für die Glaubwürdigkeit der Geldpolitik jedenfalls ist es entscheidend, dass die expansive Geldpolitik beendet wird, wenn dies aus Sicht der Preisstabilität notwendig ist."

EZB-Kaufprogramme

Zeitreihe Leitzinsen der EZB

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Scout24 übernimmt Finanzcheck.de

Frankfurt/Main (dpa) - Der Online-Portalbetreiber Scout24 übernimmt das Finanzportal Finanzcheck.de. Der Kaufpreis beläuft sich auf 285 Millionen Euro, wie der …
Scout24 übernimmt Finanzcheck.de

Münchner Aldi-Mitarbeiterin packt aus: So hart ist die Arbeit an der Kasse

Jeder Einkauf im Discounter endet an der Kasse. Aber wie gut werden die Kassierer eigentlich behandelt? Eine Aldi-Süd-Mitarbeiterin hat nun Auskunft gegeben.
Münchner Aldi-Mitarbeiterin packt aus: So hart ist die Arbeit an der Kasse

Dax legt im späten Handel deutlich zu und schließt im Plus

Frankfurt/Main (dpa) - Der Dax hat am Dienstag nach einem lange richtungslosen Verlauf im späten Handel deutlich angezogen. Als Kursstützen sah Analyst Michael Hewson …
Dax legt im späten Handel deutlich zu und schließt im Plus

Paris: USA verweigern Ausnahmen von Iran-Sanktionen für EU-Unternehmen

Nach Angaben aus Paris wird es keine Ausnahmen für deutsche und andere europäische Unternehmen von den US-Sanktionen gegen den Iran geben
Paris: USA verweigern Ausnahmen von Iran-Sanktionen für EU-Unternehmen

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.