Millionenschäden

"Chef-Masche": BKA im Kampf gegen Firmenbetrüger erfolgreich

+
Das Bundeskriminalamt rechnet mit einem Schaden von inzwischen bis zu einer Milliarde Euro durch den Chef-Betrug - bei einer hohen Dunkelziffer. Foto: Fredrik von Erichsen

Mit einer Art "Enkeltrick de luxe" schaffen es Betrüger immer wieder, Firmen um hohe Geldbeträge zu bringen. Aber das Bundeskriminalamt hält dagegen - mit Unterstützung aus Israel.

Wiesbaden (dpa) - Dem Bundeskriminalamt ist ein Schlag gegen internationale Firmenbetrüger gelungen, die mit der sogenannten Chef-Masche Unternehmen um Millionensummen bringen.

Nach gemeinsamen Ermittlungen mit anderen Behörden seien in diesem Jahr in Israel sechs Verdächtige festgenommen worden, sagte die Leiterin der Abteilung "Schwere und organisierte Kriminalität", Sabine Vogt, in Wiesbaden.

Bei der Methode "CEO fraud" (Chef-Betrug) rufen Täter meist in der Buchhaltung von Firmen an und geben vor, der Geschäftsführer (Chief Executive Officer/CEO) zu sein. Vorher informieren sie sich über offen zugängliche Quellen wie Internetseiten oder Soziale Medien über Unternehmen und deren Chefs. Mit geschickten Lügen und technischen Tricks bringen sie Angestellte dann beispielsweise dazu, Firmengeld ins Ausland zu überweisen. Die Beute landet meist auf chinesischen Konten und verschwindet.

Die nun gefassten mutmaßlichen Betrüger sollen für einen Schaden von 175 Millionen Euro verantwortlich sein. Die Verdächtigen haben laut dem BKA überwiegend die französische und die israelische Staatsbürgerschaft. Tatort sei ein Apartment in Tel Aviv gewesen.

Das Phänomen "CEO fraud" falle der Polizei seit drei bis vier Jahren verstärkt auf, sagte BKA-Vize-Präsident Peter Henzler. Er rechnete insgesamt mit einem Schaden von inzwischen bis zu einer Milliarde Euro - bei einer hohen Dunkelziffer. Manch betrogener Firmenchef meldete sich aus Angst vor Imageverlust nicht bei der Polizei.

Das BKA hat bei den Ermittlungen zu den jüngsten Festnahmen in Tel Aviv unter anderem mit den Landeskriminalämtern aus sieben Bundesländern, dem österreichischen Bundeskriminalamt und der israelischen Polizei zusammengearbeitet. Nach der Festnahme hätten 26 Millionen Euro der Beute wieder zurücküberwiesen werden können.

Im Visier der Betrüger seien oft Mittelständler, sagte Henzler. Ein erfolgreicher Betrug um einen zweistelligen Millionenbetrag könne eine solche Firma an die Grenze ihres wirtschaftlichen Bestandes führen. Der BKA-Sachgebietsleiter für Wirtschaftskriminalität, Holger Kriegeskorte, sagte: "Das ist gehobene Art des Enkeltricks."

Oft schärften die angeblichen Chefs den Angestellten in der Finanzabteilung ein, mit niemandem über die Überweisung zu sprechen, da alles streng geheim sei, erläuterte Kriegeskorte. Bei einer High-Tech-Firma in Südhessen habe ein Mitarbeiter kurz vor der Transaktion doch noch einen Kollegen eingeweiht - und der Schwindel flog auf.

Warnung BKA vor Chef-Masche

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Dax schließt etwas leichter

Frankfurt/Main (dpa) - Die Anleger am deutschen Aktienmarkt haben sich auch am Freitag vorwiegend zurückgehalten. Wie schon während der vergangenen zwei Handelstage …
Dax schließt etwas leichter

Zwei Milliarden Euro Schaden wegen Rastatter Bahnsperrung

Rastatt/Berlin (dpa) - Der Einbruch der Bahn-Tunnelbaustelle in Rastatt und die folgende Sperrung der Rheintalbahn haben nach einer Studie einen volkswirtschaftlichen …
Zwei Milliarden Euro Schaden wegen Rastatter Bahnsperrung

Stickoxid-Messstationen sollen überprüft werden

In vielen deutschen Städten werden hohe Stickstoffdioxidwerte gemessen. Doch sind die Werte korrekt? Die EU sagt: ja. Die Verkehrsminister wollen die Messungen …
Stickoxid-Messstationen sollen überprüft werden

VW-Abgasskandal: KBA muss Umwelthilfe Akteneinsicht gewähren

Erfolg für die Deutsche Umwelthilfe: Das Kraftfahrtbundesamt muss Schriftverkehr mit VW im Zusammenhang mit der Rückrufaktion im Abgasskandal herausgeben. Das Amt hatte …
VW-Abgasskandal: KBA muss Umwelthilfe Akteneinsicht gewähren

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.