Mobiles Bezahlen

Chinas Internetriesen liefern sich Wettkampf in Deutschland

+
Startbildschirm des Chatprogramms WeChat: Hiermit wird für chinesische Touristen Bezahlen per Handy in Deutschland möglich. Foto: Carsten Hoefer

In China ersetzt das Handy allmählich den Geldbeutel. Bezahlen per App ist üblich, ob in Supermarkt, Restaurant oder Hotel. Und das hat Auswirkungen auf den Einkauf in Deutschland.

München (dpa) - Die zwei chinesischen Internet-Großkonzerne Tencent und Alibaba weiten ihren globalen Konkurrenzkampf auf Deutschland aus. 

Die in der südchinesischen Wirtschaftsmetropole Shenzhen ansässige Tencent wird von November an mit dem Chatprogramm WeChat für chinesische Touristen in Deutschland mobiles Bezahlen mit dem Handy an der Ladenkasse anbieten. Das teilte der deutsche Partner Wirecard AG am Montag in München mit. Bereits seit 2015 expandiert Tencents schärfster Konkurrent Alibaba, der mit der App Alipay die Pionierrolle übernommen hatte. Beiden Konzernen geht es nicht um deutsche Kunden, sondern die heimische Klientel.

Laut einer Meldung der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua aus dem vergangenen Jahr summierten sich 2015 die Ausgaben chinesischer Touristen in Deutschland bereits auf 76 Milliarden US-Dollar, weiteres Wachstum wird erwartet. Wirecard bezifferte die Durchschnittsausgaben pro chinesischem Reisenden auf 3000 Euro. Gefragt seien vor allem Luxuswaren wie Bekleidung, Schmuck und Uhren sowie Kosmetik und Haushaltartikel namhafter Marken. Am Münchner Flughafen ist Einkaufen mit Alipay seit Ende 2015, dort sind die Umsätze mit chinesischen Touristen laut Wirecard um 92 Prozent gestiegen - fast eine Verdopplung.

"In Europa wird Alipay von 10 000 Einzelhändlern akzeptiert, davon über 2000 in Deutschland", sagte Yang Xinyun, Sprecherin der Alibaba-Finanztochter Ant Financial in Hongkong. Auch Alibaba kooperiert mit Wirecard. 

In China haben die beiden Konzerne eine mit Google und Amazon vergleichbare Marktmacht. Tencent beziffert die Zahl der WeChat-Nutzerkonten auf 938 Millionen. Alipay hat mehr als 500 Millionen Nutzer. Nach einer im April publizierten UN-Studie wurden 2016 über beide Apps fast drei Billionen Dollar bewegt.

Der US-Zahlungsdienstleister Stripe kündigte am Montag ebenfalls eine internationale Kooperation in mehr als 25 Ländern mit WeChat und Alipay an. Diese soll den Chinesen in der Heimat das Online-Shopping im Ausland erleichtern.

Deutsche Einzelhändler suchen aber auch von sich aus den direkten Zugang zum China-Geschäft. So haben mehrere deutsche Unternehmen mittlerweile auf den zum Alibaba-Konzern gehörenden Shoppingportalen Taobao und Tmall chinesische Online-Shops eingerichtet.

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Mercedes-Benz stellt Transporter-Flotte auf E-Mobilität um​

Stuttgart/Berlin (dpa) – Mercedes-Benz setzt für seine gewerblichen Transporter ab kommendem Jahr auf E-Mobilität. Ab Sommer 2018 soll als erstes Modell ein eVito …
Mercedes-Benz stellt Transporter-Flotte auf E-Mobilität um​

Abbruch der Jamaika-Gespräche belastet den Dax

Frankfurt/Main (dpa) - Das Scheitern der Jamaika-Verhandlungen hat den deutschen Aktienmarkt weiter belastet. Nach deutlich schwächerem Start gelang es dem Dax aber, …
Abbruch der Jamaika-Gespräche belastet den Dax

DIW-Chef Fratzscher: Brauchen Regierung mit Visionen

Berlin (dpa) - Der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, sieht nach dem Scheitern der Jamaika-Sondierungen Chancen für einen …
DIW-Chef Fratzscher: Brauchen Regierung mit Visionen

Schlecker-Prozess geht mit Plädoyers in die Schlussphase

Endspurt im Prozess um die Pleite der Drogeriemarktkette Schlecker: Nach mehr als acht Monaten liegen die Fakten auf dem Tisch, nun müssen Staatsanwälte und Verteidiger …
Schlecker-Prozess geht mit Plädoyers in die Schlussphase

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.