6,9 Prozent Wachstum

Chinas Wirtschaft gewinnt wieder an Fahrt

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Besucher eines Einkaufszentrums in Peking. Die chinesische Wirtschaft legt noch einmal zu. Foto: Andy Wong

Mit Chinas Wirtschaft geht es wieder bergauf - dank neuer Kredite und staatlicher Investitionsprogramme. Es ist eine Rückkehr zum alten Wachstumsmodell. Aber auch die Schulden steigen. Kann das gut gehen?

Peking (dpa) - Die chinesische Wirtschaft überrascht mit starkem Wachstum: Im ersten Quartal legte die zweitgrößte Volkswirtschaft um 6,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zu.

Der Sprecher des Statistikamtes, Mao Shengyong, sprach von einem "prächtigen Start" ins Jahr. Die Produktion sei robust, der heimische Konsum stark und die Exporte erholten sich. Angesichts der hohen Anlageinvestitionen und Kreditvergabe zur Ankurbelung der Konjunktur kritisierten ausländische Experten allerdings "eine Rückkehr zum alten, investitionsgetriebenen Wachstumsmodell".

Nach den auch schon überraschenden 6,8 Prozent im letzten Quartal des vergangenen Jahres legte die chinesische Wirtschaft damit noch einmal zu. Für dieses Jahr hatte die Regierung eigentlich ein niedrigeres Wachstumsziel von "rund 6,5 Prozent" vorgegeben. Im vergangenen Jahr war Chinas Wirtschaft um 6,7 Prozent gewachsen - so langsam wie seit 26 Jahren nicht mehr.

"Die Lage ist optimistischer als die Erwartungen", sagte Zheng Chaoyu, Wirtschaftsprofessor der Volksuniversität (Renmin Daxue) in Peking der Deutschen Presse-Agentur. Schon im letzten Quartal 2016 sei die Entwicklung überraschend gut gewesen. "Das war ein ziemlich guter Start und eine gute Vorbereitung für dieses Jahr."

Die globale Nachfrage sei besser, auch hätten die Infrastrukturinvestitionen und andere Maßnahmen zur Ankurbelung der Konjunktur gewirkt. "Das Wachstum wäre ohne Stimulus zurückgegangen", sagte Zheng Chaoyu. "Das gegenwärtige Ziel ist, eine Depression zu verhindern." Es gehe um die Wiederbelebung der Wirtschaft. China kenne haushaltstechnisch keine Grenzen bei Konjunkturmaßnahmen.

Andere Experten warnten allerdings vor der steigenden Verschuldung und anderen Unsicherheiten durch den Konflikt auf der koreanischen Halbinsel oder den anhaltenden Handelsstreit mit den USA. Auch wenn die Spannungen mit US-Präsident Donald Trump im Streit über das hohe Handelsdefizit der USA mit China nach dem Treffen mit Staats- und Parteichef Xi Jinping in Florida erstmal zurückgegangen seien, steht die Bewährungsprobe nach Einschätzung von Experten noch aus.

Vorerst zeigen die Konjunkturdaten aber nach oben. Die Anlageinvestitionen legten im ersten Quartal um 9,2 Prozent zu. Der überhitzte Immobiliensektor hatte davon einen Anteil von einem Fünftel. Die Industrieproduktion wuchs um 6,8 Prozent. Auch die heimische Nachfrage war relativ stark. So stiegen die Einzelhandelsumsätze allein im März um 10,9 Prozent und insgesamt im ersten Quartal um 10 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Chinas Wirtschaft habe den Schwung ins erste Quartal mitnehmen können, sagte Max Zenglein vom China-Institut Merics in Berlin. "Es wäre allerdings trügerisch davon auszugehen, dass das Wachstum weiter anziehen wird", sagte Zenglein. "Der Abwärtsdruck auf die chinesische Wirtschaft bleibt bestehen." Die Regierung traue den Marktmechanismen nicht und interveniere, wenn es nicht nach Plan laufe. "Dadurch jongliert sie gleichzeitig mit einer zunehmenden Anzahl an Brandherden."

Der Immobilienboom habe stark zum Wachstum beigetragen, sagte Liu Yuan, Wirtschaftsprofessor an der Volksuniversität, und warnte vor einer Blase. "Die Kontrolle des Immobilienmarktes hat keine gute Wirkung gezeigt." Auch die Experten der australischen ANZ-Bank waren skeptisch: "Wir müssen die Frage stellen, ob das investionsgetriebene Wachstum nachhaltig ist, wenn die Behörden Probleme haben, die Kredite zu bändigen."

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