Entgegen erster Berechnungen

Corona-Krise reißt Milliarden-Loch in Staatshaushalt - aber Überraschung bei deutscher Wirtschaft

Mit Containern beladene Lastwagen stauen sich auf der Köhlbrandbrücke am Hamburger Hafen.
+
Mit Containern beladene Lastwagen am Hamburger Hafen (Archivbild): Die deutsche Wirtschaft ist 2020 trotz Corona-Beschränkungen gewachsen.

Die deutsche Wirtschaft ist etwas besser durch das Corona-Krisenjahr 2020 gekommen als erwartet. Das Haushaltsdefizit ist jedoch so hoch wie lange nicht mehr.

  • Die Corona-Krise kostet den deutschen Staatshaushalt enorm viel Geld.
  • Die Folgen sind jedoch etwas weniger dramatisch, als zunächst befürchtet.
  • Allerdings: Die Corona-Pandemie ist noch längst nicht ausgestanden.

Wiesbaden - Der deutsche Staat hat im Corona-Krisenjahr 2020 deutlich mehr Geld ausgegeben als eingenommen. Bund, Länder, Gemeinden und Sozialversicherung wiesen ein Defizit von 139,6 Milliarden Euro aus, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Mittwoch mitteilte. Erste Berechnungen der Behörde hatten ein Minus von 158,2 Milliarden Euro ergeben.

Bezogen auf die gesamte Wirtschaftsleistung lag das Haushaltsdefizit bei 4,2 Prozent. Das war das zweithöchste Minus seit der deutschen Vereinigung, nur übertroffen vom Rekorddefizit des Jahres 1995. Damals wurden die Schulden der Treuhand in den Staatshaushalt übernommen.

Zugleich ist die deutsche Wirtschaft trotz erneuter Corona-Beschränkungen zum Jahresende stärker gewachsen, als zunächst angenommen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte im vierten Quartal gegenüber dem Vorquartal um 0,3 Prozent zu, so das Statistische Bundesamt. In einer ersten Berechnung war die Behörde von einem Wachstum von 0,1 Prozent ausgegangen.

Corona-Krise in der deutschen Wirtschaft: Privater Konsum gegen Ende 2020 gesunken

Probleme mit Brüssel wegen des Defizits drohen Deutschland nicht. Die Staaten der Europäischen Union hatten wegen der Corona-Krise erstmals die Regeln des Stabilitäts- und Wachstumspakts ausgesetzt, wonach das Haushaltsdefizit nicht über drei Prozent und die Gesamtverschuldung nicht über 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts steigen darf.

Warenexporte und die Bauinvestitionen stützten die Entwicklung im vierten Quartal, die privaten Konsumausgaben sanken hingegen um 3,3 Prozent gegenüber dem dritten Quartal 2020. In der ersten Corona-Welle im Frühjahr hatte die deutsche Wirtschaft einen historischen Einbruch verzeichnet, im Sommer folgte ein Comeback. Der zweite Lockdown dämpfte dann die Erholung.

Corona-Krise in Deutschland: Ökonomen warnen vor dritter Welle

Ökonomen und die Bundesregierung rechnen damit, dass die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr wieder an Schwung gewinnt. Im ersten Quartal dürfte die Wirtschaftsleistung wegen des bis 7. März verlängerten Lockdowns allerdings schrumpfen. Für das Gesamtjahr rechnete Berlin zuletzt mit einem Wirtschaftswachstum von 3 Prozent. Im Herbst war die Bundesregierung noch von einem Plus von 4,4 Prozent ausgegangen.

Risiken sehen Ökonomen in einer möglichen dritten Corona-Welle. „Man kann alle möglichen Pläne aufstellen. Aber wenn eine dritte Welle kommt, werden diese hinfällig sein“, sagte jüngst der Vorsitzende der „Wirtschaftsweisen“, Lars Feld. (dpa/frs)

Das könnte Sie auch interessieren

Meist Gelesen

Unternehmen im Südwesten sperren Werksausweise von Ungeimpften
Wirtschaft

Unternehmen im Südwesten sperren Werksausweise von Ungeimpften

3G-Nachweise zu kontrollieren, stellt viele Firmen im Land vor eine Herausforderung. Firmen in Baden-Württemberg greifen deshalb zu harten Mitteln.
Unternehmen im Südwesten sperren Werksausweise von Ungeimpften

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.