Staat und Angestellte geprellt?

Razzia bei C&A: Betrug mit Hilfen in der Coronavirus-Krise?

Klamotten-Gigant C&A steuert offenbar auf einen Skandal zu. Der Textilhändler soll die Coronavirus-Kurzarbeit schamlos ausgenutzt haben.

Düsseldorf/Hannover - Bereits vor zwei Wochen traf die Mail einiger Mitarbeiter den Klamotten-Riesen C&A ins Mark. Mit Beschwerden bei Personal-Chef und Betriebsrat erhoben sie publik gewordene Vorwürfe, der Textilhändler betrüge massiv beim Kurzarbeitergeld

Die Angestellten des belgischen Konzerns, der noch in diesem Jahr 13 deutsche Filialen schließen will, wurden während der Corona-Pandemie offiziell in Kurzarbeit geschickt. Der deutsche Staat übernimmt in diesem Fall mindestens 60 Prozent des anstehenden Gehalts. Damit will die Regierung verhindern, dass die Arbeitnehmer in schweren Zeiten ihren Job verlieren. C&A soll die Stunden seiner Arbeitnehmer aber verbotenerweise dennoch nicht reduziert haben - im Gegenteil.

Coronavirus: C&A schickt Mitarbeiter in Kurzarbeit - die erheben schwere Vorwürfe

Systematisch würden ihnen sogar Überstunden aufgebrummt und diese dann nicht einmal verrechnet, heißt es im Schreiben, das dem Spiegel vorliegt. Natürlich dürfen die Angestellten aber laut Gesetz nicht mehr arbeiten, als angegeben. Jetzt drohen dem Unternehmen empfindliche Strafen

In dieser Filiale von C&A in Hannover soll eine Razzia stattgefunden haben.

Wie das Fachmagazin Business Insider berichtet, fanden vor diesem Hintergrund nun Razzien in den C&A-Büros statt. Die Niederlassungen in Düsseldorf und Hannover sollen von der Bundespolizei durchsucht worden sein. Die Nachrichtenagentur AFP erfuhr aus Behördenkreisen, dass es „Prüfungen bei einer bekannten deutschen Textilfirma“ gegeben habe. Es wird offenbar nach Beweisen für die Vorwürfe gegen C&A gefahndet. Ende Mai hatte sie das Unternehmen noch als „ohne Grundlage“ zurückgewiesen. 

C&A: Betrugs-Razzien in Düsseldorf und Hannover - Mode-Kette bestreitet Anschuldigungen

Offiziell hatte C&A insistiert, eine einzelne Person habe Vorwürfe gegen Führungskräfte einer einzigen Abteilung erhoben. Nach internen Untersuchungen sollen dafür aber keine Indizien aufgetaucht sein. Die Vorgesetzten wurden, heißt es im Schreiben, wiederholt darauf hingewiesen, dass keine Stunden unterschlagen werden dürften.

Kurzarbeit wegen Coronavirus: Behörde reagiert empfindlich auf C&A-Skandal

Die Bundesagentur für Arbeit soll dennoch bereits erste Konsequenzen verhängt haben. Die Zahlungen des Kurzarbeitergelds an C&A wurden eingefroren, heißt es. Außerdem befinde sich momentan ein Team vor Ort und überprüfe in Stichproben, wie lange die Angestellten tatsächlich arbeiten. Kommende Woche wollen die Beamten ihre Ergebnisse veröffentlichen. Befragungen der Mitarbeiter behalten sie sich noch vor.

Indes rutschte der Mutterkonzern von Zara ins Minus. Stehen mehr als tausend Zara-Filialen vor dem Aus?

62 von insgesamt 172 Filialen von Galeria Karstadt Kaufhof werden schließen. Diese Filialen in deutschen Städten sind von der Schließung betroffen.

Bundesinneminister Horst Seehofer hat die rechtsextremistische Vereinigung „Nordadler“ verboten. Seit den Morgenstunden laufen Razzien.

*Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © picture alliance / Martin Schutt / Martin Schutt

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