Dampf über der Anlage

Kohlekraftwerk Datteln: Energiekonzern will starten

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Mitte Juni soll an dem Kraftwerk das erste Kohleschiff anlegen.

Der juristische Kampf um das Kohlekraftwerk Datteln dauerte über zehn Jahre. Jetzt steigt erstmals Dampf über der Anlage auf - wenn auch nur bei Vorbereitungsarbeiten. 

Datteln - Der Energiekonzern Uniper bereitet in Datteln am Rand des Ruhrgebiets den Start des wohl letzten Kohlekraftwerksneubaus in Deutschland vor.

Sind Ölgeruch und Rauch gefährlich?

Seit einigen Tagen wird der Kessel des 1100-Megawatt-Großkraftwerks mit Ölbrennern von außen erhitzt, um den Stahl zu "entspannen", wie eine Sprecherin erklärte. Außerdem werde Druckluft durch Rohre am Kessel geblasen. 

Ölgeruch und leichte Rauchentwicklung an der Anlage seien dabei nicht zu vermeiden, brächten aber nach Erfahrungen an anderen Anlagen keinerlei Gesundheitsgefahr, betonte die Sprecherin. Über die Pfingsttage würden die Arbeiten abgeschlossen.

Im Juni soll das erste Kohleschiff anglegen

Mitte Juni soll an dem Kraftwerk das erste Kohleschiff anlegen. Dann wollen die Betreiber auch das Entladesystem am Dortmund-Ems-Kanal, die Förderbänder und die Kohlebunker testen. Für den Herbst hofft Uniper auf den Beginn des Probebetriebs. Die Klagen rund um das Kraftwerk laufen derweil weiter: Die Umweltschutzorganisation BUND, die Nachbarstadt Waltrop und Privatpersonen kämpfen beim Oberverwaltungsgericht Münster in insgesamt sechs Verfahren gegen das Baurecht und die Betriebsgenehmigung für die Anlage.

Bei den Baurechtsklagen plane der zuständige Senat noch in diesem Jahr eine Entscheidung, sagte eine Gerichtssprecherin. Keine der Klagen habe aufschiebende Wirkung. Sie stehen einer Inbetriebnahme also kurzfristig nicht im Weg. Dennoch müsse Uniper natürlich reagieren und möglicherweise nachträglich Änderungen vornehmen oder die Anlage sogar zurückbauen, falls die Klagen für das Unternehmen verloren gingen, sagte die OVG-Sprecherin. "Alles, was Uniper macht, läuft auf Widerruf", betonte BUND-Sprecher Dirk Jansen.

Uniper setzt auf die Gültigkeit der aktuellen Genehmigung, eine Inbetriebnahme des Kraftwerks noch 2018 und einen "positiven Ergebnisbeitrag", wie ein Sprecher sagte. Neue Kohlekraftwerke plant der Konzern - wie praktisch die gesamte Branche - angesichts der abgestürzten Börsenstrompreise und der verstärkten Klimaschutzdebatte aber nicht mehr. Zu den laufenden Prozessen rund um Datteln wollte sich der Sprecher nicht äußern.

Uniper hatte Mitte Januar dieses Jahres nach jahrelangen rechtlichen Auseinandersetzungen die immissionsschutzrechtliche Genehmigung für das Kraftwerk bekommen. Der Konzern darf die mehr als eine Milliarde Euro teure Anlage damit vollenden und in Betrieb nehmen. Datteln 4 soll neben Strom für den allgemeinen Markt auch Fernwärme und rund ein Viertel des deutschen Bahnstroms produzieren.

Kraftwerksgegner verweisen auf den Schadstoffausstoß von - nach ihrer Rechnung - 8,5 Millionen Tonnen CO2 im Jahr, zu geringe Abstände zur Stadt und einem Naturschutzgebiet und die Verschattung durch den Dampf aus dem knapp 180 Meter hohen Kühlturm.

dpa

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