Löcher stopfen

Deutsche Flugsicherung ringt um zusätzliche Lotsen

Die Deutsche Flugsicherung sucht momentan auf vielen Wegen nach zusätzlichen Fluglotsen. Foto: Uli Deck
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Die Deutsche Flugsicherung sucht momentan auf vielen Wegen nach zusätzlichen Fluglotsen. Foto: Uli Deck

Die zahlreichen Verspätungen im europäischen Luftverkehr aus dem Sommer 2018 waren auch auf zu wenige Fluglotsen zurückzuführen. Die Deutsche Flugsicherung versucht, die Löcher zu stopfen. Aber das allein reicht nicht.

Langen/Frankfurt (dpa) - Die Deutsche Flugsicherung (DFS) sucht auf vielen Wegen nach zusätzlichen Fluglotsen, um erneute Engpässe am deutschen Himmel im kommenden Sommer zu verhindern.

Man werde die eigenen Ausbildungskapazitäten erhöhen und habe bei benachbarten Flugsicherungen angefragt, ob dort Ausbildungsplätze angeboten werden könnten, sagte der Vorsitzende der DFS-Geschäftsführung, Klaus-Dieter Scheurle, der Deutschen Presse-Agentur in Langen bei Frankfurt. Zusätzlich habe man rund 30 fertig ausgebildete Lotsen aus anderen Ländern angeworben, die gerade noch ihre Lizenzen für die jeweiligen Lufträume in Deutschland erwerben müssten.

Die DFS mit ihren rund 2000 Lotsen war nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr für 22 Prozent der flugsicherungsbedingten Verspätungen in Europa verantwortlich. Der deutsche Luftraum mache zwar nur rund 3,5 Prozent des Luftraums aus, müsse aber 30 Prozent des Verkehrsaufkommens bewältigen, erläuterte Scheurle.

Besonders eng geht es in dem von Karlsruhe aus gesteuerten oberen Luftraum zu. Dort sind die Hauptverkehrsstrecken in Stoßzeiten so voll, dass die Flieger von deutschen Flughäfen zum Teil nicht mehr in die großen Höhen gelassen werden können. "Bestimmte Sektoren sind immer häufiger einfach dicht", beschreibt Scheurle die Lage. Ein wesentlicher Grund seien auch kurzfristige Abweichungen von den ursprünglichen Flugplänen. Ein Drittel der Überflüge komme letztlich unerwartet, weil die Piloten von ihren zunächst angemeldeten Plänen abweichen. Dieser Anteil müsse verringert werden, um eine bessere Personalplanung zu ermöglichen, sagte der DFS-Chef.

Im vergangenen Jahr hatte es im deutschen Luftraum mit 3,4 Millionen Flugbewegungen einen in diesem Ausmaß nicht erwarteten Rekordwert mit einer Steigerung von 4,4 Prozent gegeben. "Ich rechne im laufenden Jahr mit einer erneuten Steigerung um bis zu vier Prozent. Im Jahr 2025 sind wir dann bei über 3,9 Millionen Flugbewegungen und bekommen echte Probleme", sagte der Chef der bundeseigenen GmbH. "Da kommt jedes Jahr ein Aufkommen wie am Stuttgarter Flughafen von mehr als 130 000 Flugbewegungen dazu."

Laut Scheurle konnte mit der Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) eine Einigung über zusätzliche Überstunden bis jetzt noch nicht erzielt werden. Nach Scheurles Einschätzung werden im Sommer rund 90 Lotsen in den deutschen Centern für die erwarteten Verkehrsmengen fehlen. Unter anderem habe man auch bei der Personalplanung gesellschaftliche Entwicklungen etwa zu mehr Teilzeit und Elternzeit unterschätzt. Die eigene Akademie werde im kommenden Jahr 146 statt der bislang 120 Berufsanfänger aufnehmen können.

Scheurle hatte sich am Montag gegen den vom Bundesrechnungshof erhobenen Vorwurf der Misswirtschaft gewandt. Finanzlücken seien auf Regulierungsvorgaben der Europäischen Union zurückzuführen, die sinkende Gebühren bei steigenden Verkehrszahlen verlange. Das private Drittgeschäft etwa an britischen Flughäfen bringe positive Ergebnisbeiträge, hatte er betont.

Die bereits 2018 von der Eurocontrol-Netzkoordination angeordnete Verlagerung von Flügen in tiefere Lufträume werde in diesem Jahr ausgeweitet, kündigte der DFS-Chef an. Die Maßnahme ist bei den Fluggesellschaften wegen des erhöhten Kerosinbedarfs unbeliebt. Zudem kommt auf die Lotsen in den unteren Lufträumen zusätzliche Arbeit zu, wenn nun täglich bis zu 600 Flüge statt der bislang 500 abgesenkt werden sollen.

"Die sichere Verkehrssituation hängt aber nicht allein von der Zahl der Lotsen ab", erklärte der Flugsicherungschef vor Beginn des heute in Madrid beginnenden Internationalen Flugsicherungskongresses. "Wir brauchen auch strukturelle Veränderungen, bei denen die Regierungen tätig werden müssen." Im Sinne eines einheitlichen europäischen Luftraums müssten die technische Zusammenarbeit intensiviert und nationale Sektoren zusammengeschlossen werden. Leider werde das eigene Gebiet stärker denn je verteidigt, klagt Scheurle.

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