Elektromarke kommt voran

Daimler-Aktionäre treiben Diesel-Sorgen um

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Auch in diesem Jahr treffen sich die Aktionäre in der deutschen Haupstadt zur Hauptversammlung. Foto: Wolfgang Kumm/Archiv

Bislang konnte Daimler Schlagzeilen um manipulierte Dieselfahrzeuge weitgehend umfahren. Doch nun geht nach dem US-Justizministerium auch die Stuttgarter Staatsanwaltschaft einem Verdacht nach. Die Folgen für den Autobauer sind schwer absehbar.

Berlin (dpa) - Die Frage nach möglichen Manipulationen bei Daimlers Dieselfahrzeugen beschäftigt die Aktionäre des Autobauers.

"Können Sie Entwarnung geben, dass wir nicht ein Volkswagen 2.0 werden?", sagte Marc Tüngler von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) in Anspielung auf den Abgasskandal bei der Wolfsburger Konkurrenz. Aufsichtsratschef Manfred Bischoff versuchte am Mittwoch bei der Hauptversammlung in Berlin zu beschwichtigen: Der Aufsichtsrat habe sich regelmäßig mit Reputationsrisiken befasst, das beinhalte auch die Motorentechnologie - "im Schwerpunkt die Dieseltechnologie".

Bislang schlagen sich die jüngsten Negativschlagzeilen über Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Stuttgart wegen des Verdachts auf Abgasmanipulationen bei Dieselautos nicht in Verkaufszahlen nieder. Das Unternehmen erwartet für die Monate Januar bis März den höchsten jemals in einem Quartal erreichten Absatz.

Daimlers Entwicklungsvorstand Ola Källenius hatte am Vortag vor Journalisten betont, man sehe in den Verkaufszahlen bislang keine Veränderung bei der Dieselquote. Dennoch macht Daimler bei der Entwicklung seiner Elektromarke EQ Tempo: 2019 sollen die ersten Fahrzeuge kommen. Drei Jahre früher als ursprünglich - bis 2022 - plant der Hersteller nun zehn neue Elektromodelle. Denn bis 2025 soll der Anteil von Elektroautos bei 15 bis 25 Prozent liegen.

Dabei haben die Autobauer die Verkaufsstütze durch Elektroautos nach Einschätzung von Experten bitter nötig. Ferdinand Dudenhöffer vom Duisburger CAR Institute erwartet, dass sich vor allem Firmenkunden vom Diesel abkehren, wenn Negativmeldungen anhalten. "Denn keine Firma will wegen seiner umweltbelastenden Fahrzeugflotte am Pranger stehen", sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Auch Daimler kann sich diesen Schlagzeilen nicht mehr entziehen. Nach einer von der US-Justiz angestoßenen Untersuchung wurden vergangene Woche Ermittlungen der Stuttgarter Staatsanwaltschaft gegen Daimler-Mitarbeiter im Zusammenhang mit Abgasmanipulationen bei Dieselfahrzeugen bekannt. Daimler betont, sich an geltendes Recht zu halten.

Einige Aktionäre ziehen das offenbar in Zweifel: Der Stuttgarter Friedens- und Öko-Aktivist Paul Russmann rief für die Kritischen Aktionäre in einem Gegenantrag dazu auf, Vorstand und Aufsichtsrat wegen angeblich zu hoher Abgaswerte selbst bei den neuesten Dieseln nicht zu entlasten.

Üblicherweise haben die kleinen Aktionärsvereinigungen aber zu wenig Gewicht, um die Entlastung wirklich infrage zu stellen. Schwergewichtigere institutionelle Investoren wie Union Investment dagegen wollen den Vorstand entlasten - fordern aber: "Mit der Entlastung verbinden wir jedoch die dringende Forderung, Licht ins Dunkel des Lkw-Kartells zu bringen sowie offen und transparent bei "Emissionsthemen" zu berichten", sagte Fondsmanager Ingo Speich.

Auch der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) stieß unterdessen das Lkw-Kartell auf, das die EU aufgedeckt hatte und an dem Daimler beteiligt war. Die DSW kritisiert, dass der Aufsichtsrat keine Schadenersatzforderungen an Manager und Vorstände geltend gemacht hatte. Daimler-Chef Dieter Zetsche selbst verantwortete von 1999 bis 2000 im Vorstand das Lkw-Geschäft.

Der Aufsichtsrat habe schon 2011 eine unabhängige Anwaltskanzlei mit der Prüfung beauftragt, ob Vorstände verantwortlich gemacht werden könnten, sagte Aufsichtsratschef Manfred Bischoff, und "gegenwärtig von der Geltendmachung von Schadenersatz" abgesehen. "Eine abschließende Entscheidung ist damit nicht getroffen."

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