Überraschender Kurswechsel

dm: Plötzlich auffallend viele Produkte verteuert - das steckt dahinter 

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Die Drogeriekette dm hat kürzlich die Preise zahlreicher Produkte angehoben. 

Der Drogeriemarktführer dm hat kürzlich auffallend viele Artikel  verteuert - ein Kurswechsel, der nicht nur Marktforscher überrascht. Was steckt dahinter?

München - Die bekannte Drogeriekette dm setzt seit kurzem offenbar auf eine völlig neue Preisstrategie: Die Preise zahlreicher Produkte wurden in einem Zeitraum von nur drei Wochen enorm angehoben. Mit dieser Entscheidung überraschte der Marktführer in seinem Segment nicht nur zahlreiche Marktforscher und Experten, auch den Otto Normalverbraucher dürfte die neue Diplomatie erstaunen -  schließlich galt die Kette bislang als ewiger Verfechter des Dauerniedrigpreises. 

Doch laut einem Medienbericht der Lebensmittelzeitung hat der Konzern  bereits die Preise von mehr als 1000 Artikeln im Online-Shop angepasst. Auch in einigen Filialen sollen Artikel teurer geworden sein. Die Preiserhöhungen bewegen sich laut LZ zwischen 10 und 40 Cent. Die Flüssigseife der Eigenmarke Balea wurde im Online-Shop beispielsweise um 10 Cent auf 65 Cent angehoben, während der Preis für das Waschmittel Ariel von 30 Cent sogar auf 4,85 Euro angestiegen ist. 

Erhebt die Drogeriekette womöglich keinen Anspruch mehr auf die Preisführerschaft? 

Noch vor vier Jahren setzte der Einzelhändler noch auf eine völlige andere Strategie und senkte die Preise von mehr als 800 Artikeln - Geschäftsführer Sebastian Bayer gab damals laut Informationen des Online-Portals Chip zu verstehen, dass man an der Niedrigpreisstrategie festhalten wolle. Der aktuell radikale preispolitische Kurswechsel erstaunte Marktforscher nun umso mehr - einige spekulierten sogar, dass dm womöglich gar kein Interesse mehr daran hat, die Preisführerschaft im Drogeriesegment für sich zu beanspruchen. „Mit der neuen Preispolitik rückt dm von seinem Anspruch auf Preisführerschaft ab“, mutmaßte ein Handelsmanager im Gespräch mit der Lebensmittelzeitung. 
Solche und ähnliche Spekulationen wies das Unternehmen der LZ zufolge jedoch vehement zurück. Vielmehr seien die Preisanpassungen von wirtschaftlichen Faktoren und dem Marktumfeld abhängig gemacht worden. Womöglich ziehen also auch Rossmann und Co. bald nach. 

Aldi und Co. machen Drogerieketten das Leben schwer

Obwohl mittlerweile auch Discounter wie Aldi und Lidl Drogerieketten unter Druck setzen, in dem sie Drogerieprodukte zu enorm billigen Preisen anbieten, sind die meisten Drogeriemärkte noch immer erfolgreich. Dem Handelsexperten Robert Kecskes zufolge hängt dies vordergründig damit zusammen, dass Kunden sich in Drogeriemärkten noch immer wohler fühlen und mehr Freude am Einkaufen haben als in Billig-Discountern. 

Der Preis ist für viele Kunden demnach nicht immer das ausschlaggebende Entscheidungskriterium. Das beweist auch eine Beschwerde von dm-Kunden, sie sich nicht gegen Produkt oder Preis richtet, sondern die Verpackung in Plastik kritisiert. Trotzdem wird sich noch zeigen, ob die enorme Verteuerung von Seiten des Marktführers nicht doch zu gewagt ist. Um überflüssige Verpackung ging es auch im Facebook-Posting einer dm-Kundin - doch die Reaktionen waren ganz anders, als sie erwartet hatte.Eine andere Kundin fand Plastik in Babynahrung von dm. Die Reaktion des Unternehmens machte sie „fassungslos“.

sl

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