EU-Kommission eingeschaltet

Dobrindt verlangt Rückruf von Fiat-Modellen

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Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt vergangene Woche bei der Klausurtagung der CSU-Landesgruppe im Bundestag. Foto: Tobias Hase

Deutschland geht davon aus, dass bei Fiat-Modellen eine unzulässige Abschaltung der Abgasreinigung eingesetzt wurde. Verkehrsminister Dobrindt prescht nun mit einer Rückruf-Forderung vor - und verärgert die italienischen Partner.

Rom (dpa) - Die Forderung von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) nach einem Rückruf bestimmter Modelle des Automobilherstellers Fiat Chrysler (FCA) hat in Italien für Kritik gesorgt.

"Die Forderung von Berlin ist gänzlich unzulässig", sagte der italienische Verkehrsminister Graziano Delrio am Sonntagabend laut Nachrichtenagentur Ansa. Deutschland geht davon aus, dass bei Fiat-Modellen eine unzulässige Abschaltung der Abgasreinigung eingesetzt wurde.

Italien habe akzeptiert, dass der Fall in Brüssel geprüft werde, "weil wir nichts zu verbergen haben", sagte Delrio dem Bericht zufolge weiter. Die eigenen Tests hätten weder illegale Vorrichtungen noch sonstiges Fehlverhalten ergeben. Mit Blick auf den VW-Abgasskandal sagte der Minister: "Wir haben keine weiteren Ermittlungen zu Volkswagen verlangt."

Der italienische Minister für wirtschaftliche Entwicklung, Carlo Calenda, sagte Ansa zufolge, Berlin solle sich lieber um Volkswagen kümmern.

Dobrindt hatte der "Bild am Sonntag" gesagt, dass die italienischen Behörden seit mehreren Monaten wüssten, dass Fiat nach Auffassung der deutschen Fachleute illegale Abschalteinrichtungen verwendet. "Fiat hat sich bisher verweigert, an der Aufklärung mitzuwirken", sagte Dobrindt. Er habe deshalb die EU-Kommission eingeschaltet: "Die muss konsequenterweise dafür sorgen, dass für die Fiat-Fahrzeuge ein Rückruf organisiert wird."

Zuletzt hatte Fiat Chrysler-Chef Sergio Marchionne nach Vorwürfen der Abgas-Manipulation jeden Vergleich mit VW scharf zurückgewiesen und erklärt, man habe "keinerlei Betrug begangen". Dennoch erhöhte die EU den Druck auf das Unternehmen und die italienischen Behörden.

In den USA steht der Branchenriese im Verdacht, bei rund 100 000 Dieselwagen die Emissionswerte von Stickoxiden gefälscht zu haben. Dies hatte das Umweltamt EPA am Donnerstag mitgeteilt. Es geht um Software zur Abgaskontrolle, die Fiat Chrysler nicht offengelegt haben soll.

Die EU-Kommission nannte die Anschuldigungen "besorgniserregend". Man werde mögliche Auswirkungen für in Europa verkaufte Autos prüfen. In Brüssel war von Schätzungen die Rede, wonach in der EU ungefähr 33 000 betroffene Jeep und Dodge im Umlauf sein dürften.

Volkswagen hatte im Herbst 2015 eingeräumt, bei Diesel-Abgastests getäuscht zu haben. Betroffen waren Millionen Autos. Dies hatte VW in eine schwere Krise gestürzt. Ob es sich bei den bei Fiat Chrysler beanstandeten Programmen wie bei Volkswagen um illegale Abschalteinrichtungen ("defeat devices") handelt, muss laut EPA erst noch ermittelt werden.

EPA-Mitteilung, Englisch

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