"Anfragen von Kundinnen"

Drogeriekette dm verkauft jetzt Pfefferspray - Kritik

München - Die Nachfrage bestimmt das Angebot: Bei dm gibt es seit Kurzem neben Zahnpasta und Waschmittel auch Pfefferspray zu kaufen. Viele sehen das kritisch.

Die Drogeriekette dm hat die Aufnahme von Pfefferspray in ihr Sortiment mit Kundenwünschen begründet. Es habe "vermehrt Anfragen von Kundinnen" gegeben, sagte dm-Geschäftsführer Sebastian Bayer dem "Tagesspiegel" (Montagsausgabe). "Wir haben das geprüft und uns entschieden, das Tierabwehrspray in unser Angebot aufzunehmen." Es wird seit Mai online und seit Ende Juni in den Filialen verkauft.

Konkurrent Rossmann will solche Produkte nicht anbieten. "Bei uns gibt es keine Schlagstöcke, keine Pistolen und auch kein Pfefferspray, solche Produkte überlassen wir lieber dem Fachhandel", sagte ein Unternehmenssprecher dem "Tagesspiegel". Er verwies zugleich darauf, dass es sich bei dem offiziell zur Abwehr von aggressiven Tieren gedachten Spray "im Grunde um ein Menschenabwehrspray" handele.

Der Geschäftsführer des Verbands Deutscher Büchsenmacher und Waffenfachhändler, Ingo Meinhard, kritisierte die Entscheidung von dm. Um Abwehrmittel wie Pfefferspray richtig einsetzen zu können, sei eine gute Beratung notwendig, "sonst nebelt man sich am Ende noch selber ein".

Meinhards Angaben zufolge gibt es bereits seit Herbst vergangenen Jahres eine verstärkte Nachfrage nach Pfefferspray bei den Fachhändlern. Nach den Silvester-Übergriffen in zahlreichen Städten und den jüngsten Gewalttaten in Bayern habe sich dieser Trend noch verstärkt.

Immer mehr Deutsche mit kleinem Waffenschein

Im ersten Halbjahr 2016 stieg die Zahl der Deutschen, die sich einen kleinen Waffenschein besorgten, um 49 Prozent auf rund 402 000. Das berichtete die „Welt am Sonntag“ im Juli unter Berufung auf das Bundesinnenministerium. Im ersten Halbjahr 2015 waren lediglich 269 899 kleine Waffenscheine registriert gewesen.

Mehr erlaubnispflichtige scharfe Waffen hat sich die Bevölkerung demnach jedoch nicht zugelegt. Die Zahl der Waffenbesitzkarten sei laut Ministerium leicht auf 1,894 Millionen im ersten Halbjahr gesunken. Ein Jahr zuvor seien es 1,898 Millionen gewesen. 

Die Vorsitzende der rechtspopulistischen AfD, Frauke Petry, war für ihre Aussage, sie habe Verständnis dafür, dass sich immer Menschen in Deutschland eine Waffe zulegen, kritisiert worden.

afp/dpa

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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