Gespräche auf EU-Ebene geplant

Eierskandal nimmt politische Dimension an: 17 Länder betroffen

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Rohe Eier werden in einem österreichischen Labor auf Fibronil-Verunreinigung untersucht.

Der Skandal um Fipronil nimmt kein Ende. Immer mehr Länder melden belastete Eier. Nun plant sogar die EU Gespräche darüber, welche Lehren gezogen werden müssen.

Brüssel - Kein Tag vergeht ohne neue Schlagzeilen zum Fipronil-Skandal. Die EU will schon bald über Reaktionen auf den Skandal beraten. Gegen zwei mutmaßliche Schlüsselfiguren wird ermittelt. Ein Überblick:

Die Ermittlungen

Die beiden Chefs des niederländischen Unternehmens Chickfriend bleiben vorerst in Untersuchungshaft. Sie sollen weiter vernommen werden, teilte die Staatsanwaltschaft am Freitag mit. Am Montag müsse dann über eine mögliche Verlängerung der Untersuchungshaft entschieden werden. Die Männer waren am Donnerstag wegen des Verdachts der Gefährdung der öffentlichen Gesundheit und des Besitzes verbotener Stoffe festgenommen worden. Was die beiden zu den Vorwürfen sagen, ist noch nicht bekannt.

Chickfriend ist ein Dienstleistungsunternehmen, das unter anderem Ställe reinigt. Der Vorwurf: Die Firma soll wissentlich eine an sich zugelassene Desinfektionslösung verwendet haben, der aber Fipronil zugesetzt worden war. Bei dem Stoff handelt es sich um ein Insektizid, das in der Geflügelhaltung nicht verwendet werden darf. Es gilt in höheren Dosen als gefährlich. Die Konzentrationen, die in den belasteten Eiern gefunden wurden, sind im Vergleich dazu extrem gering.

Die Ausweitung des Skandals

Nach Angaben der EU-Kommission hat der Skandal mittlerweile 15 EU-Staaten erreicht. Darunter sind Großbritannien, Italien, Deutschland, Österreich, Frankreich, Belgien und die Niederlande. Auch in der Schweiz und in Hongkong sind Eier oder Eierprodukte aufgetaucht, die mit dem Insektizid Fipronil verunreinigt sind.

Nach Deutschland wurden laut Bundeslandwirtschaftsministerium „rund 10,7 Millionen möglicherweise mit Fipronil belastete Eier aus den Niederlanden (...) geliefert“, wie die „Rheinische Post“ (Freitag) berichtete. Die Zeitung beruft sich auf eine Antwort des Ministeriums auf eine kleine Anfrage der Grünen-Fraktion.

Bislang wurden in Belgien, Frankreich, den Niederlanden und in Deutschland nach EU-Angaben Höfe von Geflügelzüchtern gesperrt, weil dort mutmaßlich Fipronil verwendet wurde. In Niedersachsen wurden laut dem dortigen Umweltministerium bei vier eierproduzierenden Betrieben das mit Fipronil versetzte Desinfektionsmittel eingesetzt. Am Freitag wurde bekannt, dass Eier aus einem Betrieb in Mecklenburg-Vorpommern positiv auf Fipronil getestet wurden. Die Eier waren laut dortigem Agrarministerium aber nicht für den Verzehr bestimmt, sondern stammten aus einem Zuchtbetrieb für Elterntiere.

Die politische Dimension

Auf Vorschlag Deutschlands hin soll es Anfang September erste politische Gespräche über eine mögliche EU-Reaktion auf den Fipronil-Skandal geben. Darauf einigten sich am Freitag Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) und EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis, wie ein deutscher Sprecher mitteilte. Die Gespräche sollen am 4. oder 5. September am Rande eines Agrarministertreffens in Estland stattfinden. Teilnehmen sollen die Minister der betroffenen Staaten.

Die EU-Kommission hatte kurz zuvor mitgeteilt, dass ein offizielles Sondertreffen erst am 26. September stattfinden soll. Um alle relevanten Informationen bewerten zu können, habe die Kommission bewusst einen Termin mit zeitlichem Abstand gewählt, hieß es zur Erklärung. Ziel des Treffens sei es, aus dem aktuellen Fall zu lernen und die Koordinierung und das Frühwarnsystem zu verbessern.

dpa

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