Tarifstreit schwelt

„Eine Provokation“: Zoff in der Fast-Food-Branche

München - Das Essen ist üppig, aber der Stundenlohn nicht gerade - in der Systemgastronomie rund um die großen Fast-Food-Ketten wird wieder um die Bezahlung gerungen. Ein Ende der Auseinandersetzung ist vorerst nicht in Sicht.

Es ist eng und stickig, der Fettgeruch dringt in alle Poren, Apparate piepen und alles muss schnell gehen - es gibt angenehmere Arbeitsplätze als die Küche eines Schnellrestaurants. Zehntausende Menschen in Deutschland sorgen täglich dafür, dass hungrige Kunden möglichst rasch Burger, Fischfilets oder Pizza bekommen. Dafür erhalten sie häufig nur wenig mehr Geld als den Mindestlohn, beklagt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Im Tarifkonflikt der Branche macht sie sich für deutlich höhere Einkommen stark und hatte zu Warnstreiks aufgerufen - zum zweiten Mal überhaupt in der Geschichte der Branche.

Jobs aus der Gastronomie wie Küchenhilfe und Spüler rangieren auf Listen schlecht bezahlter Berufe regelmäßig recht weit oben. Bei großen Systemgastronomen wie McDonald's sind sogenannte Rotationsjobs üblich: Mal brutzeln die Beschäftigten Burger, mal nehmen sie Bestellungen entgegen, dann wieder kassieren sie oder räumen die Tische ab.

„Das ist kein Angebot, das ist eine Provokation“

Bisher bekamen die untersten Tarifgruppen dafür 8,60 Euro pro Stunde - macht bei einem Vollzeitjob mit monatlich 169 Stunden gut 1450 Euro brutto. Seit Januar gilt nun ein Mindestlohn von 8,84 Euro - und die Arbeitgeber wollen bisher nur drei Cent mehr pro Stunde als Einstiegslohn zahlen, kritisiert die Gewerkschaft. „Das ist kein Angebot, das ist eine Provokation“, sagt NGG-Verhandlungsführer Guido Zeitler.

Druck aufzubauen ist für die NGG in der Branche allerdings nicht einfach. Weil sie vom Franchise-Modell geprägt ist, schwankt der Organisationsgrad der Arbeitnehmer auch zwischen den Filialen ein und derselben Kette. Hinzu kommt: Der Markt für schnelles Essen in Deutschland ist hart umkämpft. Neben Platzhirsch McDonald's und Burger King als Nummer zwei der Branche wetteifern andere Gastro-Ketten, Bäckereien und Tankstellen um die Gunst der Kunden - und die essen gern möglichst billig. Zusätzlich angeheizt wird der Wettbewerb von Bestell-Plattformen und Bringdiensten, die Essen bei Restaurants abholen und den Kunden direkt ins Büro oder nach Hause liefern. Auch die Fast-Food-Riesen sind mittlerweile auf den Zug aufgesprungen und bieten Burger und Fritten für daheim an.

Aus Sicht des Arbeitgeberverbandes gibt es deshalb wenig Spielraum für Einkommenserhöhungen: „Unsere Gäste haben eine hohe Preissensibilität. Unsere Unternehmen haben eine hohe Personalintensivität und einen hohen Wareneinsatz. Dies führt zu einem geringen Spielraum bei den Gewinnmargen“, sagt Andrea Belegante vom Bundesverband der Systemgastronomie. Schließlich bringe die Branche auch solchen Menschen in Arbeit, „die nicht die klassischen und in Deutschland so maßgeblichen Zertifikate in der Tasche haben“, gibt sie zu bedenken. Hier sei „ein niederschwelliger Einstieg bei den Arbeitskosten ein relevanter Faktor, damit Chancen für Menschen ohne Vorqualifikationen weiterhin angeboten werden können“.

Was Lohnkonflikte und Arbeitsbedingungen angeht, ist die Lage jenseits des Atlantiks aus Gewerkschaftssicht nicht rosiger als hierzulande. Seit Jahren schon fordern Angestellte der Fast-Food-Industrie in den USA mit Protestaktionen und Streiks mehr Geld und bessere Arbeitsverträge. Zeitweise hatte es sogar etwas Hoffnung auf Erfolg gegeben, nachdem der Branchenführer McDonald's unter dem steigenden öffentlichen Druck Gehaltserhöhungen beschloss. Die bei Franchise-Unternehmern angestellten Mitarbeiter betraf das indes nicht. Und spätestens seit der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten bereiten sich Gewerkschafter auf das Schlimmste vor.

Mit Andrew Puzder, dem Chef der Burgerkette Carl's Jr., hatte Trump zunächst einen Arbeitsminister aufgestellt, der nicht nur wegen sexistischer Werbung, sondern auch wegen seiner Verachtung von Mindestlöhnen und Arbeitnehmervertretern kritisiert wurde. Nach starkem Widerstand gab Puzder am Mittwoch auf und Trump nominierte mit Alexander Acosta einen deutlich gemäßigteren Kandidaten. Die Servicegewerkschaft SEIU, die die Arbeiter der Fast-Food-Industrie vertritt, reagierte zwar erleichtert über Puzders Rückzug. Doch auch Trumps neue Wahl wird von SEIU-Chefin Mary Kay Henry kritisch beäugt.

In Deutschland waren problematische Arbeitsbedingungen zuletzt bei der Fast-Food-Kette Burger King ins Gerede gekommen. Das Unternehmen hatte seinem damals größten Franchiser Yi-Ko daraufhin gekündigt und sein Deutschland-Geschäft neu geordnet. Generell gelte: Wo sich Betriebsräte etabliert haben, seien die Arbeitsbedingungen besser - und umgekehrt, sagt NGG-Verhandlungsführer Zeitler. An ein rasches Ende des Tarifstreits glaubt er noch nicht. Im Moment sei nicht einmal ein nächster Verhandlungstermin vereinbart.

dpa

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