Studie

Erstmals seit 10 Jahren droht reales Minus bei Tariflöhnen

Tariflöhne
+
Flüssiges Eisen mit einer Temperatur von 1.400 Grad gießen Arbeiter in der Eisengießerei in vorbereitete Formen.

Die Corona-Pandemie hat die Inflationsrate in die Höhe getrieben. Von den bereits abgeschlossenen Tarifverträgen wird das nicht aufgefangen. Experten hoffen bei den Verhandlungen noch auf Luft nach oben.

Düsseldorf - Erstmals seit einem Jahrzehnt wird der Anstieg der Tariflöhne 2021 voraussichtlich nicht ausreichen, um die allgemeine Preissteigerung auszugleichen.

Ursache dafür sind vor allem die Auswirkungen der Corona-Krise, wie das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung am Donnerstag in einer Zwischenbilanz der Tarifrunde berichtete.

Nach den im ersten Halbjahr und in den Vorjahren für 2021 abgeschlossenen Tarifverträgen werden die Tariflöhne in diesem Jahr laut WSI um 1,6 Prozent steigen. Angesichts der zuletzt deutlich gestiegenen Inflationsrate werde die reale Tariflohnentwicklung mit einem Minus von 0,2 Prozent leicht negativ ausfallen. In den letzten 20 Jahren habe es das nur drei Mal gegeben: 2006, 2007 und 2011.

In den Jahren 2018 und 2019 waren die Tariflöhne mit Zuwächsen von 3,0 und 2,9 Prozent noch relativ kräftig gestiegen. Doch seit dem Frühjahr 2020 stünden die Tarifauseinandersetzungen „ganz im Zeichen der Corona-Krise“, sagte der Leiter des WSI-Tarifarchivs Thorsten Schulten. Schon im Jahr 2020 stiegen die Tariflöhne nur um 2,0 Prozent und der Abwärtstrend habe sich 2021 weiter fortgesetzt, so dass in diesem Jahr nur noch ein Plus von 1,6 Prozent in Sicht sei.

Dabei wurde der Abwärtstrend noch durch die bereits in den vergangenen Jahren für 2021 abgeschlossenen Tarifverträge abgemildert. Bei den im 1. Halbjahr 2021 neu abgeschlossenen Tarifverträgen lagen die Lohnsteigerungen sogar nur bei durchschnittlich 1,1 Prozent.

Tarifexperte Schulten hofft allerdings, dass bei den noch laufenden beziehungsweise noch bevorstehenden Tarifverhandlungen etwa im Einzelhandel oder im Öffentlichen Dienst der Länder noch Luft nach oben ist, was die Abschlüsse angeht. Schließlich seien dies Branchen, in denen die Corona-Pandemie den Beschäftigen ganz besondere Leistungen abverlangt habe. „Es ist deshalb gut möglich, dass am Ende des Jahres die heute vorgelegte Zwischenbilanz für 2021 noch etwas nach oben korrigiert werden kann“, meinte er. dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Meist Gelesen

Elon Musk trennt sich von Freundin: Der Tesla-Chef liefert eine verwirrende Erklärung
Wirtschaft

Elon Musk trennt sich von Freundin: Der Tesla-Chef liefert eine verwirrende Erklärung

Der Tesla-Chef Elon Musk und die kanadische Sängerin Grimes gehen künftig getrennte Wege. Doch während Musk die Trennungsbestätigung tippt, sitzt seine Ex-Freundin …
Elon Musk trennt sich von Freundin: Der Tesla-Chef liefert eine verwirrende Erklärung
Versorgungskrise in Großbritannien: Johnson vor Kehrtwende
Wirtschaft

Versorgungskrise in Großbritannien: Johnson vor Kehrtwende

Seit dem Brexit gelten scharfe Einwanderungsregeln für EU-Bürger, die in Großbritannien arbeiten wollen. Schließlich lautete das Versprechen: britische Jobs für Briten. …
Versorgungskrise in Großbritannien: Johnson vor Kehrtwende
Mammut-Prozess um erfundene Kryptowährung beginnt
Wirtschaft

Mammut-Prozess um erfundene Kryptowährung beginnt

Nach sechs Jahren Ermittlungen beginnt vor dem Landgericht Münster ein spektakulärer Prozess. Es geht um eine erfundene digitale Währung namens OneCoin. Und um die …
Mammut-Prozess um erfundene Kryptowährung beginnt
Wirtschaftsweiser Achim Truger für deutlich höheren Mindestlohn: „Sozialpolitisch gut zu begründen“
Wirtschaft

Wirtschaftsweiser Achim Truger für deutlich höheren Mindestlohn: „Sozialpolitisch gut zu begründen“

SPD, Grüne und die Linke haben sich im Wahlkampf für eine weitere Anhebung des Mindestlohns eingesetzt. Auch der Wirtschaftsweise Achim Truger spricht sich für eine …
Wirtschaftsweiser Achim Truger für deutlich höheren Mindestlohn: „Sozialpolitisch gut zu begründen“

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.