Straffere Geldpolitik in Sicht

EZB zuversichtlich - Billiggeld bald auf dem Rückzug?

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Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB). Foto: Arne Dedert

Viele Experten rätseln, warum die Inflation in etlichen Ländern Europas niedrig bleibt. Die Europäische Zentralbank erwartet, dass das viele Notenbankgeld in einiger Zeit aber vielleicht nicht mehr nötig ist. EZB-Chef Draghi äußert sich ungewohnt offen.

Sintra/Frankfurt (dpa) - EZB-Chef Mario Draghi stimmt Wirtschaft und Verbraucher in der Eurozone vorsichtig auf eine allmählich wieder höhere Inflation ein.

Fachleute Äußerungen des Notenbankchefs vom Dienstag dahingehend, dass sich die Währungshüter langsam, aber sicher auf eine straffere Geldpolitik hin bewegen. Derzeit pumpt die EZB noch Monat für Monat Milliarden ins Bankensystem und hält die Zinsen niedrig - vor allem, um die Teuerung in die Nähe ihres Ziels von knapp unter zwei Prozent zu bringen.

Draghi deutete zur Eröffnung der alljährlichen Notenbank-Konferenz im portugiesischen Sintra eine mögliche Abkehr vom bisherigen Kurs an. Dabei betonte er aber die nötige "Vorsicht" mit Blick auf Risiken in der Weltwirtschaft.

"Anpassungen müssen schrittweise gemacht werden - und nur, sofern die verbesserte (wirtschaftliche) Dynamik, die sie rechtfertigt, hinreichend sicher ist." So müsse die nach wie vor nur geringe Euro-Inflation auch kein länger anhaltender Trend sein. Sie sei vor allem auf zeitlich begrenzte Entwicklungen zurückzuführen.

Zuversichtlich äußerte sich Draghi zur Konjunktur in Europa. Diese falle kräftiger aus und stehe zunehmend auf einem breiten Fundament. Es gebe auch wieder Faktoren, die die Preise steigerten. Indes herrsche an einigen Stellen Leerlauf, gerade wegen der Arbeitslosigkeit. Auch sei der Inflationsanstieg nicht nachhaltig. "Wir brauchen Ausdauer in unserer Geldpolitik", erklärte Draghi.

Die Inflation ist in vielen Staaten der Eurozone seit langem schwach - obwohl die EZB ein Billionenprogramm zum Kauf von Anleihen durchzieht und das Zinsniveau historisch tief ist. In der Regel sollen eine starke Ausweitung der Geldmenge und billige Kredite dazu führen, dass eine allzu geringe Inflation wieder anzieht: Während Verbraucher sich über kaum steigende Preise freuen, kann die Erwartung eines dauerhaft niedrigen Niveaus die Wirtschaft im schlimmsten Fall abwürgen.

Der Euro reagierte auf die Äußerungen Draghis mit Kursgewinnen. Gegenüber dem Dollar legte er zu. Wieder steigende Zinsen dürften etwa dazu führen, dass Anleger stärker im Eurogebiet investieren - mit zusätzlicher Nachfrage nach der dann knapper werdenden Währung. Draghi habe einen ersten Schritt in Richtung einer weniger lockeren Geldpolitik getan, kommentierte Marco Valli, Chefvolkswirt für Europa bei der italienischen Großbank Unicredit.

Bankökonomen rechnen damit, dass die EZB vermutlich im September die Weichen für eine weniger lockere Geldpolitik stellen wird. Damit würde sie sich der Strategie der US-Notenbank Fed annähern, welche ihre Anleihenkäufe zurückgefahren hatte und die Zinsen erhöhte. Es wird erwartet, dass auch die EZB den "Einstieg in den Ausstieg" aus den Wertpapierkäufen ankündigt. Mit einer Anhebung des Leitzinses, der seit längerem bei Null steht, dürfte sich die Notenbank jedoch noch viel Zeit lassen.

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