„Das ist keine Politik, die wir unterstützen“

Facebook, Netflix, Tesla: Unternehmen stellen sich gegen Trump

+
Lange haben sie geschwiegen, doch jetzt melden sich führende Wirtschaftsunternehmen zu Wort.

New York - Seit Trumps Wahlsieg hielten sich die Konzerne zurück, man glaubte gar, sie kuschen vor dem Republikaner. Das Einreiseverbot war ihnen dann doch zu viel, erstmals gibt es Gegenwind. 

Hat Donald Trump den Bogen überspannt? Trotz seiner Kampfansagen gegen den Freihandel und heftiger Attacken gegen einzelne Konzerne gab es bei US-Unternehmen bisher kaum offenen Widerstand gegen den neuen Präsidenten. Das hat sich mit dem Einreiseverbot für Staatsangehörige aus sieben überwiegend muslimischen Ländern schlagartig geändert. Plötzlich hagelt es Kritik aus verschiedenen Richtungen. Ist Trumps Schonfrist abgelaufen?

„Das ist keine Politik, die wir unterstützen“, versicherte Lloyd Blankfein, der Chef der mächtigen US-Investmentbank Goldman Sachs, den Mitarbeitern in der Nacht zum Montag. Die hausinterne Botschaft folgte auf ein Wochenende, das wegen Trumps umstrittenem Einreisebann im Zeichen von Chaos und Turbulenzen stand. Nicht nur an US-Flughäfen sorgte das Dekret für Ausnahmezustand, auch bei vielen ausländischen Angestellten von US-Unternehmen ist die Verunsicherung groß.

Facebook, Twitter, Google, Coca Cola: Sie alle gehen auf Distanz

Er erkenne in Trumps Erlass ein potenzielles Risiko für die Firma, „insbesondere für einige unserer Leute und ihre Familien“, sagte Blankfein. Wie andere große US-Geldhäuser hat Goldman Sachs eine bedeutende geschäftliche Basis im Mittleren Osten. Der Chef der Bank versprach betroffenen Mitarbeitern Unterstützung und konnte sich auch einen Seitenhieb gegen die Trump-Administration nicht verkneifen. „Verschieden zu sein, ist nicht optional“, zitierte Blankfein aus den Prinzipien von Goldman Sachs. „Nun ist der richtige Zeitpunkt, sich auf diese Worte zu besinnen.“

Zahlreiche weitere Top-Manager gingen auf Distanz zu Trumps Entscheidung - darunter Mark Zuckerberg von Facebook, Elon Musk von Tesla, Muhtar Kent von Coca-Cola, Jeff Immelt von General Electric, Jack Dorsey von Twitter, Sundar Pichai von Google, Reed Hastings von Netflix, Mike Parker von Nike, Howard Schultz von Starbucks, Brad Smith von Microsoft, Larry Fink von Blackrock, Tim Cook von Apple und etliche andere. Kein Wunder: Die US-Konzerne sind auf internationale Mitarbeiter angewiesen, Trumps Kurs ist schlecht für ihre Geschäfte.

Reaktion von Goldman Sachs spricht Bände

Markieren die teilweise starken Reaktionen einen Wendepunkt im Verhältnis zwischen „Corporate America“ und dem neuen Präsidenten? „Die Flitterwochen sind vorbei“, kommentierte Alan Murray, der Chefredakteur des US-Wirtschaftsblatts Fortune. In der Tat ist es das erste Mal, dass Trump richtig der Wind aus der heimischen Unternehmenswelt ins Gesicht bläst. Dass sogar Goldman Sachs sich in die Reihe der Kritiker stellt, spricht Bände. Trump hat vier ehemalige Banker der Finanzfirma, deren Aktienkurs nach seinem Wahlsieg zeitweise um 30 Prozent gestiegen war, in seiner Regierung.

Trotz mitunter heftiger Angriffe und Provokationen hatten sich US-Manager bislang nicht aus der Defensive getraut. Zur Erinnerung: Trump attackierte die größten US-Autobauer General Motors und Ford wegen ihrer Fabriken im benachbarten Niedriglohnland Mexiko („Baut in den USA oder zahlt hohe Grenzsteuern!“). Den Rüstungsriesen Boeing und Lockheed Martin warf er Wucherpreise bei Regierungsaufträgen vor („Kosten außer Kontrolle“). Die Konzerne reagierten diplomatisch. Teilweise so diplomatisch, dass es Kritik gab, sie würden kuschen.

Auswahl der betroffenen Länder sorgt für Unverständnis

Auch wenn sich viele US-Firmen weiterhin bedeckt halten, nimmt die Kritik zu. Selbst bei Ford, wo man Trumps Angriffe zuvor monatelang mehr oder weniger über sich ergehen lassen hatte, wurden am Montag andere Töne angeschlagen. „Respekt gegenüber allen Menschen ist ein Grundwert der Ford Motor Company, und wir sind stolz auf die Vielfalt unseres Unternehmens“, schrieben die Konzernchefs Mark Fields und Bill Ford an die Belegschaft. „Darum unterstützen wir diese Politik und jede andere, die gegen unsere Unternehmenswerte geht, nicht.“

Auch die Auswahl der vom Einreiseverbot betroffenen Länder sorgt für Unverständnis. Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate, aus denen die meisten der am Attentat auf die New Yorker Twin Tower am 11. September 2001 beteiligten Terroristen stammten, sind nicht auf der Liste. Länder, in denen Trump Geschäfte mache, blieben damit außen vor, stellten Kenner des Firmenreichs des US-Präsidenten rasch fest. „Das ist eine Verletzung der Verfassungsrechte. Wir sehen uns vor Gericht“, twitterte Experte Norm Eisen von der Brookings Institution, der die Obama-Regierung in Ethikfragen beraten hatte.

Unterstützen Airbnb, Google und Co. Klagen gegen das Einreiseverbot?

Wie Zeit Online außerdem berichtet, hat das Softwareunternehmen GitHub für dienstag ein Treffen organisiert, an dem Vertreter von Airbnb, Google, Netflix und weiteren Unternehmen teilnehmen. Bei den Gesprächen soll beraten werden, ob man anhängige Klagen gegen die Einreisverbote durch Stellungnahmen an die entsprechenden Gerichte unterstützt. Diese könnten Richter mit zusätzlichen Argumenten und Informationen unterstützen. 

dpa/mt

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

US-Medien: Boeing rechnet mit 737-Max-Flugverbot bis Sommer

Wegen der Unglücksmaschine 737 Max steckt Boeing in der Krise. Der US-Luftfahrtkonzern rechnet nun damit, dass das Flugverbot für den Krisenjet noch bis mindestens Juni …
US-Medien: Boeing rechnet mit 737-Max-Flugverbot bis Sommer

Trump gegen Greta in Davos: Das Rededuell um den Klimaschutz

"Eure Untätigkeit heizt die Flammen an": Greta Thunberg verschärft beim Treffen des Weltwirtschaftsforums den Ton in der Klimadebatte noch einmal. Dafür gibt es viel …
Trump gegen Greta in Davos: Das Rededuell um den Klimaschutz

Dax im Plus trotz Sorgen um Lungenvirus in China

Frankfurt/Main (dpa) - Der Dax ist am Dienstag trotz Sorgen wegen einer sich ausbreitenden Virus-Lungenkrankheit in China knapp in die Gewinnzone zurückgekehrt. Der …
Dax im Plus trotz Sorgen um Lungenvirus in China

Befristungen bei Jobs oft zur Erprobung von Mitarbeitern

Für befristete Einstellungen gibt es viele Begründungen. Eine Studuie zufolge wollen viele Unternehmen solche Miarbeiter erstmal unter die Lupoe nehmen, bevor sie …
Befristungen bei Jobs oft zur Erprobung von Mitarbeitern

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.