Wirtschaft in Großbritannien

Finanzexperte: May muss die Steuerschrauben lockern

+
May-Konkurrent und Labour-Chef Corbyn hatte unter anderem mit Plänen für Steuererleichterungen gepunktet. Foto: Karl-Josef Hildenbrand

Labour-Chef Corbyn hat mit Plänen für Steuererleichterungen vor allem bei jungen Leuten gepunktet. Daraus müsse Premierministerin May lernen, sagt ein Londoner Finanzexperte. Die britische Wirtschaft sei zwar stabil, aber Risiken blieben.

London (dpa) - Nach der Wahlschlappe von Premierministerin Theresa May in Großbritannien sieht ein Londoner Finanzexperte Chancen für einen Wechsel in der Steuerpolitik und damit für mehr Wirtschaftswachstum.

"Wenn die Konservativen die fiskalischen Schrauben etwas lockern, würde dies der Wirtschaft sehr gut tun", sagte James Athey vom Vermögensverwalter Aberdeen Asset Management der Deutschen Presse-Agentur. Denn dies würde helfen, den erwarteten Gegenwind deutlich zu reduzieren.

Die von May geführten Konservativen müssten politisch weiter nach links rücken. Athey verwies auf den Wahlkampf von Mays Herausforderer Jeremy Corbyn von der Labour-Partei, der mit Plänen einer expansiven Fiskalpolitik besonders bei jungen Leuten gepunktet habe.

"Die politische Unsicherheit wird überhaupt keinen Einfluss auf die Verbraucher haben, und der Effekt auf die Wirtschaft wird sehr gering sein", sagte Athey. Er betonte aber zugleich, May müsse rasch eine handlungsfähige Regierung auf die Beine stellen. Denn es blieben Risiken. Das Pfund bleibe von leichteren Schwankungen betroffen, "bis klar wird, wie die politische Agenda künftig aussieht." Der Kurs der britischen Währung war nach den ersten Prognosen zum US-Dollar stark gefallen, stabilisierte sich aber später. Falls das Pfund aber doch stärker einbreche, würden auch die Preise wieder steigen und die Verbraucher belasten.

Die starke Weltwirtschaftslage mit guten Konjunkturdaten in den USA und in der Eurozone nutze der britischen Wirtschaft jedoch, sagte Athey. "Es gibt ein großes unterstützendes Umfeld, das der britischen Wirtschaft helfen wird, ihren Kurs fortzusetzen." Wichtig sei aber auch, dass die Verhandlungen mit der EU über den Brexit rasch aufgenommen und nicht verschoben würden.

Kritisch sieht der Experte die Rolle von May: "Sie ist eindeutig geschwächt. Sie muss die Botschaft des Wählers genau analysieren und ihre Politik daran ausrichten." Die Konservativen würden May aber derzeit nicht fallenlassen, meinte Athey. "Bei einem neuen Machtkampf um die Parteispitze und einer möglichen erneuten Wahl besteht die Gefahr, dass die Tories als unwählbar, unorganisiert und zerstritten angesehen werden." Am besten sei es daher jetzt für die Partei, sich um May zu scharen.

Mays konservative Partei hatte bei den vorgezogenen Neuwahlen angepeilt, ihre absolute Mehrheit im britischen Parlament auszubauen und mit einem robusten Mandat in die harten Brexit-Verhandlungen zu gehen. Stattdessen hatte die Partei aber ihre Mehrheit verloren und strebt nun eine Koalitionsregierung mit der nordirischen DUP an. Das Wahlergebnis gilt als Schlappe für May, die erst nach dem Brexit-Votum im Juni 2016 das Amt übernommen hatte.

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Viele gegen gleiche Bezahlung auf Kosten des eigenen Gehalts

Berlin (dpa) - Eine Mehrheit von 64 Prozent der Bürger in Deutschland würde nicht auf Teile des Gehalts verzichten, damit Kollegen in gleicher Position so viel verdienen …
Viele gegen gleiche Bezahlung auf Kosten des eigenen Gehalts

Camembert-Krieg in Nordfrankreich beendet

Es ist offiziell: Der Camembert-Krieg in Nordfrankreich ist beendet. Ein Kompromiss soll nun Frieden nach Nordfrankreich bringen. 
Camembert-Krieg in Nordfrankreich beendet

BMW baut Elektro-Mini in China

Der größte Automarkt China verlangt Elektroautos - den nächsten Elektro-Mini will BMW in der Volksrepublik bauen. Mit einem neuen Partner. Und dabei einen Fehler …
BMW baut Elektro-Mini in China

BER-Kosten steigen über sieben Milliarden Euro

Vor zwei Monaten haben die Verantwortlichen den Start des Flughafens noch einmal verschoben, dieses Mal auf 2020. Nun wird die Rechnung dafür präsentiert.
BER-Kosten steigen über sieben Milliarden Euro

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.