Europa-Töchter nicht betroffen

Airbag-Hersteller Takata meldet Insolvenz an

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Angesichts von Verbindlichkeiten von mehr als umgerechnet 8,1 Milliarden Euro ist es eine der größten Insolvenzen in Japans Wirtschaftsgeschichte. Foto: Paul Sancya

Es ist eine der größten Insolvenzen der japanischen Wirtschaftsgeschichte: Wegen enormer Kosten für den Rückruf von Millionen Airbags hat der Zulieferer Takata die Reißleine gezogen. Hat das Folgen auch für Deutschland und Europa?

Tokio (dpa) - Der größte Rückruf in der Automobilgeschichte wegen defekter Airbags hat den japanischen Zulieferkonzern Takata in die Knie gezwungen. Das 1933 gegründete Unternehmen meldete in Japan und den USA Insolvenz an.

Grund für diesen Schritt sind die horrenden Kosten und Schulden wegen des Rückrufs von weltweit mehr als 100 Millionen Airbag-Modulen.

Die Tochterfirmen von Takata in Europa seien dagegen nicht betroffen, hieß es. Dort seien keine Insolvenzverfahren geplant. Mit Verbindlichkeiten von mehr als einer Billion Yen (8,1 Mrd Euro) ist es eine der größten Pleiten in Japans Wirtschaftsgeschichte.

Die globale Geschäftstätigkeit und die Lieferungen an die Autokunden - darunter auch deutsche Hersteller - sollten ohne Unterbrechung fortgeführt werden. Man rechne nicht mit Engpässen, sagte ein Sprecher von BMW. Auch bei Volkswagen hieß es, man gehe davon aus, dass die Insolvenzen in Japan und den USA "keine wesentlichen Auswirkungen auf die Produktion" des VW-Konzerns haben würden. Man arbeite mit Takata an der Sicherstellung der Versorgung. Die Tochter Audi erklärte: "Wir gehen davon aus, dass diese Insolvenzen die Audi-Produktion nicht wesentlich beeinflussen werden."

Daimler wollte sich zu Lieferantenbeziehungen und Auftragsvergaben aus Wettbewerbsgründen nicht äußern. Der Konzern hatte erst 2016 massenhaft Autos wegen Problemen mit Takata-Airbags zurückgerufen.

Zur Finanzierung einer Restrukturierung soll Takata nun an den chinesisch kontrollierten US-Zulieferer Key Safety Systems (KSS) zu einem Preis von rund 175 Milliarden Yen (1,4 Mrd Euro) verkauft werden. Beide Seiten erzielten eine Grundsatzvereinbarung, wonach KSS nahezu alle Vermögenswerte und operativen Geschäfte übernimmt - darunter auch die Herstellung von Sicherheitsgurten und Lenkrädern.

Ausgenommen ist der Bereich für Gasgeneratoren mit dem Stoff Ammoniumnitrat, die für den Tod von mindestens 16 Menschen verantwortlich gemacht werden. Bei langer Einwirkung von Hitze und Luftfeuchtigkeit kann der Airbag bei einem Unfall zu stark auslösen, Splitter können dann durch den Fahrzeuginnenraum geschleudert werden.

Takata kündigte an, die Lieferung von Ersatz-Gasgeneratoren für die laufenden Rückrufe fortzusetzen. Mittelfristig soll der Geschäftsbereich eingestellt werden. Der Rest von Takata dürfte auf eine Abwicklung zusteuern. Der geplante Verkauf an KSS soll helfen, Zahlungsverpflichtungen gegenüber den Kunden nachzukommen.

Takata hatte sich im Januar mit der US-Justiz auf einen Vergleich geeinigt. Das Unternehmen gab kriminelle Vergehen zu und willigte ein, Strafen in Höhe von einer Milliarde Dollar zu zahlen.

Gegen drei Manager wurden Strafanzeigen gestellt. Laut Anklageschrift sollen sie mit manipulierten Testergebnissen bewusst die Risiken mangelhafter Airbags verschleiert haben. Die Mängel haben allein in den USA zum Rückruf von 70 Millionen Airbags geführt.

Mit einem Weltmarktanteil von 20 Prozent bei Airbags ist Takata für die Autobranche nicht einfach zu ersetzen. Daher suchten die betroffenen Autobauer seit Jahren nach einer Lösung, damit Takata die Produktion fortsetzen kann. Durch den nun geplanten Zusammenschluss nahezu aller Bereiche von Takata und KSS würde ein Anbieter von Sicherheitssystemen für Autos mit etwa 60 000 Mitarbeitern in 23 Ländern geschaffen.

"KSS ist nicht nur der ideale Investor, um die Kosten in Zusammenhang mit den Rückrufen von Airbag-Gasgeneratoren zu bewältigen, sondern auch ein optimaler Partner für Kunden, Lieferanten und Mitarbeiter des Unternehmens", sagte Shigehisa Takada, Vorstandschef von Takata. Lange Zeit hatte die Gründerfamilie, die bislang 60 Prozent an Takata hielt, versucht, eine außergerichtliche Lösung zu finden. Die Autohersteller jedoch bestanden auf einem Insolvenzverfahren.

Die japanische Großbank Sumitomo Mitsui will Takata nun einen Überbrückungskredit von bis zu 25 Milliarden Yen einräumen, um laut Medienberichten die Finanzierung seiner Lieferanten zu sichern. Japans Autohersteller haben sich zudem verpflichtet, Takata während des Insolvenzverfahrens finanziell zu unterstützen. "Das Unternehmen arbeitet darüber hinaus mit der Kundengruppe an einer Vereinbarung, dies auch auf globaler Ebene zu tun", teilte Takata weiter mit.

Die betroffenen Autobauer hatten bereits in vergangenen Jahren Kosten für die Rückrufe übernommen, um das Airbag-Desaster ohne eigene Produktionsprobleme abzuwickeln. Eine weitere finanzielle Belastung für die Hersteller dürfte sich in Grenzen halten.

Die Aktie von Takata wurde am Montag vom Börsenhandel in Tokio ausgesetzt. Sie wird am Dienstag vom Kurszettel gestrichen.

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