Datenschutz moniert

Foodwatch-Test: Defizite bei Online-Lebensmittel-Händlern

+
Lebensmittelbestellung im Internet: Die Verbraucherorganisation Foodwatch hat viele Anbieter untersucht. 

Online-Lieferdienste für frische Lebensmittel stecken noch in den Kinderschuhen. Die Verbraucherorganisation Foodwatch sieht aber schon Handlungsbedarf. Vor allem die geltenden Kennzeichnungsvorgaben handhaben die führenden Anbieter ziemlich lax, so die Kritik.

Berlin (dpa) - Die Verbraucherorganisation Foodwatch hat bei Online-Lebensmittelhändlern Defizite bei Produktkennzeichnungen und beim Datenschutz angemahnt.

In vielen Fällen verstießen die Händler gegen die Informations- und Kennzeichnungsvorgaben, teilte Foodwatch mit. Auch beim Umgang mit Nutzerdaten habe es teils deutliche Defizite gegeben. Die Verbraucherschützer hatten in einem Vergleichstest insgesamt fünf Online-Händler unter die Lupe genommen.

"Egal ob im Online-Shop oder im Supermarkt um die Ecke: Verbraucherinnen und Verbraucher müssen alle vorgeschriebenen Produktinformationen schnell und einfach finden können", sagte Martin Rücker, Geschäftsführer von Foodwatch Deutschland. Vier von fünf Anbieter geben allerdings keine eindeutigen Herkunftsnachweise für die verschickten Produkte an, wie Foodwatch-Expertin Luise Molling kritisierte. So sei bei Rewe nicht klar erkennbar gewesen, ob eine Paprika aus Deutschland, Spanien oder Israel kam. "Und Amazon Fresh gibt für seine Weintrauben insgesamt 13 Herkunftsländer an."

Foodwatch untersuchte mit Testkäufen im November den Rewe-Lieferdienst, Amazon Fresh, Allyouneedfresh, Mytime sowie den Edeka-Anbieter Bringmeister mit einem Warenkorb von 21 Produkten, bei denen vor allem gekühlte Lebensmittel, Obst und Gemüse im Fokus standen. Dabei schnitten die Händler überwiegend gut ab, abgesehen von einigen Ausreißern seien Obst und Gemüse in einem guten Zustand gewesen. Die Preise ließen sich jedoch kaum vergleichen, da es viele verschiedene Optionen und Grundvoraussetzungen gebe. "Das ist ähnlich komplex wie beim Vergleichen von Strom- und Telefontarifen", sagte Rücker.

Den Datenschutz monierte die Organisation bei allen Anbietern. So gebe es in den Datenschutzerklärungen bei allen Lieferdiensten Mängel. Zudem würden sämtliche Online-Shops die Geburtsdaten der Kunden erheben, obwohl das für den Kauf nicht nötig sei, sagte Molling. Zusammen mit den teils massiv eingesetzten Trackern bezahlten die Kunden so auch mit ihren Daten, die gerade bei Ernährungsgewohnheiten gute Rückschlüsse auf die Person zuließen.

"Der Online-Lebensmittelhandel befindet sich noch in den Kinderschuhen", sagte Rücker. Neben den großen Vollsortimentern gebe es einen "Wildwuchs" an vielen kleinen Nischen-Anbietern. Foodwatch fordert deshalb eine bessere Kontrolle. Dafür müsse die Zuständigkeit für die Überwachung von Ländern und kommunalen Behörden auf den Bund übertragen werden, sagte Rücker: "Im Onlinehandel besteht ein echtes Kontrolldefizit, weil die Lebensmittelüberwachung nicht zeitgemäß aufgestellt ist."

Einer repräsentativen Studie des Bundesverbands Digitale Wirtschaft BVDW zufolge hat ein Drittel der Menschen in Deutschland (33 Prozent) schon einmal online Lebensmittel gekauft. 32 Prozent haben dies demnach noch nicht getan, könnten es sich aber vorstellen. Als größte Vorteile wurden die zeitliche Unabhängigkeit beim Einkauf genannt sowie die Tatsache, die Einkäufe nicht nach Hause tragen zu müssen.

Pressemitteilung Foodwatch

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Dax erholt sich etwas von jüngstem Kursrutsch

Frankfurt/Main (dpa) - Der deutsche Aktienmarkt hat sich nach zwei Verlusttagen wieder etwas gefangen. Die besonnene Reaktion Nordkoreas auf die Absage des Atomgipfels …
Dax erholt sich etwas von jüngstem Kursrutsch

EU-Länder kürzen Liste der Steueroasen

Bankenreformen, Steueroasen, Mehrwertsteuern für Online-Medien: Die EU-Finanzminister haben bei ihrem Treffen in Brüssel eine ganze Reihe an Themen in den Blick …
EU-Länder kürzen Liste der Steueroasen

Neue Vorwürfe gegen Daimler im Diesel-Skandal

Der Druck auf den Autobauer Daimler nimmt zu. Ihm droht ein Massenrückruf von Dieselfahrzeugen. Vorstandschef Zetsche muss nun zum Rapport ins Bundesverkehrsministerium.
Neue Vorwürfe gegen Daimler im Diesel-Skandal

Tempomat-Problem: Fiat Chrysler ruft Millionen Autos zurück

Auburn Hills (dpa) - Der italienisch-amerikanische Autobauer Fiat Chrysler ruft in den USA 4,8 Millionen Fahrzeuge zurück. Grund sind mögliche Probleme mit dem Tempomat, …
Tempomat-Problem: Fiat Chrysler ruft Millionen Autos zurück

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.