Lohnniveau klafft auseinander

Forscher: Mit extrem ungleichen Löhnen kein Jobaufschwung

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Laut den IAB Forschern steigt die Lohnungleichheit in Deutschland durch die größe Zahl von Nideriglohn-Beziehern. Foto: Arno Burgi

Jahrzehntelang ging die Schere zwischen Topverdiensten und Niedriglöhnen immer weiter auseinander. Erst die zuletzt hohen Tarifabschlüsse haben diese Entwicklung gestoppt. Das sei gut so, meinen Forscher. Alles andere gefährde den Jobaufschwung.

Nürnberg (dpa) - Extrem ungleiche Bezahlung von Beschäftigten und eine große Zahl von Niedriglohn-Beziehern sind nach Erkenntnissen von Arbeitsmarktforschern keine Basis für einen Jobaufschwung.

Bei weit auseinander klaffenden Lohnniveaus mit vielen Geringverdienern leide auch die Produktivität. Das geht aus einer Studie des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB hervor).

Die Autoren der Studie, die IAB-Wissenschaftler Enzo Weber und Christian Hutter, widersprechen damit der verbreiteten Meinung, die Jobchancen Schwächerer ließen sich vor allem mit einem ausgeprägten Niedriglohnsektor verbessern.

Sie berufen sich dabei auf ein von ihnen neu entwickeltes Modell über Wirkungsmechanismen auf dem Arbeitsmarkt. Dieses beschränke sich nicht darauf, mögliche Zusammenhänge verschiedener Entwicklungen aufzuzeigen, sondern erlaube Rückschlüsse auf ihre konkreten Ursachen, berichtete Weber.

Bei der Untersuchung der Arbeitsmarkt-Entwicklung seit den 1970er Jahren kamen die Forscher zum Ergebnis: Der Jobaufschwung seit 2005 sei keineswegs auf die seit den 90er Jahren immer weiterauseinander klaffende Schere zwischen Top- und Niedrigverdienern zurückzuführen. Im Gegenteil: "Stattdessen hat die höhere Ungleichheit nach unseren Ergebnissen der Beschäftigung und der Produktivität geschadet."

Den beiden Wissenschaftlern zufolge könnte sich die Negativentwicklung bei großer Lohnungleichheit dadurch ergeben, dass schlecht bezahlte Beschäftigte zunehmend beruflich und gesellschaftlich abgehängt würden. Beschäftigte, die beruflich den Anschluss verlören, seien aber für Firmen weniger attraktiv und fielen bei Bewerbungen häufig durchs Raster.

Bestätigt fühlen sich die IAB-Forscher von der Entwicklung nach dem 2015 eingeführten Mindestlohn. Dieser habe entgegen anderslautender Prognosen kaum Stellen gekostet. Wichtiger sei aber, bereits bei den Ursachen von Lohnungleichheit anzusetzen. Das bedeutete beispielsweise, Menschen in gering entlohnten Jobs besser aus- und fortzubilden und ihnen so den Sprung in höhere Lohngruppen zu ermöglichen. Gerade vor dem Hintergrund der wachsenden Digitalisierung komme einer "aktiven Qualifizierungspolitik eine Schlüsselrolle" zu.

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