Vorbild Deutschland

Frankreich will die Staatsbahn umbauen

+
Der französische Regierungschef Édouard Philippe will die staatliche Bahngesellschaft SNCF umkrempeln. Foto: Francois Mori/AP

Die Bahngesellschaft SNCF glänzt gerne mit ihren schnellen TGV-Zügen. Doch die Infrastruktur ist oft veraltet. Pendler klagen über Verspätungen. Nun will die Regierung durchgreifen - gegen Widerstand.

Paris (dpa) - Zugausfälle, Verspätungen und ein riesiger Schuldenberg: Frankreich will die staatliche Bahngesellschaft SNCF umbauen. "Die Lage ist alarmierend, um nicht zu sagen unhaltbar", sagte Regierungschef Édouard Philippe in Paris.

Er stellte einen Plan vor, um den vielkritisierten Bahngiganten auf Vordermann zu bringen. So soll bei der Struktur das Modell eines integrierten Bahnkonzerns wie in Deutschland mit Netz und Betrieb aus einer Hand Vorbild sein. Neueingestellte sollen nicht mehr den bisher üblichen besonderen Eisenbahner-Status bekommen. Der Konzern müsse sich zudem stärker dem Wettbewerb stellen.

Gegenwind kommt von den Gewerkschaften - sie haben für den 22. März bereits einen Aktionstag angekündigt.

Philippe will den Umbau der Bahn - wie schon die Arbeitsmarktreform 2017 - im Schnellverfahren mit Verordnungen durchsetzen. Das dürfte die Kritik weiter anheizen.

Denn bei der Arbeitsmarktreform konnten Abgeordnete im Parlament bei Details zunächst nicht mitreden. Diese wurden von der Regierung festgelegt. Der Gesetzesentwurf für die Bahnreform soll Mitte kommenden Monats kommen, die Abstimmung über Grundlinien ist dann vor dem Sommer geplant.

"Unsere Infrastrukturen sind im Schnitt doppelt so alt wie in Deutschland", bilanzierte der Regierungschef. Einen Zug in Frankreich fahren zu lassen sei 30 Prozent teurer als in anderen europäischen Ländern. Die Bahngesellschaft solle bis zum Sommer selbst Vorschläge zur Kostensenkung machen.

Philippe sprach Pannen, unpünktliche Züge und hohe öffentliche Kosten für die Bahn von 14 Milliarden Euro im Jahr an. Auch der Schuldenberg von rund 50 Milliarden Euro sei nicht mehr hinnehmbar. Philippe versicherte, der Bahnkonzern werde nicht privatisiert. Das Reformpaket umfasse auch nicht die Schließung von wenig befahrenen Strecken in den Regionen des Landes. Laut Philippe befördert die Bahn jeden Tag rund vier Millionen Reisende.

Philippe zu Privatisierung (Frz.)

Philippe zu öffentlicher Unterstützung für die SNCF (Frz.)

Philippe zu Öffnung für Konkurrenz (Frz.)

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Deutsche Wirtschaft hat im Frühjahr an Tempo gewonnen

Frankfurt/Main (dpa) - Die deutsche Wirtschaft hat nach Einschätzung der Bundesbank im zweiten Quartal wieder etwas an Tempo gewonnen.
Deutsche Wirtschaft hat im Frühjahr an Tempo gewonnen

Audi-Chef Stadler in U-Haft genommen - Nachfolge soll feststehen

Neuer Paukenschlag in der Abgasaffäre: Audi-Chef Rupert Stadler wurde festgenommen und sitzt nun in Untersuchungshaft. Vergangene Woche war bereits sein Haus durchsucht …
Audi-Chef Stadler in U-Haft genommen - Nachfolge soll feststehen

Bahn im Mai wieder unpünktlicher

Berlin (dpa) - Fahrgäste in ICE und Intercitys der Deutschen Bahn brauchten im Mai wieder mehr Geduld. Nur 75,8 Prozent der Fernzüge erreichten ihr Ziel pünktlich - das …
Bahn im Mai wieder unpünktlicher

Audi-Chef Stadler unter Betrugsverdacht verhaftet

Im Abgasskandal bekommt Audi-Chef Stadler die harte Hand der Justiz zu spüren. Wegen Verdunkelungsgefahr nahmen Ermittler ihn in U-Haft. Ein vorläufiger Nachfolger steht …
Audi-Chef Stadler unter Betrugsverdacht verhaftet

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.