Nahversorger

Freie Tankstellen setzen auf Shops

+
Die meisten Tankstellen verdienen nur wenig Geld mit dem Verkauf von Treibstoffen. Foto: Georg Wendt

Ausländische Mineralölkonzerne betreiben die größten Tankstellennetze in Deutschland. Doch für den einheimischen Mittelstand bleiben genug Nischen. Viele freie Tankstellen haben sich mit Läden zu Nahversorgern entwickelt - und behaupten sich so.

Hamburg (dpa) - Trotz des starken Konkurrenzdrucks auf dem deutschen Benzinmarkt haben sich die freien Tankstellen in den vergangenen Jahren gut behauptet.

Zwar nehme langfristig die Zahl der Tankstellen in Deutschland deutlich ab, heißt es in einer Studie der Rating-Agentur Scope im Auftrag des Bundesverbandes Freier Tankstellen (BFT), die am Dienstag in Hamburg vorgestellt wurde. In jüngster Vergangenheit lasse sich jedoch eine Verlagerung hin zum Mittelstand erkennen. Rund 25 Prozent der Treibstoffe in Deutschland werden von freien Tankstellen verkauft.

Im vergangenen Jahr ging die Zahl der Tankstellen hierzulande um 21 auf 14.510 zurück. Der Höchststand vor fast 50 Jahren lag bei mehr als 46.000 Stationen. Das bedeute jedoch nicht, dass die Nachfrage nach Kraftstoffen sinke, so der BFT. "Die Autozulassungen steigen auf neue Rekordhöhen", sagte Hauptgeschäftsführer Axel Graf Bülow. Die Fahrzeuge seien jedoch effizienter als früher und hätten größere Reichweiten, so dass sie seltener an die Zapfsäule müssten.

Vor allem große Konzerne wie Aral, Shell und Esso optimieren ihr Netz und betreiben tendenziell immer größere Stationen. Freie Tankstellen übernehmen oft die aufgegebenen Standorte der Konzerne und können diese wegen ihrer günstigen Kosten profitabel weiterführen.

Ohnehin verdienen die meisten Tankstellen nur wenig Geld mit dem Verkauf von Treibstoffen, sondern mehr mit ihren immer größeren Läden. "Manche Tankstellen können auch dort überleben, wo es durch die Straßenführung nicht gerechtfertigt wäre, weil sie sich zu Nahversorgern entwickelt haben", sagte Bülow. Der Shop-Umsatz je Tankstelle erhöhte sich innerhalb von 20 Jahren von rund 600.000 auf mehr als 900.000 Euro jährlich. Künftig gehe der Trend dahin, den Kunden noch mehr gastronomische Angebote zu machen.

Die freien Tankstellen setzen auf absehbare Zeit auf den Verbrennungsmotor und den Verkauf von Benzin und Diesel. Den Trend zur Elektro-Mobilität, der von der Politik gefördert werde, könnten sie bislang an den Zulassungszahlen nicht ablesen. Zwar sei der Bestand an Hybridfahrzeugen um 27 Prozent auf 165.400 gestiegen und der von Elektroautos um 33 Prozent auf 34.000. Doch seien zugleich 15,1 Millionen Dieselfahrzeuge zugelassen, so viele wie noch nie.

In den nächsten 20 Jahren werde die Dominanz der herkömmlichen Kraftstoffe bestehen bleiben, meint der BFT. Wegen der geringen Nachfrage und der hohen Investitionskosten hätten auch kaum freie Tankstellen in Ladesäulen für Elektroautos investiert, die sich nicht rechnen würden.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Bahn-Neubaustrecke Berlin-München bleibt in der Kritik

Berlin (dpa) - Nach dem holprigen Start der ICE-Neubaustrecke Berlin-München hat die Lokführergewerkschaft GDL der Bahn eine mangelhafte Vorbereitung des Betriebsstarts …
Bahn-Neubaustrecke Berlin-München bleibt in der Kritik

FDP-Generalsekretärin attackiert VW-Chef als "Diesel-Judas"

Hat der Diesel noch eine Zukunft? Seit langem sind Subventionen beim Sprit in der Kritik. Auch VW-Chef Müller hat nun Zweifel. Kritik kommt nun von der FDP. Das …
FDP-Generalsekretärin attackiert VW-Chef als "Diesel-Judas"

Letzte Klagen gegen Elbvertiefung

Leipzig (dpa) - Am Bundesverwaltungsgericht sind am Mittwoch die letzten Klagen gegen die umstrittene Elbvertiefung mündlich verhandelt worden.
Letzte Klagen gegen Elbvertiefung

Reisekonzern Tui trotzt allen Krisen

Der Tourismuskonzern Tui investiert in den Ausbau der Hotelketten und erweitert die Kreuzfahrtflotten. Das schlägt in der Bilanz positiv zu Buche.
Reisekonzern Tui trotzt allen Krisen

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.