Abgas-Skandal

Früherer VW-Chef Winterkorn vor Abgas-Untersuchungsausschuss

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Martin Winterkorn war bis Ende September 2015 Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG. Foto: Friso Gentsch, Archiv

Berlin/Wolfsburg - Winterkorn kommt - aber sagt er auch etwas? Grüne und Linke glauben, dass kaum ein Zeuge vor dem Untersuchungsausschuss mehr über den Diesel-Skandal zu erzählen hätte. Allzu große Hoffnungen machen sie sich aber nicht.

Der über den Abgas-Skandal gestürzte frühere VW-Konzernchef Martin Winterkorn kommt heute in den Untersuchungsausschuss des Bundestags zur Abgasaffäre. Es ist der erste größere öffentliche Auftritt des Managers seit seinem Rücktritt Ende September 2015.

In welchem Umfang Winterkorn die Fragen der Parlamentarier beantwortet, ist nach Auskunft seines Anwalts unklar. "Herr Winterkorn hat die Möglichkeit, reinen Tisch zu machen. Kein anderer dürfte so viel über den Abgasbetrug und dessen Verschleierung wissen", sagte der Ausschuss-Vorsitzende Herbert Behrens von der Linke-Fraktion der Deutschen Presse-Agentur. Das gelte auch für die Beziehungen zwischen Automobilindustrie und Bundesregierung, die Winterkorn über ein Jahrzehnt maßgeblich mitbestimmt habe. Ganz stumm werde Winterkorn wohl nicht bleiben können, seine "Auskunftsfreude" werde aber sicherlich Grenzen haben.

Der Ausschuss soll vor allem die Rolle der Bundesregierung und ihr Verhältnis zur Autolobby beim Umgang mit auffälligen Abgaswerten untersuchen. Die Verantwortung von VW-Mitarbeitern im Diesel-Skandal in Deutschland prüft dagegen die Staatsanwaltschaft Braunschweig. Gegen Winterkorn und andere Manager wird wegen des Verdachts der Marktmanipulation ermittelt. Sie sollen die Finanzwelt nach dem Bekanntwerden des Skandals zu spät informiert haben.

Als weitere Zeugen hat der Untersuchungs-Ausschuss am Donnerstag unter anderem den Präsidenten des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Matthias Wissmann, sowie Vertreter von Audi und Opel geladen.

"Wichtig für uns ist auch Winterkorns Blick auf die Rolle der Bundesregierung, die über Jahre weggeschaut hat und staatliche Kontrolle faktisch abgeschaffte", sagte Grünen-Fraktionsvize Oliver Krischer, der die Grünen im Untersuchungsausschuss vertritt. "Ich erhoffe mir von Herrn Winterkorn Aufklärung darüber, wie dieser Skandal entstehen konnte und wie die Software in die Motoren gelangen konnte."

Es sei "absolut unglaubwürdig", dass nur wenige Ingenieure Schuld an den Manipulationen gewesen sein sollten, sagte Krischer. Weil das Interesse an der Befragung Winterkorns so groß ist, sollte der Untersuchungsausschuss in einem größeren Saal tagen als sonst.

Wann eine Aussage verweigert werden darf

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